FAZ plus ArtikelFilmemacher Louis Henderson

Wie man den mächtigen weißen Mann auflöst

Von Lili Hering
16.02.2021
, 17:27
Seine Filme prägen Geschichtsphantasien: Der Kinokünstler Louis Henderson will mit ihnen den Rassismus bekämpfen und die Kultur des „weißen europäischen Mannes“ auflösen.

Auf eine Herkunft wollen sich Louis Hendersons Filme nicht festlegen, irgendwo zwischen früher Vergangenheit und flirrender Gegenwart kommen sie her. Seine ungreifbaren Figuren, deren Gesichter meist nicht zu sehen sind, deren Stimmen aber die Erzählung bilden, bewegen sich durch die Epochen. Sie kehren vom Anfang des dritten Jahrtausends nonchalant in die Zeit der Haitianischen Revolution zurück und verweilen dort, mit kritischem Blick, bis es sie wieder in die Jetztzeit zieht. Oder sie ziehen ihre Runden über den Kairoer Tahrir-Platz, fahren im Auto immer im selben Kreis, an Straßensperren und Werbetafeln vorbei, und denken darüber nach, ob ein in den Archiven des US Film Board gefundenes Skript von 1957 mit den Bildern der Revolution der zehner Jahre im Dialog steht oder ihn verweigert.

„Ouvertures“ heißt Hendersons letzter Film, der aber eben nicht „sein Film“ ist, sondern ein gemeinsamer, unter dem elf Namen aufgelistet sind, eine kollektive Arbeit: „The Living and the Dead Ensemble“ hat Regie geführt, geschrieben, gespielt, gefilmt und produziert, in verschiedenen Konstellationen. Das Ensemble formierte sich in Haiti, seine Mitglieder agieren zwischen Schauspiel, Tanz, Musik, Text, Lyrik und Film.

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