FAZ plus ArtikelKunst im Weltraum

Er hätte einfach nur funkeln sollen

Von Frank Rieger
18.05.2019
, 16:27
Eine grafische Darstellung des Satelliten „Orbital Reflector“
Mehrmals wurde der Starttermin verschoben, dann hob das Kunstprojekt „Orbital Reflector“ an Bord einer SpaceX-Rakete ab. Geschichte einer Idee und ihres Scheiterns.

Am Nachthimmel über unseren Köpfen ziehen kleine leuchtende Punkte ihre Bahnen. Die meisten sind sehr langsam unterwegs, es sind weit entfernte Sterne und die Planeten unseres Sonnensystems. Einige, die menschengemachten Sterne, huschen jedoch in wenigen Minuten von Horizont zu Horizont, sichtbar durch das an ihren Solarpaneelen reflektierte Licht der schon untergegangenen Sonne. Seit 1957 Sputnik 1 das Weltraumzeitalter eröffnet hat, sind mehr als 8000 künstliche Erdtrabanten in Umlaufbahnen befördert worden. Mehr als die Hälfte davon ist immer noch dort oben, ein knappes Viertel funktioniert noch. Wie sehr die Menschheit von ihren künstlichen Himmelskörpern abhängig ist, wie sehr sie Teil unseres Alltags geworden sind, machen wir uns oft nicht bewusst. Satelliten ermöglichen präzise Navigation, genaue Wettervorhersage, Fernsehübertragungen, die Satellitenbilder in den digitalen Karten auf unseren Telefonen. Doch es gibt noch eine andere Satellitenwelt, die vor den Augen der Öffentlichkeit weitgehend verborgen ist. Militär und Geheimdienste haben seit Beginn der Raumfahrt die Orbits mit Spionagesatelliten bestückt, die Funksignale abhören und hochauflösende Bilder schießen. All diese Satelliten haben einen Zweck. Sie sind mit großem Aufwand und hohen Kosten gebaut, getestet und auf haushohen Raketen ins All geschossen worden.

Was auf den Umlaufbahnen geschieht, die kaum fassliche Dimension insbesondere der geheimen Weltraumnutzung ins Bewusstsein zu rufen, ist das Ziel eines der ungewöhnlichsten Kunstprojekte der letzten Jahre. Trevor Paglen ist ein Künstler, dessen Werke sich um das Sichtbarmachen des Unsichtbaren drehen. Er hat geheime Militärbasen aus großer Entfernung durch das Hitzeflirren der Wüste fotografiert. Er ist zu den Unterseekabeln getaucht, die die Bits transportieren, die ungesehen all die Informationen transportieren, die unsere digitalisierte Welt zusammenhalten.

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Quelle: F.A.S.
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