<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
„21 Bridges“ im Kino

Große Namen, kleingefilmt

Von Maria Wiesner
Aktualisiert am 08.02.2020
 - 11:35
Ich will sofort ein besseres Drehbuch, sonst werde ich rabiat! Chadwick Boseman kommt leider zu spät, um diesen Film noch zu retten.
Boseman, Simmons, Miller, James – „21 Bridges“ versammelt klingende Namen vor der Kamera. Doch der Thriller ist weniger als die Summe der beteiligten Talente. Er verschenkt die schönsten Gelegenheiten.

Jeder Film ist ein Gemeinschaftskunstwerk. Selbst der größte Autorenfilmer muss sich auf seine Kamerafrau verlassen können und die beste Drehbuchschreiberin auf die Schauspieler, die ihre Worte glaubhaft umsetzen. Wenn man ein Team mit herausragenden Qualitäten für ein Filmprojekt zusammenbekommt, heißt das aber noch lange nicht, dass das Endprodukt auch herausragend wird. „21 Bridges“ ist dafür ein Beispiel. Auf dem Papier sieht alles sehr gut aus: zwei Produzenten, die zuvor Superhelden-Blockbuster wie „Avengers: Infinity War“ verantwortet haben (Anthony Russo und Joe Russo), haben sich mit einem „Game of Thrones“-Regisseur (Brian Kirk) zusammengetan und obendrein für die Besetzung Chadwick Boseman („Black Panther“), J.K. Simmons („Whiplash“), Sienna Miller („American Sniper“) und Stephen James („Beale Street“) gewinnen können. Eigentlich kann da doch gar nichts schiefgehen.

Und ob es das kann. All die großen Namen mühen sich umsonst ab, wenn es an so grundsätzlichem wie dem Drehbuch hapert. Das hat eine spannende Grundidee, interessiert sich aber wenig für die Figuren. Die Grundidee ist schnell erzählt: In New York ist ein unfassbares Verbrechen geschehen und es gibt nur eine Möglichkeit, die Täter zu schnappen. Dafür muss die Insel Manhattan komplett von der Außenwelt abgeschnitten werden. Alle Brücken, alle Bahntunnel, alle Fährverbindungen sollen für eine Nacht von der Polizei stillgelegt werden. So weit, so aufregend. Doch hier kommen auch schon die ersten Schwachstellen des Plots ins Spiel.

Das unfassbare Verbrechen ist die Tötung von acht Cops bei einem missglückten Kokainraub. Die Ermittlung übernimmt Polizeiprofiler Andre Davis (Chadwick Boseman), dem gegen seinen Willen die knallharte Drogenfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller) zugeteilt wird. Davis ist dafür bekannt, bereits mehrere Copkiller im Dienst getötet zu haben. Das Motiv dafür liegt in seiner Kindheit, denn sein Vater ist im Polizeidienst erschossen worden; ein Umstand, auf den ihn jeder Polizeibeamte, dem er in dieser Nacht begegnet, anspricht. Ebenso unverblümt sagt man ihm, dass man davon ausgehe, Davis würde die beiden flüchtigen Täter sofort zur Strecke bringen, wenn er sie vor die Pistole bekäme. Das ist so grob gezimmert, dass „Black Panther“ oder „Game of Thrones“ dagegen wie feinsinnige wirken. Boseman darf nicht viel mehr tun als nachdenklich dreinschauen und ab und an in einen Sprint verfallen. Sein Gegenspieler Stephen James hat deutlich mehr Spielraum, wenn er den klugen, aber im falschen Milieu aufgewachsenen Gangster Michael gibt, der versucht, mit heiler Haut aus der Sache herauszukommen. Besonders in den drei Stand-Off-Situationen mit Boseman, wenn die Kamera in die Großaufnahme auf sein Gesicht zoomt, wechselt er von Zweifel über Verzweiflung hin zu Entschlossenheit und Mut innerhalb weniger Sekunden. Der sechsundzwanzig Jahre alte kanadische Schauspieler, der sich mit so viel Ernst in diesen Actionthriller wirft, zeigt, mit welchem Kaliber Schauspieler man es hier eigentlich zu tun hat. Ähnlich ernst nehmen Sienna Miller und J.K.Simmons ihre Rollen.

Auch Regisseur Brian Kirk tut sein Bestes. Kirks Portfolio umfasst einige der beliebtesten TV-Serien zwischen „Game of Thrones“ und „Luther“. Die Stimmung, die schon in diesen Serien über seinen Bildern hängt, das Düstere, Abgründige, ist auch hier zu spüren. Sein Manhattan erinnert an die entsättigten Großstadtwelten, durch die er Idris Elba als britischen Mordermittler Luther streifen lässt. Auch die Actionszenen, wenn Davis und Burns die Täter im Auto und zu Fuß durch Hotelküchen, dunkle Gassen und U-Bahn-Tunnel verfolgen, sind durchaus unterhaltsam, angetrieben von der Musik, die Henry Jackman („The Kingsmen“ und „X-Men: First Class“) darüber legt.

Video starten

Kinotrailer
„21 Bridges“

Alle geben ihr Bestes, schaffen es aber nicht, als Kollektiv die Schwächen des Drehbuchs auszugleichen. Die Idee dazu hatte Adam Mervis. Der amerikanische Autor hat bislang Drehbücher für zwei Kurzfilme und den hierzulande unbekannten Spielfilm „Philly Kid“ geschrieben. Darin kommt ein ehemaliger Wrestler nach zehn Jahren aus dem Gefängnis und soll einen Freund retten, indem er einen Kampf verliert. Die „21 Bridges“-Idee von Mervis wurde mit Unterstützung des Drehbuchautors Matthew Michael Carnahan zum Skript, der für brillante Dialoge im Politthriller „Von Löwen und Lämmern“ verantwortlich war. Einige der witzigeren Schlagabtausch-Szenen iN „21 Bridges“ möchte man ihm zugute schreiben; etwa wenn der Gastwirt den Schlüssel zum Koks-Tresor rausrückt und den beiden Möchtegern-Gangstern lachend hinterherruft: „Dafür braucht ihr doch die ganze Nacht.“, wohl wissend, dass die zwei hier in eine Falle tappen, denn was er im Tresor hat, übersteigt bei weitem ihre Kompetenz.

Doch auch solche Dialogschnipsel und die gut gelungenen Actionszenen können nicht davon ablenken, dass dem Film grundsätzlich das Interesse für die Handlungen seiner Figuren und deren Motivation fehlt. So wie irgendwann Profiler-Cop Davis feststellen muss, dass in New York mehr Polizisten gegen- als miteinander arbeiten, so hat man auch im Film das Gefühl, jedes Einzeldepartment gibt sein bestes, schafft es am Ende jedoch nicht, das alles zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Wäre dieser Film eine Pyramide, so hätte man ein solide zusammengetragenes Fundament; aber die Spitze, die das Werk erst komplett macht, hat man vergessen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.