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Alte Kunst bei Sotheby’s

Nicht ohne die Alte Meisterin Artemisia

Von Rose-Maria Gropp
 - 17:30

Die Sotheby’s „Masters Week“ in New York bietet vom 29. bis zum 31. Januar – zum Abschluss ist das europäische 19. Jahrhundert dran – eine wahre Phalanx an Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen. Zu den 74 Losen der qualitätvollen Abendauktion mit Altmeistergemälden am 29. Januar zählt das „Porträt von Lum A’Kao“, das Henri-Pierre Danloux 1793 in London malte, wo er sich nach der Französischen Revolution aufhielt. Es zeigt den Chinesen, der den Kaufmann und Bankier Constant de Rebecque, der mit der „East India Company“ reiste, von Kanton zurück nach London begleitete (Taxe 400.000/600.000 Dollar). Das Bildnis gehörte von 1956 bis 1997 dem französischen Modeschöpfer Hubert de Givenchy, was dessen exquisiten Geschmack bezeugt.

Das noch jugendliche Selbstporträt des 1574 in Rom geborenen Manieristen Orazio Borgianni könnte für eine Überraschung gut sein, ohnehin hat es eine aktuelle Blitzkarriere erlebt: Auf 30.000 Euro geschätzt, kam es im vorigen Dezember im Berliner Auktionshaus Spik zum Aufruf, um den Zuschlag bei 290.000 Euro zu erzielen. Nicht einmal zwei Monate später taucht es nun in New York auf, versehen mit einer Schätzung von 400.000 bis 600.000 Dollar. Selbst im Zeitgenossen-Markt mit seiner Gepflogenheit des flipping wäre dieser Preissprung auffällig. Allerdings steht dahinter Borgiannis größerformatige biblische Szene „Christus unter den Ärzten“, die 2012 bei Sotheby’s in London den Rekordpreis von umgerechnet 5,3 Millionen Dollar, inklusive Aufgeld, erzielte; damals lautete die Taxe auf 400.000 bis 600.000 Pfund. Einmal mehr zeigt sich, dass auch die Alten Meister für Neubewertungen gut sind. Das gilt nun schon länger für die Alte Meisterin Artemisia Gentileschi. Von ihr hat ein Privatsammler aus Kalifornien das zwei Meter hohe Ganzporträt eines sehr selbstbewussten Herrn eingeliefert, wahrscheinlich des französischen Militärs Antoine de Ville. Die Neuzuschreibung identifiziert – was jedenfalls Witz hätte – ihre Initialen „AG“ am Spitzenkragen des Manns (800.000/1,2 Millionen). Besser gewöhnt ist man an Artemisias mythologische Szenen wie ihre „Bathseba im Bade“. Zuletzt im Dezember 2014 bei Sotheby’s in London zugeschlagen für umgerechnet 784.800 Dollar, firmiert Bathseba jetzt eher unspektakulär mit 600.000 bis 800.000 Dollar.

Von eher rustikalem Reiz

Absolutes Spitzenstück ist eine „Rosenkranzmadonna mit Engeln“ von Giovanni Battista Tiepolo. Das 246 Zentimeter hohe Gemälde, vom Künstler selbst datiert auf 1735, der wunderschönen Gottesmutter mit dem Kind im roten Gewand, die in ihrer Linken einen Rosenkranz hält, entstand wahrscheinlich für eine Kirche oder ein Oratorium der Dominikaner. Laut Katalogangaben zur Provenienz war sie seit 1989 nicht mehr auf dem Markt, damals versteigert zum Rekordpreis von 2,1 Millionen Dollar, inklusive Aufgeld. Jetzt liefert sie der anonyme Sammler, der sie seinerzeit erwarb, ein; die Erwartung liegt, auf Anfrage, bei mehr als fünfzehn Millionen Dollar. Ebenfalls aus einer ungenannten Privatsammlung kommt eine Jungfrau mit Jesuskind, heiliger Elisabeth und Johannes dem Täufer von Peter Paul Rubens, die laut Katalog erst neulich wiederentdeckt wurde. Beziffert ist das 121 mal 95 Zentimeter messende Gemälde in Öl auf Holz mit sechs bis acht Millionen Dollar. Von eher rustikalem Reiz ist die Szene eines Mannes, der eine Frau mit entblößten Brüsten umarmt, aus der Kollektion von J.E. Safra. Das Besondere daran: Als Modell für den Liebhaber diente Jan Lievens sehr wahrscheinlich der geschätzte Kollege Rembrandt (4/6 Millionen).

Das New Yorker Metropolitan Museum trennt sich zugunsten seines Ankaufsetats von einer charakteristischen Venedig-Vedute des Canaletto mit Blick auf den Canal Grande und Santa Maria della Salute (3/5 Millionen). Hübsch ist ein Gemälde Niederländischer Schule, um 1615/25, dessen ungewöhnliches Sujet das Stillleben einer aufgeblätterten illuminierten Handschrift abgibt. Wer genug echte Bücher hat, kann sich daran bestimmt freuen; erwartet werden 700.000 bis 900.000 Dollar dafür.

Die 127 Lose der Altmeisterzeichnungen am selben Tag werden dominiert von Andrea Mantegnas Studie zum Triumphzug des Julius Cäsar in Alexandria. Die Federzeichnung wurde erst jüngst von führenden Experten mit einiger Sicherheit als eigenhändig zugeordnet. Das Ergebnis für die knapp 27 mal 27 Zentimeter große Federzeichnung – der, auf Anfrage, mehr als zwölf Millionen Dollar zugetraut werden – wird mit hoher Spannung erwartet. Sie gilt jedenfalls als eine der raren Trophäen in diesem Markt und ist bedeutend für die Forschung. Wirklich charmant ist Annibale Carraccis „Porträt eines jungen Mädchens“ vor braunem Grund (400.000/600.000). Das Antlitz der extrem raren Kopfstudie ist so hinreißend wie in seinem Impressionismus frappierend modern.

Auch auf dem Gebiet der Alten Meister fällt das Engagement von privaten Käufern immer stärker ins Gewicht. Für sie ist schlicht die Attraktivität eines Werks, das gar nicht so selten religiösen Inhalts ist, ausschlaggebend. Die Cross-over-Sammler sind da nur ein Teil der Szene. Wobei sich übrigens der Katalog der Abendveranstaltung bei Sotheby’s in elegant klassischer Weise allfälliger Dekorationsvorschläge enthält.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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