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Neuer Hochschulpakt

Wünsche aus der Herzkammer

Von Heike Schmoll, Berlin
 - 14:32

Ohne den Hochschulpakt hätten die Universitäten die anhaltend hohen Studienanfängerzahlen noch schlechter bewältigt als ohnehin schon. Am 3. Mai wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz einen Nachfolgepakt beschließen, der sich vom bisherigen Modell unterscheidet und Schwächen vermeiden soll. Aufgelegt wurde der Pakt als gemeinsame Studienplatzfinanzierung von Bund und Ländern im Jahr 2007. In drei Förderperioden sind den Hochschulen seither 20,2 Milliarden Euro zugeflossen, die Länder stellten ihrerseits 18,3 Milliarden zur Verfügung. Bisher erhielten die Hochschulen Geld, wenn sie zusätzliche Studienplätze schufen. Als Studienanfänger wurden dann allerdings zuweilen auch Studenten in einem Sommerkurs gezählt. Um derlei zu vermeiden, ringen Bund und Länder seit Monaten um ergänzende Kriterien. Denn dieses Mal hat der Bund im Koalitionsvertrag 2018 eine dauerhafte Finanzierung des Pakts in Aussicht gestellt, was den Hochschulen die Möglichkeit gibt, die Mittel langfristig für die Sicherung von Studienplätzen zu nutzen.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat nun gefordert, dass Bund und Länder die Mittel für die Hochschulen jährlich jeweils um drei Prozent steigern. Sie orientiert sich damit an der Finanzierung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ebenfalls jährliche Aufwüchse um drei Prozent verzeichnen und damit insgesamt besser finanziert sind, als die Herzkammern des Wissenschaftssystems, die Hochschulen. „Die Länder sollten den Hochschulen gemeinsam mit dem Bund endlich die gleichen Planungsmöglichkeiten einräumen wie der außerhochschulischen Forschung“, meint die HRK. Der bisher alleinige Indikator für die Mittelverteilung hat sich nicht bewährt, denn der Studienerfolg ist damit nicht garantiert. Nach den bisherigen Planungen könnte der neue Hochschulpakt drei Kriterien berücksichtigen: 20 Prozent für die Schaffung von Studienplätzen, 60 Prozent für die Studenten, die in der Regelstudienzeit plus zwei Semestern ihr Studium beenden, und 20 Prozent für Abschlüsse. Braucht ein Student drei Semester mehr, muss die betreffende Hochschule mit Mittelkürzungen rechnen. Die Anzahl der Abschlüsse, warnt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Peter-André Alt, dürfe allerdings nicht dazu missbraucht werden, die Qualitätsschwelle für die Examina zu senken. Alt hat als Präsident der Freien Universität in Berlin gute Erfahrungen mit solchen Kriterien gemacht, verweist aber darauf, dass die Anzahl der Studenten in Regelstudienzeit nicht dazu führen darf, dass Auslandsaufenthalte vermieden werden, weil sie immer mehr Zeit kosten.

Breitere Förderung der anwendungsorientierten Forschung

Die Betreuungsrelation von Professoren zu Studenten soll bei der Mittelverteilung keine Rolle spielen. Weil die Lehre nicht vernachlässigt werden soll, hat der Bund den Hochschulpakt durch ein wettbewerbliches Verfahren flankiert, um Mittel für die Verbesserung der Lehre zu verteilen (Qualitätspakt Lehre). Entschieden hat sich die HRK aber gegen Vorschläge des Bundes und des Wissenschaftsrats gewandt, eine nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft organisierte externe Förderorganisation etwa als Deutsche Lehrgemeinschaft zu gründen. Der entscheidende Faktor, um die Qualität der Lehre zu sichern und innovativ weiterzuentwickeln, sei eine starke Grundfinanzierung, meinen die Hochschulrektoren.

Ebenso deutlich lehnt die HRK den Vorschlag der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ab, bei der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes einen Berufsbachelor und Berufsmaster einzuführen. Das sei in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Es schwäche die Eigenständigkeit der beruflichen Bildung, schaffe durch die Verwechslungsgefahr Unsicherheit für Unternehmen und Stellensuchende und verletze „das rechtliche Gebot der Eindeutigkeit von Abschlussbezeichnungen und greift insoweit auch in die Zuständigkeit der Bundesländer ein“. Die HRK stützt in diesem Punkt die Haltung der Kultusministerkonferenz, die sich nach der langwierigen Verhandlung und Verabschiedung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zu den Berufsabschlüssen ebenfalls einhellig gegen den Vorschlag Karliczeks gewandt hat.

Darüber hinaus haben die Hochschulrektoren für alle Hochschularten eine breitere Förderung der anwendungsorientierten Forschung gefordert. Nur auf diese Weise könnten Forscher unabhängig von der Kooperation mit Industriepartnern und deren externen Vorgaben Anwendungsideen vorantreiben, erläuterte Alt. Geförderte Projekte müssten neben der wissenschaftlichen auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz zu haben. Bei der Begutachtung sollten deshalb Fachleute aus Wissenschaft und Praxis einbezogen werden, fordert die HRK. „Kleine und mittlere Unternehmen etwa sollen an Forschungsergebnissen partizipieren können ebenso wie soziale Einrichtungen oder Kommunen“, sagte Alt. Die Förderung müsse themenoffen und disziplinunabhängig ausgeschrieben werden und Raum für das Anwendungsinteresse der Forschenden selbst eröffnen.

Quelle: F.A.Z.
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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