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Semesterbeginn in Frankfurt

30 Besichtigungen ohne Erfolg

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Hoffnungslos in Frankfurt: Ein WG-Zimmer kostet hier durchschnittlich 500 Euro im Monat.

Als er die Zusage für das Masterstudium der Neurowissenschaften an der Goethe-Uni bekam, ahnte Bassem Hermila schon, dass die Wohnungssuche nicht leicht werden würde. Dass er auf Dutzende von Anfragen allerdings nicht eine einzige Antwort bekommen würde, hätte er nicht gedacht. Womöglich hatten die Vermieter Vorbehalte gegen ihn: Zu fremd klingt sein Name, Deutsch spricht er noch nicht. Der 25 Jahre alte Student aus Kairo ist einer von 29 jungen Leuten, die seit Montag im Indoor-Camp des Uni-Asta auf Luftmatratzen und Feldbetten schlafen, weil sie zum Studien- oder Ausbildungsbeginn keine Bleibe in Frankfurt gefunden haben. Hermila hat das Gefühl, in der Stadt nicht willkommen zu sein: „Hier ist kein Platz für mich.“

Schon zum neunten Mal in Folge veranstaltet der Asta das Protestcamp „Mieten? Ja wat denn?!“, mit dem er auf den Wohnungsmangel in Frankfurt aufmerksam machen möchte. Für die fünf Tage der Orientierungswoche können Erstsemester in den provisorischen Schlafräumen des Studierendenhauses auf dem Campus Bockenheim bleiben, bevor sie weiterziehen müssen. „Es ist zur traurigen Tradition geworden“, sagt Asta-Vorsitzende Kyra Beninga.

Nicht nur Studenten aus dem Ausland fällt die Wohnungssuche immer schwerer. Ein WG-Zimmer in Frankfurt kostet im Durchschnitt 500 Euro im Monat – 2010 waren es noch 380 Euro. Viele Neuankömmlinge weichen mittlerweile auf umliegende Städte wie Offenbach aus. Beninga kritisiert, statt in sozialen Wohnungsbau zu investieren, verkaufe die Landesregierung verfügbare Flächen an den Höchstbietenden. Private Wohnheime mit hohen Mieten lösten das Problem auch nicht.

Ohne große Hoffnung

Jedem dritten Frankfurter Studenten bleibt da nichts anderes übrig, als bei den Eltern wohnen zu bleiben. Diejenigen, die diese Möglichkeit nicht haben, kommen zum Indoor-Camp des Asta – so auch Luisa Mahler aus Mittelfranken. Die Achtzehnjährige hat nur zwei kleine Rucksäcke für den Aufbruch in ihr neues Leben gepackt.

Seit Juni sucht sie schon nach einem Zimmer, mindestens 30 Besichtigungen hat sie ohne Erfolg hinter sich gebracht. Sie und die anderen Wohnungssuchenden schauen jeden Tag auf die Pinnwand im Flur, auf der Privatleute eine Notiz hinterlassen können, wenn sie ein freies Zimmer haben. Vor allem ältere Leute, deren Kinder nicht mehr zu Hause lebten, seien meistens die Rettung, wenn das Camp vorbei sei, sagt Beninga. Zur Not schliefen sie bei einem der Asta-Mitglieder auf der Couch.

Bassem, der morgen sein Feldbett räumen muss, zieht erst einmal in die nächste Notunterkunft. Immerhin einen Besichtigungstermin in Offenbach hat er bekommen. Große Hoffnungen, sagt er, mache er sich allerdings nicht.

Quelle: hewe.
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