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Art Düsseldorf

Das Lokale als Standortvorteil

Von Georg Imdahl
Aktualisiert am 15.11.2019
 - 15:37
Die Art Düsseldorf bleibt eine regionale Messe – und hofft auf Käufer aus Asien.

Es gebe Sammler in Düsseldorf, wusste unlängst ein Galerist aus der Landeshauptstadt zu berichten, die seien tatsächlich so busy, dass sie Kunst lieber in ihrer eigenen Stadt kaufen als irgendwo anders (zum Beispiel in Köln). Nun möchte die 2017 begründete ArtDüsseldorf gewiss eine etwas größere Reichweite für ihre Klientel erzielen, aber gerade „das Lokale“ ist es, das die Liang Gallery aus Taipeh nach eigenem Bekunden an dieser Messe interessiert, eine Käuferschaft also, die eben nicht selbstverständlich all die vielen Märkte in Basel, Hongkong, Los Angeles, London, New York, Miami frequentiert – und doch als informiert gelten kann.

Liang, eine der größten Galerien für Gegenwartskunst in Taiwan, hat 2018 ökonomisch gut abgeschlossen in Düsseldorf und bietet jetzt abstrakte Landschaften der 77 Jahre alten Exilchinesin Lee Chung-Chung an (Preise bis 39.000 Euro). Die Tuschemalerei erfährt darin ein Update durch die Verwendung von Acrylfarbe und ungewöhnliche Farbakzente, ohne in den – westlichen – Begriffen zeitgenössischer Kunst als sonderlich aktuell zu erscheinen. Das trifft eher auf ein Video von Joyce Ho am Stand der Tina Keng Gallery, ebenfalls aus Taipeh, zu: Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und greift mit spitzen Fingern in eine weichgekochte Frucht, die sie, einem ziellosen Begehren folgend, langsam zerquetscht und damit Gedanken über das Abjekte anregt, wie sie einst von Julia Kristeva formuliert wurden; diese Arbeit, Auflage 2, kostet 3200Euro. Zwischen solchen Polen heutiger Kunst spielt sich das Angebot der dritten Art Düsseldorf insgesamt ab.

Nachdem die finanziell unter Druck geratene Basler MCH, die Messe Schweiz, ihre Anteile vor einiger Zeit aufgab, wurden sie von den auf Fernost spezialisierten Managern Sandy Angus und Tim Etchells übernommen. Düsseldorf bleibt bei der Grundausrichtung einer regionalen Messe, investiert zudem aber Hoffnung in den Zuspruch von Händlern und Käufern aus Asien. Ein trennscharfes Profil ergibt sich daraus nicht unbedingt, auch wenn die Messe nach wie vor mit dem Industrie-Ambiente der ehemaligen Böhler-Werke punkten kann. Ein bisschen „funky“ nennt ein Aussteller aus Übersee scherzhaft die aktuelle Ausgabe mit ihren diesmal hundert Teilnehmern: Er meint damit eine Aufplanung der Kojen, die besonders in der größeren der beiden Hallen einigermaßen bunt gemischt anmutet. Es dominiert allenthalben Malerei. Ceysson& Bénétière aus Paris bieten Werke von Claude Viallat an, Mitglied der einflussreichen französischen Gruppe „Support Surface“; ein farbstarkes, ohne Keilrahmen an die Wand gespanntes Bild aus dem Jahr 1982 kostet 120.000 Euro. Leuchtend sind auch die Abstraktionen des Künstlers Stoja bei Petra Rinck, während bei Sies+Höke, ebenfalls Düsseldorf, ein unverkäuflicher großer Teppich von Jonathan Meese die Koje abmisst und als Blickfang dient. In einem Kombistand mit Mendes Wood aus Brüssel und New York und Proyetos Ultravioleta aus Guatemala-Stadt rekonstruiert der dort lebende Naufus Ramírez-Figueroa mit surrealen Objekten und symbolischer Theatralik, was durch den Bau des Chixoy-Staudamms in den achtziger Jahren verlorengegangen ist: Ganze Dörfer und damit auch eigene Kulturen wurden ausgelöscht (die einzelnen Objekte, zuletzt im New Museum in New York ausgestellt, kosten bis 32.000 Dollar).

Lohnenswert ist der Stand von Friend ofaFriend, einer losen Kooperative von sieben Warschauer Galeristen, darunter Raster und Wschod, die sich eine Koje teilen und – zum Beispiel mit sperrigen Werken junger Künstler wie Olaf Brzeski oder dem Frankfurter Städel-Absolventen Jan Domicz – auf heutige Skulptur aufmerksam machen (Preise 3500 bis 20.000 Euro). Zum Vorteil für das Profil in einem hart umkämpften Messemarkt gereicht der Art Düsseldorf das Segment „RSVP“ mit elf jungen Galerien, die zu vergünstigten Konditionen der Einladung gefolgt sind – wie die Tokioter Talion Gallery mit Werken des bereits preisgekrönten Shoma Kimura: Der Künstler, Jahrgang 1996, versucht sich an einer Malerei, die zwischen Tafelbild und Virtual Reality oszilliert. Dagegen zeigt die Kölner Galerie Drei auf engem Raum handfeste Bilder und Objekte von drei Künstlerinnen, darunter sensibel gewobene Textilassemblagen von Anna Virnich (je 2000 Euro). Max Mayer, der seine Galerie künftig unter einem Dach mit der seines Vaters Hans Mayer im Schmela-Haus hinter der Düsseldorfer Kunsthalle führen wird, zeigt Abstraktionen von Flora Klein: Die in Berlin lebende Schweizerin löst in ihren Bildern das Raster, als prägendes Muster in der Kunst des vorigen Jahrhunderts, in nervöse Linien auf (Preise bis 8000 Euro).

Die leichtgeröteten Wangen der Besucher bei der Preview verdankten sich auf jeden Fall der gut funktionierenden Heizung in den Böhler-Werken, vielleicht waren sie aber auch Anzeichen von Kauffieber. Und allein dies dürfte über die künftige Unverzichtbarkeit einer „Art“ in Düsseldorf entscheiden.

Areal Böhler, Düsseldorf; bis Sonntag, den 17. November. Täglich von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 25 Euro. Kein Katalog.

Quelle: F.A.Z.
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