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Wirtschaftskongress der EBS

Manchmal fließen im Hauptquartier Tränen

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Maximilian Koehn und Lucia Richter, Studenten an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel

Wenn 15 Unternehmensberater in spe im Rheingau im Dreck sitzen und Grasbüschel aus Fugen kratzen, dann steht wieder das Symposion der EBS-Universität für Wirtschaft und Recht an. „Wir wollen, dass es hier schön aussieht, wenn sie kommen“, sagt Lucia Richter, kurz bevor sie und ihre Mitstreiter mit der Campusverschönerung beginnen. Die Studentin ist Vorsitzende des Organisationsteams – mit „sie“ meint die Zwanzigjährige Politiker wie Günther Oettinger und Edmund Stoiber, aber auch Spitzenmanager wie Sabine Bendiek von Microsoft und David Wang von Huawei.

Sie alle kommen, weil Richter und ihr Team sie eingeladen haben. 40 Redner werden von diesem Mittwoch an bis Freitag zu dem Wirtschaftskongress am Stammsitz der EBS in Oestrich-Winkel erwartet. Zuhören werden ihnen dann mehr als tausend Gäste, die meisten von ihnen sind Studenten. Sie erhoffen sich von der Veranstaltung mit dem diesjährigen Motto „Breaking Barriers“ nicht nur „inspirierende Beiträge“, wie Richter sagt, sondern sie kämen auch wegen der „Chancen“, die sie ihnen hier böten.

Während die Studenten dazu übergegangen sind, mit einer Art Flammenwerfer das Unkraut zwischen dem Kopfsteinpflaster zu veröden, dringt Baulärm zu ihnen herüber. Wenige Meter abseits von ihnen sind Arbeiter damit beschäftigt, ein riesiges Zelt aufzubauen. Dort finde dann gleichzeitig mit dem Symposion die Karrieremesse statt, sagt Richter. Unternehmen hätten die Möglichkeit, die Teilnehmer des Kongresses kennenzulernen und die Teilnehmer vielleicht ihre zukünftigen Arbeitgeber.

Ort des Symposions ist immer der EBS-Campus Schloss Reichartshausen – in diesem Jahr wird die Veranstaltung zum 30. Mal ausgerichtet. Organisiert wird sie wieder ausschließlich von den Studenten der Business School. Für Richter und Maximilian Koehn-Hevernick, den zweiten Hauptverantwortlichen, ist die Organisation vor allem eines: „ein Lernprozess“. Auf einmal hätten sie und ihr Kommilitone Personalverantwortung für 50 weitere Studenten gehabt. Ein Jahr lang hätten sie verinnerlicht, was es heiße, Entscheidungen zu treffen. „Was ich in diesem Jahr gelernt habe“, sagt Richter, „das hätte mir niemals ein Praktikum vermitteln können.“ Ihr Fazit: „Kommunikation ist das A und O.“ Koehn-Hevernick ergänzt, es sei wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle zusammenhielten „und nicht ich den großen Vorstand spiele“. Trotzdem habe er sich nicht nur Freunde gemacht, sagt der Zwanzigjährige. So galt es zu Beginn, ein Team zusammenzustellen, „da mussten wir einige unangenehme Personalentscheidungen treffen“, fügt Richter an.

Es kam ein Moment, auf den Koehn-Hevernick nicht vorbereitet war: „Vor mir hat jemand geweint.“ Es sei schwierig gewesen, in diesem Kontext damit umzugehen, aber er sei froh, dass er solche Situationen schon einmal kennengelernt habe, bevor es in die „echte“ Arbeitswelt gehe.

Wenn man in dem großen Arbeitsraum des Schlosses steht, in dem die Studenten ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben, dann könnte man auch so schon meinen: Hier wuselt ein kleiner mittelständischer Betrieb. Von hier verwalten die Studenten ein Budget, das mehrere hunderttausend Euro umfasst, hier sitzen sie in kleinen Gruppen auf Sofas zusammen und diskutieren über die Veranstaltung, oder sie erstellen für den Instagram-Account Storys, um für das Symposion zu werben.

An einer Wand kleben die ausgedruckten Fotos der Redner. Es fällt auf, dass nur eine Handvoll Frauen eingeladen sind. Richter und ihr Team haben sich zwar bemüht, ein ausgeglichenes Verhältnis zu schaffen, wie die Studentin sagt, doch am Ende sei es schwierig gewesen, geeignete Referentinnen zu finden. Koehn-Hevernick wirft ein: „96 Prozent aller Vorstände in den Dax-Unternehmen sind halt männlich.“ Trotzdem habe man sich entschieden, nur Redner auf „C-Level“, also auf Vorstandsebene, anzufragen. Ein Kollege der beiden erklärt: „Unsere Zielgruppe ist eben sehr fact-driven.“ Als BWL-Student schaue man sich einen „CV“ an und entscheide dann, ob der Redner etwas für einen sei. Und wenn dann ein Vorstand der Boston Consulting Group – gleich welchen Geschlechts – spreche, dächten sich jene, die in die Beratung gehen wollten: „Geil, das muss ich mir jetzt anhören.“

Quelle: tnkr. / F.A.Z.
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