FAZ plus ArtikelWohnen der Zukunft

Häuser für eine andere Welt

Von Niklas Maak
21.06.2021
, 06:16
In der Schweiz revolutionieren junge Büros wie Duplex Architekten mit aufsehenerregenden Wohnexperimenten unsere Vorstellung von der Zukunft der Stadt. Wie könnte die aussehen?

Eigentlich ist hier alles zu spät: Autobahnzubringer türmen sich auf mehreren Ebenen, dahinter ächzen Güterzüge nach Basel hinein – das hier ist nicht die Schweiz der Postkarten, sondern das ortlose Niemandsland der modernen Metropolen, das J.G. Ballard in seinem grandiosen Roman „Betoninsel“ beschreibt. Hier, denkt man, wenn man unter der Autobahnbrücke am alten Areal des Güterbahnhofs von Erlenmatt Ost einparkt, lebt man nicht, hier strandet man. Jedenfalls war es bisher so. Seit einigen Jahren ist der Stiftung Habitat und den von ihr beauftragten Architekten aber etwas Unwahrscheinliches gelungen; sie haben der Brache, auf der das schönste Bauwerk ein altes, 1912 von Rudolf Sandreuter entworfenes Silo war, ein neues Wohnquartier abgerungen.

Den Anfang machte ein skulpturaler Bau der Architekten Galli & Rudolf, die hier als ersten Baustein einer bewohnbaren Lärmschutzwand ein Wohn- und Gewerbehaus mit Alterswohnungen, betreute Wohngruppen, Werkstatt- und Gemeinschaftsräumen sowie einer Kindertagesstätte errichteten. Die einfache, aber skulptural und nobel wirkende Wand dieses Bauwerks aus rötlich gefärbten, von ornamentalen Formen durchbrochenem rohen Beton und Glasbausteinen war allein schon eine Setzung, die dem Basler Randbezirk eine fast lateinamerikanisch moderne Eleganz gibt. Noch bemerkenswerter ist der Bau, den das junge Züricher Büro Duplex Architekten an die Kante zu Autobahn und Gleisgewirr gesetzt hat: ein „Studierendenhaus“, wie Studentenheime jetzt genannt werden, für rund hundert Bewohner, mit Gewerbe im Erdgeschoss.

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Autorenporträt / Maak, Niklas
Niklas Maak
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