FAZ plus ArtikelUnterwegs mit Schatzjägern

Das Eiserne Kreuz im polnischen Wald

Von David Lindenfeld, Gudzisz
23.11.2021
, 07:36
Carsten Konze steht mit seinem Metalldetektor und seinem Spaten in einem Feld in der Nähe von Gudzisz.
Wenn sie rausgehen und den Detektor einschalten, schaltet sich alles andere ab: Doch Hobby-Historiker, die mit einem Metalldetektor losziehen, sind nicht immer beliebt – und können sich strafbar machen. Eine Geschichte von Faszination und Vorgaben.
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Carsten Konze fasst in das sandige Loch, das er in den Boden gegraben hat, und holt etwas Zylinderförmiges hervor. Er streicht die Erde von der Unterseite ab, hebt den Kopf, zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „BMG, 1944, Saint Louis, panzerbrechend.“ Konze, der lieber Carsten genannt werden möchte, kniet in einem polnischen Waldstück in der Nähe des Dreihundert-Einwohner-Dorfs Gudzisz und betrachtet die Patrone des amerikanischen Browning-Maschinengewehrs, die er gerade mit seinem Metalldetektor gefunden hat. Sie ist etwas länger als ein Bleistift von Ikea und so dick wie ein Daumen.

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Das Projektil aus dem Zweiten Weltkrieg bietet Zugang zu einer Zeit, von der kaum noch Spuren zu finden sind, wenn man nicht gerade nach ihnen gräbt. „Wurde nie abgefeuert“, sagt Carsten, „jetzt geht das Kopfkino los.“ Schüsse. Explosionen. Heute ist es hier still. Bäume knarzen im Wind. Regentropfen fallen aufs Laub und den mit Blättern bedeckten Waldboden. Für Carsten, gegelte Haare, Hose im Camouflage-Look, grüner Pullover, wird es nicht der letzte militärische Fund sein, den er an diesem Tag macht.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindenfeld, David
David Lindenfeld
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