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Antiquariatsmessen

Alte Bücher werden nicht unmodern

Von Jonathan Kress
Aktualisiert am 17.01.2020
 - 15:50
Die Saison der der Buchsammler und Antiquare beginnt mit den Messen in Stuttgart und Ludwigsburg. Ein Blick auf das Angebot.

Der Verband Deutscher Antiquare, der die Stuttgarter Antiquariatsmesse zum 59. Mal organisiert, vergibt zum ersten Mal einen Preis für junge Sammlerinnen und Sammler unter 36 Jahren. Die mit tausend Euro dotierte Auszeichnung erhält Adela Sophia Sabban. Ihre Sammelleidenschaft begann mit Kupferstichen zu Werken Goethes, später kamen Stiche und Radierungen zu früheren Dichtern der deutschen Klassik hinzu. Über diese spezielle Beziehung zwischen Wort und Bild brachte sie im vorigen Jahr ein Buch heraus.

Die außergewöhnliche Leidenschaft für Bücher und Grafiken verbindet die jungen Sammler mit ihren älteren Kollegen und den Antiquaren. Heribert Tenschert, mit Sitz im schweizerischen Ramsen, präsentiert aus seinen Beständen ein Stundenbuch mit elf Miniaturen des französischen Mazarin-Meisters. Es ist um 1405/07 in Paris entstanden und hat auch eine Verbindung nach Deutschland: Eine zwölfte Miniatur stammt von einem unbekannten Künstler aus dem deutschsprachigen Raum. Die Handschrift auf Pergament ist damit typisch für diese Zeit, in der in Paris Künstler aus der ganzen lateinischen Welt zusammenarbeiteten. Das Werk, dem nur ein Blatt fehlt, im Einband des 18. Jahrhunderts kostet 680.000 Euro und ist damit das teuerste Stück in Stuttgart.

Das Antiquariat Bado e Mart aus Padua präsentiert einen botanischen Prachtband, den „Hortus Eystettensis“ von Basilius Besler, in der dritten Auflage von 1713. Auf 367 ganzseitigen Kupfertafeln sind mehr als tausend Pflanzen aus den fürstlichen Gärten von Eichstätt dargestellt (280.000 Euro). Am selben Stand findet sich Augustinus’ „De Civitate Dei“, um 1460 auf Vellum geschrieben, ein besonders feines Pergament. Das Manuskript stammt aus einer Werkstatt in Florenz und enthält 23 illuminierte Initialen auf 347 vollständig erhaltenen Blättern in einem Einband des 17. Jahrhunderts (280.000). Hellmut Schumann aus Zürich hält „De Civitate Dei“ in einem frühen Druck vor. Die Inkunabel mit ihren farbig ausgemalten Initialen und dem Rankenwerk, die an die handgeschriebenen Vorgänger erinnern, wurde 1473 bei Schöffer in Mainz gedruckt (95.000 Euro). Weitere Wiegendrucke bringt auch der Messe-Neuzugang Peter Müller aus Mönchengladbach mit. Darunter ist das „Ehebüchlein“ von Albrecht von Eyb, 1472/73 bei Zainer in Augsburg gedruckt. Es ist eines von nur zwei bekannten Exemplaren, bei denen die dekorative Holzschnittleiste zu Textbeginn fehlt (45.000 Euro).

Heimspiel für die Württemberger

Das Hölderlin-Jahr 2020 ist naturgemäß ein Heimspiel für die Württemberger. Herbert Blank aus Stuttgart zeigt Erstausgaben der drei Bücher, die zu Lebzeiten des Dichters erschienen sind: „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“ (1797), „Die Trauerspiele des Sophokles“ (1804) und „Gedichte“ (1826). Sie befinden sich alle in sehr gutem, teilweise frischem Zustand, dafür werden zwischen 9000 bis 12.000 Euro fällig.

Im benachbarten Ludwigsburg findet parallel, wie üblich, die Antiquaria nun zum 34. Mal statt. Sie wurde einst als Messe für den antiquarischen Nachwuchs mit weniger hohen Preisen gegründet. Diesmal befindet sich dort das teuerste Stück des gesamten Messe-Wochenendes: ein Album mit 115 musikalischen Manuskripten von namhaften Komponisten wie Beethoven, Chopin, Liszt oder Mendelssohn-Bartholdy, die allesamt von ihren Autoren dem österreichischen Musikaliensammler Aloys Fuchs gewidmet sind. Das Konvolut kostet 1,8 Millionen Euro am Gemeinschaftsstand von Inlibris aus Wien und Kotte aus Roßhaupten. Dass die hoch bewerteten Musik-Handschriften in Ludwigsburg und nicht in Stuttgart angeboten werden, hat vor allem damit zu tun, dass die beiden Antiquariate einst aus Platzgründen von der einen zur anderen Messe gezogen sind – und mit ihnen ihr Angebot an wertvollen Büchern und Autographen.

Für Liebhaber mit kleinerem Geldbeutel ist die Offerte aber immer noch reichhaltig. Zum Beispiel bietet das Antiquariat Querschnitt aus Berlin frühe Ausgaben der Kinder- und Jugendbücher aus dem Verlag Williams & Co. an, mit den bekannten Illustrationen von Walter Trier; sie kosten weniger als 200 Euro. Das Antiquariat Lorych, ebenfalls aus Berlin, präsentiert eine Ausgabe des englischen „Victory Card Game“ von 1942 mit Karikaturen von Hitler, Goebbels, Churchill und Chamberlain für 180 Euro.

Toleranz-Klassiker

Zum Schwerpunkt der Messe – „Antiquaria multikultura: Toleranz, Vielfalt Freiheit“ – sind zahlreiche Beiträge mit einer kleinen Regenbogenfahne im Katalog vermerkt. Dazu gehört eine Ausgabe der deutschen Koran-Übersetzung von 1746, wie sie Goethe für seinen „West-östlichen Diwan“ verwendet hat, bei Lenzen aus Düsseldorf für 1500 Euro zu haben. Oder Lessings Toleranz-Klassiker „Nathan der Weise“ als Erstdruck von 1779, für 1400 Euro bei Bernhard Volkert aus Traunstein.

Die Ludwigsburger Antiquaria vergibt ihren Preis für Buchkultur zum 26. Mal. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 23. Januar an den Schriftsteller und Graphiker Christoph Meckel verliehen, in dessen Werken „sich seine Literatur und seine Radier- und Zeichenkunst begegnen“, so heißt es. Die Verbindung von Wort und Bild ist also ein aktuelles Thema, das die Generationen übergreift.

Antiquariatsmesse Stuttgart; im Württembergischen Kunstverein, vom 24. bis zu26.Januar.
Antiquaria Ludwigsburg; in der Musikhalle, vom 23. bis zum 25.Januar. Das Kombiticket kostet 5 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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