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Versteigerung in England

Wie man Vampire tötet

Von Rose-Maria Gropp
Aktualisiert am 28.07.2020
 - 15:59
Versteigerung einer Vampirbox.
Ein hölzerner Pflock hätte nicht hineingepasst, aber sonst ist das Set komplett: In England wurde eine Kiste mit der Ausrüstung zur endgültigen Erledigung von Untoten angeboten.

Das Grundwissen über Vampire und die Grundregeln im Umgang mit ihnen gehören zur gepflegten Allgemeinbildung im Abendland. Vampire haben, das ist sehr bekannt, eine ausgeprägte Alliumphobie, vulgo Abneigung gegen Knoblauch, außerdem gegen Kreuze und Sonnenlicht. Sie sind in Spiegeln unsichtbar, und sie haben ständig Durst auf Blut, weshalb sie mit ihren scharfen Eckzähnen zubeißen, gern Frauen in den schlanken Hals. Sie sind nachtaktiv und legen sich im Morgengrauen – untot, wie sie sind – in ihre Särge zum Schlafen. Die gepflegteste Erscheinung von ihnen ist Dracula, adlig und eminent literatur- und filmtauglich.

Tatsächlich gibt es aber wirkungsvolle Gegenwehr – in Form eines Vampire-Slaying-Kit, zu Deutsch Vampir-Tötungsset. So eines ist jetzt in England – wo denn auch sonst? – versteigert worden. Der hübsche Holzkasten mit Messingbeschlägen außen und einem Emailbild mit der Auferstehung Christi im Deckel innen ist mit blutroter Seide ausgeschlagen. Er enthält alle nötigen Werkzeuge dafür, einen Vampir auszuschalten: eine niedliche Pistole, drei Kruzifixe, einen aus Elfenbein geschnitzten Wolf, der Rosenkranzperlen trägt; eine Bibel und Zahnzangen, ein Messer mit einer silbernen Klinge, dazu diverse Phiolen und ein kobaltblaues Glasgefäß unbekannten Inhalts. Nun gut, ein hölzerner Pflock zum Pfählen mitten ins Herz hätte nicht hineingepasst.

In einer Online-Auktion von Hansons Auctioneers im englischen Derbyshire war die Kiste auf zweitausend bis dreitausend Pfund geschätzt. Den Zuschlag erhielt ein ungenannter Käufer bei 2500 Pfund, knapp 2750 Euro. Auch der Einlieferer wollte anonym bleiben, er hatte die Kiste auf einer Antiquitätenmesse gekauft, eher zum allgemeinen Amüsement; ihre Herkunft und Geschichte sind unbekannt. Die Ausrüstung ist alt, aber wohl auch wieder nicht ganz waschecht für die Vampirjagd gemacht: Die Truhe datiert vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, ist wie das Messer also Edwardian; die Bibel wurde 1842 gedruckt.

Zum ersten Mal soll Bram Stoker im Jahr 1897 eben in seinem Roman „Dracula“ ein Vampir-Tötungsset ausführlich beschrieben haben. Es kam beim untot umtriebigen Grafen selbst aber nicht wirksam zur Anwendung. Da musste schon einiges mehr geschehen, bis der berühmteste Zombie der Welt kurz vor Sonnenuntergang in seinem offenen Sarg nachhaltig zu Staub zerfiel.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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