„Bullet Train“ im Kino

Ein Ticket mit Zuschlag bitte!

Von Maria Wiesner
05.08.2022
, 08:40
Hatten sich die Zugfahrt durch Japan ruhiger vorgestellt: Brad Pitt (links) und Bad Bunny in „Bullet Train“
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Brad Pitt schlägt sich im Actionfilm „Bullet Train“ durch einen japanischen Schnellzug voller Auftragskiller. Das ist so unterhaltsam wie es klingt.
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Eine der typischen Figuren des Actiongenres ist der alte Hau­degen, der mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat und nur noch seine Ruhe will. In „Bullet Train“ gibt Brad Pitt, mit Sonnenfältchen und dem Anglerhut des Touristen, einen solchen geläuterten Auftragskiller, den es zwar nach Japan verschlagen hat, der aber statt Auseinandersetzungen lieber Er­leuchtung im Zen-Tempel suchen will. Vor der Askese kommt die Arbeit. Und so besteigt Pitt den Schnellzug nach Kyoto, um einen sehr einfachen Job zu erledigen. Er soll einen Koffer finden, entwenden und an der nächsten Station wieder aussteigen. Was könnte schiefgehen?

Es geht schief, was schiefgehen kann

Freunde des Genres wissen: alles, was schiefgehen kann. Und einiges andere auch. So muss Pitt schon bald bemerken, dass er nicht der einzige Auftragskiller im Zug ist. Das titelgebende „Bullet Train“ spielt hier nicht nur auf den japanischen Schnellzug an, sondern auch auf die zahllosen Kugeln, die darin durch die Luft fliegen werden.

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Mit an Bord ist das ungleiche Brüderpaar Tangerine (Aaron Taylor-Johnson) und Lemon (Brian Tyree Henry), die den Sohn eines russischen Mafiabosses samt Geldkoffer nach Kyoto transportieren sollen. Auf dem Weg in die erste Klasse befindet sich ein japanischer Yakuza (Andrew Koji), der auf Rache nach dem Unfall seines kleinen Sohns aus ist. Und in den anderen sechzehn Abteilen wimmelt es nur so vor mexikanischen Gangstern mit großen Messern, amerikanischen Killerinnen mit Giftspritzen, ehemaligen Mafiamitgliedern mit Schwertern unterm Mantel und – warum denn nicht? – auch noch einer höchstgiftigen Schlange.

Gleich beginnt die Prügelei: Bryan Tyree Henry und Brad Pitt in „Bullet Train“.
Gleich beginnt die Prügelei: Bryan Tyree Henry und Brad Pitt in „Bullet Train“. Bild: Sony Pictures

Wenn all diese Figuren nun mit Worten, Pistolen und allerlei Zugausstattung aufeinander losgehen, könnte das ein heilloses Durcheinander werden – und in vielen Filmen mit Actionsequenzen wird es das auch, wenn wilde Schnitte und hektische Kamerafahrten Ge­schwindigkeit vortäuschen sollen. Der Regisseur David Leitch hingegen weiß, was er da tut, immerhin hat er seine Karriere als Stuntman begonnen. Seinen Hauptdarsteller Brad Pitt schickt er vielleicht auch deshalb so genüsslich durch allerlei Herausforderungen – vom Zweikampf in der beengten Zugbar bis hin zum Angriff einer Schlange in einer japanischen Hightech-Toilette –, weil er dessen Körper bereits bestens studieren konnte. Dreimal, in „Ocean’s Eleven“ (2001), „Troja“ (2004) und „Mr. und Mrs. Smith“ (2005), war er das Stuntdouble für Pitt.

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Kung-Fu-Filme und amerikanisches Actiongenre

Vor acht Jahren gründete Leitch die Produktionsfirma 87 North Productions und hat sich darauf spezialisiert, die Kunst asiatischer Kung-Fu-Filme mit dem amerikanischen Actiongenre zu vermählen. Für Filme wie „John Wick“ (Keanu Reeves als ehemaliger Auftragskiller auf Rachefeldzug gegen die Welt) oder „Atomic Blonde“ (Charlize Theron als Agentin im Berlin des Kalten Krieges) heißt das: Die Kamera umtanzt die Kämpfer so geschickt, dass das Kinopublikum nie den Überblick verliert. Wer wissen will, wie Regisseur Leitch Kampfkunst definiert, dem sei jene Szene aus „Atomic Blonde“ empfohlen, in der sich Charlize Theron zehn Minuten lang das Treppenhaus eines Apartmentblocks hinunter prügelt, wobei sie Tritte und Fäuste und alles, was ihr neben Stehlampen und Kochplatten noch so in die Hände fällt, benutzt. Ähnlich kreativ geht es an Bord des Zuges zu.

Leitch ergänzt die Kampfszenen durch Wort­gefechte – Henry und Taylor-Johnson beharken sich derart skurril, als wären sie soeben aus einem Film der Coen-Brüder getreten. Leitch beweist aber auch, dass er ein guter Erzähler ist, wenn er etwa die traurige Geschichte des mexikanischen Killers „Der Wolf“ von der Kindheit bis zu einer blutigen Hochzeit in zwei Minuten packt und das Drama nur über die Bilder, ohne jeg­liche Kommentierung vermittelt.

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© YouTube/SonyPicturesGermany

Da „Bullet Train“ auf dem Roman „Maria Beetle“ des japanischen Bestsellerautors Kotaro Isaka beruht, waberte schnell der Vorwurf kultureller Aneignung durch einige amerikanische Kritiken. Dem widersprach der Autor Isaka aber selbst. Im Gespräch mit der „New York Times“ sagte er, in seinem Buch habe er eine wilde Mischung an Figuren erfunden, die weder real seien noch wirklich japanisch. „Bullet Train“ kommt dieser Idee nicht nur durch die Besetzung entgegen, die sowohl japanische als auch amerikanische, britische und puerto-ricanische Darsteller umfasst. Das Neonlicht der Großstädte und die detailverliebte Zugausstattung verorten den Film in einer stylisheren Zukunft, in der es mitunter recht brutal zugehen kann. Was will man von Actionfilmen des Unterhaltungskinos mehr erwarten?

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.
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