Bildhauer Georg Friedrich Wolf

Die Erben des Prometheus

Von Christoph Schütte
27.07.2021
, 13:42
Herr der Hämmer und der Weltformel: Bildhauer Georg Friedrich Wolf macht die Türen auf.
Die Arbeiten von Georg Friedrich Wolf haben etwas zu erzählen. Mit der Ausstellung „Die Erben des Prometheus“ will der Bildhauer seine mächtigen Skulpturen einem breiten Publikum vorstellen.

„Wenn Sie die auswendig kennen, können Sie die Welt beherrschen.“ Na, das ist doch mal eine Ansage. Auch wenn die ellenlange „Weltformel“, die Georg Friedrich Wolf in die stählerne Stele gefräst hat, uns mit all ihren Klammern, Wurzeln und Potenzen doch ein Rätsel bleibt. Was man von den meisten anderen seiner aktuellen, schon mal fünf, sechs Meter aufragenden Skulpturen dann doch eher nicht sagen würde.

Immerhin ist seine „Die Erben des Prometheus“ überschriebene Ausstellung, die bis 1. August in Darmstadt zu sehen ist, eine dezidiert politische Präsentation geworden. Mit Arbeiten, die etwas zu erzählen haben. „Dafür mache ich Kunst“, sagt Wolf. „Wenn die Objekte kein Thema haben, ist es Deko.“ Und angesichts seines „Erzengels Michael“, der gegenüber dem Hessischen Landesmuseum zu sehen war, vor dem „Luzifer“ im Hof als seinem Gegenstück und dem „Prometheus“ versteht man, was er meint.

Stählerne, tonnenschwere Kolosse allesamt, mal aus Industriestahl, mal aus gezielt ausgewählten, „mit Geschichten aufgeladenen Fundstücken“ geschmiedet, gepresst, verschweißt und in hier konkret zu nennende, dort an die Figur angelehnte und dann wieder die Herkunft der Materialien offenlegende Form gebracht.

„Für mich“, so der 1962 in Freiburg geborene Künstler, „ist wichtig, dass ich vielseitig sein und mich austoben kann.“ Was ihm auf dem ehemaligen Schenck-Areal, wo Wolf vor drei Jahren sein Atelier eingerichtet hat, nicht allzu schwerfallen dürfte. 500 Quadratmeter misst die mit Kran und Schlosserei, mit Hydraulikpresse und Luftschmiedehämmern ausgestattete Industriehalle.

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Raum genug also, um seine Werke einem breiten Publikum vorstellen zu können. Eine Woche öffnet Wolf, der als Autodidakt zur Bildhauerei gelangte, jeweils von 10 bis 20 Uhr seine Werkstatt. Zeit genug also, sich Wolfs „Weltformel“ genauer einzuprägen.

Die Schau ist bis 1. August in der Landwehrstraße 75–79, Halle 109, in Darmstadt zu sehen. Informationen unter wolf-werk.com

Quelle: F.A.Z.
Christoph Schütte - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christoph Schütte
Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.
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