FAZ plus ArtikelDie Gewinner der Berlinale

Böse Eltern hinter bunten Masken

Von Andreas Kilb
05.03.2021
, 17:04
Sie gewann den Darstellerpreis der Berlinale: Maren Eggert (mit Dan Stevens) in Maria Schraders Film „Ich bin dein Mensch“
Ist das Weltkino schief gewickelt – oder ist es der deutsche Film? Der Goldene Bär geht in diesem Jahr jedenfalls nach Rumänien.
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Eine Frau läuft durch Bukarest, nervös, scheinbar ziellos. Sie geht einkaufen, telefoniert, besucht Bekannte, wird von Passanten angestarrt und gerät zunehmend aus der Fassung. Emi, eine Lehrerin, hat mit ihrem Ehemann ein Pornovideo gedreht, das ohne ihr Wissen den Weg ins Internet gefunden hat. Am Ende dieses Tages muss sie sich in der Privatschule, an der sie lehrt, für ihr Tun verantworten. Wie die Passanten auf der Straße tragen auch die Teilnehmer des Elternabends Mundschutz. Aber zusätzlich zu ihren Gesichtsmasken sind sie verkleidet wie bei einem Kostümball, einer als Offizier, ein anderer als Pilot, wieder andere als Bäuerinnen, Matrosen und Adlige.

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Auf der Versammlung, die über Emis berufliches Schicksal entscheiden soll, wird das Innere der rumänischen Gesellschaft nach außen gestülpt, ihre Misogynie, ihre Doppelmoral, ihre Zerrissenheit zwischen der Gier nach Bereicherung und der Sehnsucht nach Halt. Zuletzt, als abgestimmt wird und Emi unterliegt, verwandelt sie sich in eine Rächerin aus dem Kino und lehrt ihre Gegner im Wonder-Woman-Kostüm das Fürchten.

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Andreas Kilb - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Kilb
Feuilletonkorrespondent in Berlin.
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