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Art Basel Hong Kong

Abgesagt wegen Coronavirus

Von Rose-Maria Gropp
 - 14:13
Letztes Jahr: Ein Besucher betrachtet Gemälde des deutschen Künstlers Jonathan Meese auf der Art Basel 2019.

Die Art Basel Hong Kong, die vom 19. bis zum 21. März stattfinden sollte, ist gecancelt. Das teilten die Direktoren der Messe – der weltweite Direktor Marc Spiegler, die Direktorin für Asien Adeline Ooi, und der Direktor für Amerika Noah Horowitz – und die schweizerische MCH Group als Veranstalterin am Donnerstagabend in zwei Schreiben mit. Die MCH Group erklärt die Streichung lapidar mit dem „Ausbruch und der Verbreitung des neuen Coronavirus“. Verbindlicher, mit „großem Bedauern“, steht es in der Mitteilung an die beteiligten Galeristen. Die Absage sei „die einzige Option“, und „unsere Gedanken sind bei den mit dem Coronavirus Infizierten auf der ganzen Welt“.

Die Absage ist nur die seit Tagen erwartete Konsequenz der Probleme, mit denen sich die Messe seit einigen Wochen konfrontiert sieht. Es begann mit dem Brief an Spiegler und Ooi von 24 international agierenden namhaften Galerien am 16. Januar. Sie äußerten ihre Bedenken über die Position der Messe während der in Hongkong seit Monaten andauernden Proteste: Viele der üblichen Besucher würden nicht kommen; außerdem viele Künstler ihre Werke nicht zeigen wollen unter den Bedingungen zunehmender Kontrolle Chinas über Hongkong. Deshalb forderten die Galeristen, vielleicht nicht ganz folgerichtig angesichts des zweiten Einwands, von der Messe finanzielle Konzessionen für ihre Teilnahme, etwa Preisnachlass bei Versicherung und sogar Standmieten. Zu den Unterzeichnern zählten neben anderen Paula Cooper Gallery, Chantal Crousel, LévyGorvy oder Kamel Mennour. Zwei Tage später antworteten Spiegler und Ooi, angeblich zu einigen Zugeständnissen bereit, was aber nicht offiziell kommentiert wurde seitens der Art Basel.

Mit dem Ausbruch des Coronavirus in der Stadt Wuhan in China spitzte sich die Lage dann zu. In einem Brief an die Direktoren, der der Redaktion vorliegt, reagierte der Londoner Kunsthändler Richard Nagy am 29. Januar darauf; er beginnt: „It’s unreal, Hong Kong just can’t get a break!“ Nagy argumentiert mit den anhaltenden Protesten und der nun drohenden Epidemie. In Hongkong waren inzwischen die Museen und Schulen geschlossen, noch nicht ganz dicht war die Grenze zu Festland-China. Weitere Galeristen forderten gleichzeitig, die Messe auszusetzen. Art Basel reagierte am 30. Januar mit einem kurzen Schreiben, in dem Spiegler, Ooi und Horowitz namens „Art Basel and MCH“ versicherten, wie ernst sie die Situation nehmen; das Team arbeite hart daran, alle möglichen Optionen zu überprüfen. Sie verwiesen zudem auf den „komplexen Prozess“, den eine Verschiebung oder der Ausfall der Veranstaltung bedeuten würden.

Es kam zu einer bemerkenswerten Koinzidenz: Nur ein paar Stunden, nachdem diese Botschaft aus Basel verschickt worden war, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Coronavirus-Epidemie zur gesundheitlichen Notlage internationalen Ausmaßes. Von diesem Moment an war die Durchführung der Veranstaltung nicht mehr realistisch. Allein deshalb nicht, weil die Dichte des Publikums im Convention Center von Hongkong ohnehin atemraubend ist: Es ist nicht vorstellbar, dass jemand diese Situation hätte verantworten können. Hinzu kommt, dass die Schau wohl unter das allgemein verhängte Verbot solcher Menschenansammlungen gefallen wäre. Doch es dauerte noch eine Woche, bis aus Basel offiziell die Nachricht zur Lage kam.

Es steht viel Geld auf dem Spiel

Was daraus zu lernen ist: Es stand und steht noch immer sehr viel Geld auf dem Spiel, vor allem für den Veranstalter, die MCH Group. Ob die Einordnung der Coronavirus-Epidemie durch die WHO als globale Notlage eine Rolle spielen wird, ist noch nicht geklärt. Auf die aktuelle Anfrage bei MCH heißt es: „Ja, wir haben eine Versicherung und werden unsere Ansprüche nun einreichen.“ Man legt Wert darauf, dass man also die Entscheidung „nicht auf Grund von Versicherungszusagen getroffen“ habe. Dabei wird einmal mehr deutlich, dass sich die Kunstszene und ihre Marktplätze nicht nur von der globalen Wirtschaft, sondern überhaupt vom Weltgeschehen nicht abkoppeln können. Sie sind sogar enorm empfindlich dafür. (Zur Erinnerung: Schon einmal hat die Art Basel eine Messe gecancelt, nämlich die erste Ausgabe der Schau in Miami Beach, nach den Anschlägen vom 11. September 2001.)

Das zeigen selbst die noch vor dem Coronavirus geäußerten Bedenken, dass wegen des Aufstands der Straße die kaufkräftige Klientel ausbleiben werde, außerdem die Künstler an dem Ort bedrohter Meinungsfreiheit ihre Werke nicht zeigen wollten. Denn die Art Basel Hong Kong ist speziell gemacht für das asiatische Publikum, aus China zuvörderst. Bleibt diese Klientel weg, lohnt sich der Aufwand für die Aussteller nicht. Im Gespräch mit dieser Zeitung bringt es die Galeristin Monika Sprüth auf den Punkt: „Eine Messe ohne Leute macht keinen Sinn.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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