Die teuersten Kunstwerke in internationalen Auktionen 2013

Bloß keine Schwäche

Von Rose-Maria Gropp
27.12.2013
, 14:50
Warum auch? Es gibt keinen Grund. Gegenwartskunst ist zwar teuer, aber als Deko macht sie einiges her.
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Hier stehen die höchsten Zuschläge für Kunst in Auktionen dieses Jahrs. Doch wer weiß schon, welche anderen Werke für welche Summen ihre Besitzer wechselten, hinter verschlossenen Türen? Die beiden erzrivalisierenden weltmarktführenden Firmen Christie’s und Sotheby’s definieren sich ja seit geraumer Zeit schon über „Auctions and Private Sales“ – und bloß um Kunstwerke geht es schon lang nichtmehr. Dürfte ein Diamant mit auf die Liste, dann läge der „Pink Star“, den Sotheby’s in Genf verkaufte, auf Rang 3 mit umgerechnet 74,1 Millionen Dollar.

3b. Jeff Koons, „Balloon Dog (Orange)“ von 1994/2000, Skulptur (5 unikate Versionen), polierter Stahl, transparente Farbe, 307 mal 363 mal 114 Zentimeter: 52 Millionen Dollar (Taxe 35/55 Millionen) am 12.November bei Christie’s in New York
3b. Jeff Koons, „Balloon Dog (Orange)“ von 1994/2000, Skulptur (5 unikate Versionen), polierter Stahl, transparente Farbe, 307 mal 363 mal 114 Zentimeter: 52 Millionen Dollar (Taxe 35/55 Millionen) am 12.November bei Christie’s in New York Bild: dpa

Doch bleiben wir bei der Kunst. Da gab es ein großes Hallo – jedenfalls unter staunenden Laien –, als im November bei Christie’s in New York Francis Bacons, immerhin nicht marktnotorisches Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ von 1969 (1) für 127 Millionen Dollar zugeschlagen wurde, laut Katalog ohne Absicherung durch eine Garantie oder ein unwiderrufliches Gebot. Damit war das Munch-Pastell, das der amerikanische Unternehmer Leon Black im Vorjahr für 107 Millionen Dollar bei Sotheby’s ersteigerte, Schnee von gestern, um immerhin zwanzig Millionen abgehängt. Ist das aber wirklich so erschütternd? Oder nicht schlicht ein – beinah schon erwartbarer, Reflex – im Spitzenmarkt, der sich längst von „normalen“ Dimensionen abgelöst hat? Der unbekannte Käufer, der mit Aufgeld für den Bacon 142,4Millionen Dollar bezahlt, hat mit einiger Wahrscheinlichkeit ein künstlerisch bedeutendes Zeugnis der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erworben, dessen pekuniärer Tauschwert absehbar, selbst wenn er sinkt, beachtlich bleibt.

7. Jean-Michel Basquiat, „Dustheads“ aus dem Jahr 1982, Mischtechnik mit Acryl, Ölkreide, Lackspray und Metallfarbe auf Leinwand, 183 mal 213 Zentimeter groß: Zuschlag bei 43,5 Millionen Dollar (Taxe 25/35 Millionen Dollar) am 15. Mai bei Christie’s in New York
7. Jean-Michel Basquiat, „Dustheads“ aus dem Jahr 1982, Mischtechnik mit Acryl, Ölkreide, Lackspray und Metallfarbe auf Leinwand, 183 mal 213 Zentimeter groß: Zuschlag bei 43,5 Millionen Dollar (Taxe 25/35 Millionen Dollar) am 15. Mai bei Christie’s in New York Bild: Christie's


Der absolute Triumph der Zeitgenossen ist unübersehbar: kein einziger Impressionist – dieses Segment scheint einerseits so ausgedünnt zu sein, wie es andererseits der Geschmackswandel in den Schatten geschoben hat; auch kein Alter Meister – dieser Markt ist nicht nur gravierend unterbewertet, sondern er leidet auch habituell unter Mangel an Spitzenstücken, die, wenn sie auftauchen, entsprechend Höchstpreise erzielen. Es kann ja sein, dass die Gegenwartskunst überschätzt wird, aber es ändert nichts an ihrem bemerkenswerten Lauf. Dass übrigens begehrte Kunst in ihrer Gegenwart schon immer extrem teuer war, belegt ohnehin die Historie.

8a. Mark Rothko, „No.11 (Untitled)“ von 1957, Öl auf Leinwand, 202 mal 177 cm: Zuschlag 41Millionen Dollar (Taxe 25/35 Millionen) am 15. Mai bei Christie’s in New York – ziemlich weit weg von den 77,5 Millionen (35/45 Mio.), die im Mai 2012 das, etwas größere „Orange, Red, Yellow“ von 1961 am selben Ort einspielte.
8a. Mark Rothko, „No.11 (Untitled)“ von 1957, Öl auf Leinwand, 202 mal 177 cm: Zuschlag 41Millionen Dollar (Taxe 25/35 Millionen) am 15. Mai bei Christie’s in New York – ziemlich weit weg von den 77,5 Millionen (35/45 Mio.), die im Mai 2012 das, etwas größere „Orange, Red, Yellow“ von 1961 am selben Ort einspielte. Bild: AP


Anders als 2012 gibt es jetzt auch Rekorde für die Gegenwartkunst, gewiss kalkulierte, wenngleich nicht ganz so hoch: Schon die auf Anfrage genannte Schätzung von „mehr als 86Millionen Dollar“ machte das eben für Bacons „Three Studies of Lucian Freud (1) klar, und auch die Taxe von sechzig bis achtzig Millionen für Warhols „Silver Car Crash“ (2) deutete auf die angepeilte Einstellung des bisherigen Rekords für seinen „Green Car Crash“. Warhol, wo er ikonisch auftritt – wie auch mit der Coca-Cola-Flasche (4) – funktioniert, weil er so großartig lakonisch war, in seinen frühen Jahren. Jeff Koons endlich, dessen überdimensionaler Ballon-Hund (3b) den Versteigerungsrekord für einen lebenden Künstler zu ihm zurückholte (das war zuletzt Gerhard Richter), scheint schlicht unkaputtbar.

8b. Norman Rockwell, „Saying Grace“ aus dem Jahr 1951, Öl auf Leinwand, 109 mal 104 Zentimeter: Zuschlag bei 41 Millionen Dollar (Taxe 15/20 Millionen) am 4.Dezember bei Sotheby’s in New York
8b. Norman Rockwell, „Saying Grace“ aus dem Jahr 1951, Öl auf Leinwand, 109 mal 104 Zentimeter: Zuschlag bei 41 Millionen Dollar (Taxe 15/20 Millionen) am 4.Dezember bei Sotheby’s in New York Bild: AP


Nur ein Bild, eines von Picassos beliebten Marie-Thérèse-Walter-Porträts (9), wurde in London verkauft, der Nabel der Auktionswelt liegt derzeit unverrückbar in New York. Einige Bewegung gibt es indessen, weil beide Firmen ihre Frontleute für contemporary art verloren haben, Sotheby’s Tobias Meyer und Christie’s Amy Cappellazzo. Sie gehen künftig eigener Wege. Mit ihren Kundenlisten lassen sich bestimmt auch sehr gut privat private sales machen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton.
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