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„Kannst du mir vertrauen?“

Von Katharina Deschka
17.11.2021
, 20:54
Besucher und Besucherinnen der Ausstellung Eins Komma Fünf "aktivieren" die Stoffobjekte des Künstlers Franz Erhard Walther in der Kunsthalle Mainz.
Nähe und Distanz: In der Kunsthalle Mainz werden Besucherinnen und Besucher zu Teilen der Ausstellung. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit auch auf die Bewegungsveränderungen in der Corona-Pandemie.
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Bedachtsam, wie bei einer kultischen Handlung, rollen die beiden jungen Frauen eine Stoffbahn auf dem Boden auseinander. Wir anderen warten leicht nervös vor der mit Teppich ausgelegten Fläche, was nun geschieht. Keiner sagt etwas. Die grellen Deckenlampen setzen den White Cube der Kunsthalle Mainz, in deren Ausstellung „Eins Komma Fünf“ wir uns befinden, in gleißendes Licht. Jeder, der hier mitmacht, wird jetzt gleich auf dieser Bühne ausgestellt werden. Ein eigenartiges Gefühl.

Im Stofftunnel: Dort drinnen kann man seinem Gegenüber nicht ausweichen.
Im Stofftunnel: Dort drinnen kann man seinem Gegenüber nicht ausweichen. Bild: Samira Schulz

Die beiden Frauen haben den Stoff zu einer langen Bahn entfaltet und teilen ihn nun noch einmal, sodass ein Viereck von schätzungsweise vier mal vier Metern aus Stoff entsteht. Wir positionieren uns an den Ecken. „In die Schlaufen von oben einsteigen“, sagt eine der jungen Frauen, die Einweiserin. Das geht ganz leicht, und als wir nun zu viert ein Quadrat bilden, verbunden miteinander nur durch ein Stück Stoff, in dem wir uns nach hinten lehnen, um Spannung aufzubauen, offenbart sich mit einem Schlag das ganze Wunder dieser künstlerischen Idee von Franz Erhard Walther: dass wir, als Betrachter nun einbezogen, ein Werk überhaupt erst entstehen lassen. Dass wir dabei eine Verbindung zueinander aufnehmen, wie das unter Fremden sonst selten geschieht.

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„Eins Komma Fünf“ ist bis 9. Januar 2022 in der Kunst­hall e Mainz, Am Zollhafen 3–5, Dienstag, Donnerstag, ­Freitag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch von 10 bis 21 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die ­Aktivierungen des „1. Werksatzes“ von Franz Erhard ­Walther finden immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr statt.Am 9. Januar um 18 Uhr kommt Franz Erhard Walther zu einem Gespräch mit dem Kunstkritiker Erik Verhagen in die Kunsthalle.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Deschka, Katharina
Katharina Deschka
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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