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Im Alter von 74 Jahren

Deutscher Modefotograf Peter Lindbergh ist tot

Aktualisiert am 04.09.2019
 - 11:03
Peter Lindbergh, hier auf einem Bild aus dem September 2016.
Der deutsche Starfotograf Peter Lindbergh ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Lindbergh arbeitete für berühmte Modeschöpfer und prägte die Modefotografie mit seinen markanten Schwarzweißbildern.

Der deutsche Starfotograf Peter Lindbergh ist tot: Er starb mit 74 Jahren, wie seine Familie an diesem Mittwoch in Frankreich mitteilte.

Peter Lindbergh wurde unter dem Namen Peter Brodbeck am 23. November 1944 in Lissa in Polen geboren, von wo seine Familie vertrieben wurde. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Duisburg. Sein Vater war Handelsvertreter für Süßigkeiten, seine Mutter Hausfrau. Lindbergh wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern auf. Sein älterer Bruder Horst wurde Arzt und Psychoanalytiker.

Lindbergh war ein schlechter Schüler. Mit 15 verließ er die Schule und absolvierte zunächst eine Lehre als Schaufensterdekorateur. In Berlin belegte er an der Hochschule für Bildende Kunst einen Abendkurs in Zeichnen. Nach einer Vagabundenzeit, in der Lindbergh nach Frankreich und durch Spanien und Marokko trampte, studierte er an der Werkkunstschule in Krefeld bei Günther C. Kirchberger Malerei, Gebrauchsgrafik und Design. Zu seinem eigentlichen Metier, der Fotografie, fand Lindbergh erst im Alter von 27 Jahren, als sein Bruder ihn bat, sich eine Kamera zu kaufen. Lindbergh sollte dessen Kinder fotografieren. Danach assistierte Lindbergh dem Fotografen Hans Lux und entschloss sich dabei zu einer weiteren zweijährigen Lehrzeit, um die handwerklichen Grundbegriffe der Fotografie zu lernen.

Anschließend machte er sich als Werbefotograf selbstständig. Zunächst interessierte ihn besonders der Kontrast der Duisburger Industriearchitektur zur benachbarten linksrheinischen Naturidylle. Eine Modefotoserie, die im Jahr 1978 im Magazin „Stern“ veröffentlicht wurde, brachte ihm aber dann den entscheidenden Durchbruch in der Modebranche. In dieser Zeit nahm er auch seinen Künstlernamen an, da es einen Fotografen namens Brodbeck bereits gab.

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„Vater“ der Supermodels
Trauer um Peter Lindbergh

Am liebsten Frauen, sinnliche Männer

Die Aufträge für Lindbergh, die nach dem ersten Erfolg eintrafen, kamen nun von allen namhaften internationalen Modemagazinen und Hochglanzgazetten, darunter die bekanntesten wie „Vogue“, „Marie Claire“, „Harper's Bazaar“, „Vanity Fair“ oder das Musikmagazin „Rolling Stones“. Kaum ein namhafter Designer hat nicht mit Lindbergh zusammengearbeitet. So lichtete er die Kreationen von Prada ebenso ab wie die von Calvin R. Klein, Donna Karan, Giorgio Armani, Jil Sander, Gianfranco Ferré oder Karl Lagerfeld.

Lindbergh galt innerhalb weniger Jahre als der Starfotograf der internationalen Modewelt. Viele seiner Bilder waren Schwarz-Weiß-Fotografien, eine Vorliebe, die er sich bis zuletzt bewahrte. Auch als Modefotograf stellte er Fotomodelle gern in ein künstliches, technisches Umfeld, eine Neigung, die auf seine frühen Bilder der Industriearchitektur verwies. Bevorzugt fotografierte er Frauen, neben Models auch Schauspielerinnen und Rockstars wie Tina Turner und Madonna. Männer zeigte Lindbergh hingegen gern sinnlich oder verletzlich, etwa 2013 den britischen Schauspieler Eddie Redmayne.

Ein erster Bildband als Verkaufsschlager

Im Kunstmarkt wird Lindbergh neben Größen wie Irving Penn, Richard Avedon und Helmut Newton gehandelt. Ein Triptychon von Lindbergh über Keith Richards wurde 2014 in London für 150.000 amerikanische Dollar verkauft.

1989 schrieb Lindbergh Fotografiegeschichte, als er fünf junge Frauen für das im Januar 1990 veröffentlichte Cover der britischen „Vogue“ zusammen aufnahm, die später jahrelang als sogenannte Supermodels die Modebranche dominierten: Tatjana Patitz, Linda Evangelista, Christy Turlington, Naomi Campbell und Cindy Crawford. Sehr bekannt wurde auch ein Foto mit sechs Models am Strand von Malibu, die lediglich einfache, weiße Hemden trugen, das „White Shirts“-Foto.

1996 veröffentlichte Lindbergh sein erstes Buch mit dem Titel „Ten Women“, in dem er zehn seiner meisterhaften Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Topmodels aus den neunziger Jahren versammelte. Der Band wurde mit einer verkauften Auflage von 90.000 Exemplaren zu einem Verkaufsschlager. Ein Jahr später zeigte der Bildband „Images of Women“ retrospektiv seine Arbeiten von Mitte der achtziger bis Mitte der neunziger Jahre.

Ein anderes, ein neues Schönheitsideal

Im Jahr 2000 fotografierte Lindbergh drei Serien in der Art einer Lifestyle-Bildergeschichte mit dem Namen „Invasion“, die er in der italienischen Ausgabe von „Vogue“ veröffentlichte. Im April 2002 zeigte die Galerie Hans Meyer in Düsseldorf diese 25 Großformate in einer Ausstellung. Eine umfassende Werkschau von Lindberghs Bildern wurde 2003 in Oberhausen präsentiert.

2006 erschien im Verlag Schirmer-Mosel der Bildband „Untitled 116“. Die 250 Bilder von 116 Frauen zeigten nicht nur eindrucksvolle Star-Porträts, Lindbergh stellte mit diesem Band auch ein anderes, ein neues Schönheitsideal vor, das von Individualität und Persönlichkeit geprägt ist. Eine Art Zwischenbilanz in Lindberghs Schaffen stellte die Berlin-Revue „Liebe Hass Wahnsinn“ in der Jubiläumsausgabe der deutschen „Vogue“ im Oktober 2009 dar.

Kritik am Frauenbild der Gegenwart

Ein opulenter Porträtband erschien 2014 unter dem Titel „Images of Woman II. Photographien 2005-2014“ zum 70. Geburtstag des Fotografen, die unter anderen Monica Bellucci, Juliette Binoche oder Charlotte Rampling zeigen. Für die Frühjahrs-/Sommerkollektion von Giorgio Armani mit dem Titel „New Normal“ setzte Lindbergh vier mehr als vierzig Jahre alte Supermodels in Szene: Stella Tennant, Nadja Auermann, Yasmin Le Bon und Eva Herzigova – klassisch schwarz-weiß und mit wenig Make-up. Auch im Jahr darauf zeigte er im Pirelli-Kalender reife Hollywood-Schauspielerinnen, unter ihnen Nicole Kidman, Kate Winslet und Julianne Moore, in natürlicher Ästhetik. 2016 und 2017 wurde in den Kunsthallen in Rotterdam und München eine große Retrospektive unter dem Titel „From Fashion to Reality“ von Lindbergh gezeigt. Ausgestellt wurden dabei rund 220 Objekte, Bilder und Filme von ihm.

An der heutigen Modeszene kritisierte Lindbergh deren Jugendlichkeitswahn und die Manipulation der Bilder. In einem Interview der Zeitschrift „Bunte“ bezeichnete er das Frauenbild der Gegenwart im Jahr 2012 als „wirklich unerträglich“.

Quelle: FAZ.NET mit Munzinger
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