FAZ plus ArtikelTrotz Corona und Streaming

Warum ich den Glauben ans Kino nicht verloren habe

Von Volker Schlöndorff
30.08.2020
, 10:03
Schon vor der Corona-Krise mit ihren verheerenden Folgen, vor der Digitalisierung und dem Triumph der Streaming-Dienste wurde das Kino mehrmals totgesagt. Es hat sich immer wieder neu erfunden. Und nun? Ein Gastbeitrag.

Eigentlich sollte ich etwas schreiben über das, was die Welt bewegt oder zurzeit nicht genug bewegt: den Klimawandel. Das ist seit zwei Jahren mein Thema, genauer: die Bäume, die so wichtig sind für uns alle. Nur sie können die Erderwärmung bremsen, die sonst eine Milliarde Menschen, die heute noch als Kleinbauern leben, aus ihren Dörfern in die Städte vertreiben wird, wenn nicht, und das ist die große Hoffnung, Vernunft einkehrt und der Ackerbau verändert wird, beim Kleinbauern wie beim Agrarkonzern. Bäume können die von Verkarstung bedrohten Böden stabilisieren, Landwirtschaft in ihrem Schatten kann die Böden restaurieren und die Bauern ernähren, ihre Blätter Kohlenstoffdioxid absorbieren, ihr Holz Baustoff liefern, der weniger schädlich ist als die verheerende Zementherstellung.

Das Problem war bisher, dass fast alle in trockenen Gebieten gepflanzten Bäume nach ein, zwei Jahren eingehen. Mangels Wasser können sie keine Wurzeln bilden. Nun hat der australische Agronom Tony Rinaudo endeckt, wie ganze Wälder wieder wachsen können, indem man auf unter der Erde noch intakten Wurzeln aus früheren Zeiten zurückgreift. Dafür hat er 2018 den Alternativen Nobelpreis und den Beinamen the forest maker erhalten. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn kennengelernt. Ich war begeistert von seiner Methode. Und da ich nicht verstehe, warum sie nicht längst auf der ganzen Welt praktiziert wird, beschloss ich, einen Film über ihn zu machen.

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Goethe-Vigoni-Discorsi

Die Frankfurter Goethe-Universität konnte in diesem Jahr ihren traditionellen „Europasommer“ nicht ausrichten. Er sollte 2020 den Beziehungen Frankfurts zu seiner Partnerstadt Mailand und den Beziehungen Hessens zu seiner Partnerregion Emilia-Romagna gelten. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die entsprechenden Veranstaltungen verhindert, sondern die deutsch-italienischen Beziehungen selbst auf eine besondere Bewährungs-, ja Belastungsprobe gestellt.

So kam der Gedanke auf, ersatzweise Angehörige unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und gesellschaftlicher Felder zu bitten, in Essays überschaubarer Länge ihren Blick auf die Welt mit Corona festzuhalten. Zusammen mit der Hessischen Staatskanzlei, dem italienischen Generalkonsulat und der Villa Vigoni, dem Deutsch-Italienischen Zentrum für den Europäischen Dialog, soll so ein Gedankenaustausch organisiert werden – bevor im Sommer 2021 hoffentlich wieder deutsch-italienische Begegnungen auf dem Campus der Goethe-Universität möglich sein werden und das Fest nachgeholt wird.

Wir drucken in lockerer Folge Beiträge dieser „Goethe-Vigoni-Gespräche“ im Feuilleton der F.A.Z. und veröffentlichen sie im Internet. Den Anfang machte ein Text des Dalai-Lama, des einstigen Oberhaupts der tibetischen Exilregierung und geistlichen Oberhaupts der Tibeter. Es folgte ein Beitrag des ehemaligen österreichischen Bundesministers und EU-Kommissars Franz Fischler und einer des Dichters Durs Grünbein.

Quelle: F.A.Z.
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