FAZ plus ArtikelKulturgeschichte des Parvenüs

Was Trump mit Künstlern gemein hatte

Von Stefan Trinks
03.05.2021
, 12:08
Trump und viele Künstler verbindet, dass sie oft als Parvenüs und stillose Emporkömmlinge bezeichnet wurden: Der einstige Präsident 2018 mit Fast Food bei einer Zeremonie zu Ehren der Gewinner der College Football Playoffs im Weißen Haus.
Die Figur des Parvenüs geht durch die Jahrhunderte. Was hat es auf sich mit den Schnellaufsteigern und wurden sie immer so negativ gesehen wie heute?

Der Begriff des „Parvenüs“ könnte in Zeiten des sogenannten Klassismus, der mehr Respekt für jene fordert, die wegen ihres sozialen Status verachtet seien, wieder eine große Rolle spielen. Waren und sind doch Parvenüs gesellschaftliche Schnellaufsteiger nicht nur in ökonomischem, sondern auch in machtpolitischem Sinne. Wem also der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär gelingt, ist ebenso Parvenü wie einer, der innerhalb kürzester Zeit hohe und höchste politische Ämtern erringt und damit Standesgrenzen überspringt.

Freilich ist diese Einstufung im Deutschen abschätzig gemeint. Parvenüs assoziiert man im Allgemeinen mit Emporkömmlingen, Nachahmern, Bücklingen, angepassten Karrieristen – Eigenschaften, die etwa in Picards und Schillers „Der Parasit“ um 1800 den gesellschaftlichen Schnellaufsteiger kennzeichnen. Seine Geringschätzung ist seit der Aufklärungszeit Programm. Doch diese Einschätzung verfehlt die historische Bedeutung des Parvenüs für Gesellschaft, Politik und Kultur, der – im Gegensatz zu Trump – in vielen Fällen für segensreiche Veränderungen sorgte. Allein in den letzten hundert Jahren stehen Ford, Rockefeller und Vanderbilt (mit auf heutige Verhältnisse umgerechneten 355 Milliarden Dollar der reichste Mann aller Zeiten) in den Vereinigten Staaten oder die Brüder Albrecht, Max Grundig und Reinhold Würth in Deutschland für wirtschaftlichen oder technischen Fortschritt. Allesamt dürfte man auch sie als Parvenüs bezeichnen.

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Autorenporträt / Trinks, Stefan
Stefan Trinks
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