FAZ plus Artikel„Liste der ,Gottbegnadeten’“

Hitlers Lieblingskünstler

Von Andreas Kilb
31.08.2021
, 13:49
Ein Fall von Nazikunst? Der Bildhauer Richard Scheibe mit dem Entwurf seiner „Fortuna“ für das Schloss Charlottenburg
Auftritt der „Gottbegnadeten“: Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin dokumentiert die Karrieren führender Künstler des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit. Darunter sind prominente Namen.
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Seit 1957 steht eine Bronzestatue der Göttin Pallas Athene vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal. Sie stammt von Arno Breker, dem führenden Bildhauer des „Dritten Reiches“. Die Göttin ist allerdings kein Muskelpaket wie die schwellenden Jünglinge, mit denen Breker Hitlers Gunst gewann, sie reckt in giacomettihafter Schlankheit mit mädchenhafter Brust und archaisierenden Gesichtszügen ihren Speerarm in die Luft. Im Jahr 2003 verlor sie Schild und Schwert, als sie von Unbekannten von ihrem Sockel ge­stürzt wurde; nur der Speer aus Messing und der Kriegerhelm sind ihr geblieben. Durch ei­ne am Sockel angebrachte Tafel distanziert sich das Dörpfeld-Gymnasium von Brekers Wirken. Dennoch beschloss die Schulkonferenz vor drei Jahren, die Sta­­tue entfernen zu lassen. Der örtliche Denkmalschutz stellte sich quer. Bei einer Vermittlungsrunde vereinbarten die Streitparteien im Januar 2020, Brekers Bronze durch ein zeitgenössisches Kunstwerk zu ergänzen. Die Ausschreibung steht noch aus.

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Seit letzter Woche ist die Wuppertaler Pallas vor­über­gehend im Deutschen Historischen Museum in Berlin untergebracht. Ihr gegenüber liegt ein Marx-Kopf in einer Vitrine, den Brekers jüngerer Bruder Hans Anfang der fünfziger Jahre für die Universität Jena entworfen hat. Hans Breker lehrte seit 1949 unter dem Pseudonym van Breek an der Weimarer Kunsthochschule der DDR. Nach seiner Umsiedlung in die Bundesrepublik erhielt er zahlreiche öf­fent­­liche Aufträge, darunter Mahnmale für die Opfer des Zweiten Weltkriegs in Wesel und Leverkusen sowie Porträtbüsten von Käthe Kollwitz und Dietrich Bonhoeffer. 1958 gestaltete er das Ehrenmal für die Gefallenen der deutschen Sturmartillerie im fränkischen Karlstadt.

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Andreas Kilb - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Kilb
Feuilletonkorrespondent in Berlin.
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