Tschechischer Film

Regisseur Jan Nemec gestorben

19.03.2016
, 15:26
Jan Nemec gehörte in den sechziger Jahren zu den Pionieren des tschechoslowakischen Films. Seine regimekritischen Filme brachten ihn ins Exil. Jetzt ist er mit 79 Jahren gestorben.

Der tschechische Filmregisseur Jan Nemec ist tot. Er starb bereits am Freitag nach schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren, wie der Sender CT am Samstag unter Berufung auf die Ehefrau berichtete. Nemec gehörte in den 60er Jahren neben Milos Forman und Jiri Menzel zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

In seinem Spielfilmdebüt „Diamanten der Nacht“ erzählte Nemec nach einer Vorlage des Schriftstellers Arnost Lustig von der Flucht zweier Jungen aus einem KZ-Transport. Der Film zeichnete sich durch lange Kameraeinstellungen und eine dichte Atmosphäre aus.

Im August 1968 dokumentierte Nemec den Sowjet-Einmarsch in der Tschechoslowakei, der die Hoffnungen auf einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zunichte machte. Das Filmmaterial wurde in den Westen geschmuggelt und vielfach ausgestrahlt. Nemec ging ins Exil.

Für „Nachtgespräche mit der Mutter“ erhielt er 2001 den Goldenen Leoparden im Videowettbewerb des Filmfestivals von Locarno. Die tschechische Verdienstmedaille gab Nemec, ein Verwandter von Vaclav Havel, 2014 aus Protest gegen Präsident Milos Zeman zurück. Damals sagte er: „Ich nehme sie wieder an, wenn es einen neuen Herrn auf der (Prager) Burg gibt, aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.“

Quelle: dpa
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