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Art Karlsruhe

Total demokratisch

Von Brita Sachs
Aktualisiert am 14.02.2020
 - 16:56
Für jedes Budget: Die Art Karlsruhe will unbedingt die Messe im Südwesten für alle Teile des Publikums bleiben.

Die Art Karlsruhe ist die einzige Kunstmesse im Südwesten der Republik und dank dieser Lage auch vielen Besuchern aus der Schweiz und Frankreich einen Sprung über die Grenze wert. Rund 50.000 Besucher zählte man 2019, eine ähnliche Anzahl erwartet man jetzt zur 17. Ausgabe. Für Vielfalt sorgen 210 aus fünfzehn Ländern angereiste Galerien, in etwa so viele wie 2019; 42 Neuzugänge sprechen für eine kräftige Fluktuation. An Bewerbungen herrsche kein Mangel, heißt es, vor allem wolle man immer wieder jungen Galerien die Teilnahme ermöglichen. Zum Beispiel Malte Uekermann aus Berlin, ehemals Geschäftspartner von Sina Stockebrand, der zum Einstand sein Programm an deutscher Nachkriegskunst von Informel bis Zero vorstellt: Eine ganze Wand seines Stands bedecken die Blätter aus Rupprecht Geigers Mappe „...ein sehr rotes Buch...“ von 1981 (Auflage 100; 16.000 Euro). Oder die Pariser Fotogalerie Gadcollection, wo Ormond Gigli zum Beispiel mit seinen „Girls in the Windows“ fasziniert (um 75.000 Euro). An Fotokunst Interessierte könnte außerdem die Galerie Susanne Albrecht reizen, die Aufnahmen von Olivier Richon bereithält: Der Professor am Royal College in London zeigt Zitronen nicht mit Austern, sondern in offenen Büchern (6000 Euro) – und interpretiert das Thema Stillleben auch sonst neu.

Ansprechende Ergebnisse

Bei der Orientierung in vier Hallen hilft eine Aufteilung nach Epochen, wobei sie viele Aussteller mischten. Bei Ludorff gesellt man zur Klassischen Moderne Karin Kneffels dicke rote „Äpfel“ von 1996 (185.000 Euro); Schlichtenmaier stellt Adolf Hoelzel und Willi Baumeister die träumerisch gestimmten Gemälde der jungen Anna Bittersohl zur Seite, die bei Ralph Fleck studierte (von 9000 Euro an). Als eine Grande Dame der türkischen Kunstszene kann Belkis Balpinar gelten: Nach Jahren als Wissenschaftlerin und Museumskuratorin für anatolische Kelims begann sie 1986, die alte Technik in zeitgenössische Kunst zu überführen; die ansprechenden Ergebnisse stellt die in Istanbul und Düsseldorf operierende Galerie Anna Laudel vor. Jung wirken die fröhlichen Bilder des 1943 auf Zypern geborenen John Kiki, die Galerie WOS aus Pfäffikon zeigt seine sportlichen „Skaters“ auf rosafarbenem Eis (50.000 Euro). Sie passen zu Daniel Spoerris sechs bronzenen „Spielern“ um einen Ball, samt beilschwingendem Schiri (125.000 Euro).

Thole Rotermund sorgt in Karlsruhe verlässlich für beste Klassische Moderne auf Papier, diesmal auch Holzschnitte Lyonel Feiningers aus dem Nachlass des Sohns Lux: „very rare“ notierte einst der Vater auf das Blatt „Marine“; es ist das vor der Auflage gedruckte „Familienexemplar“ (18.000 Euro). Viele one artist shows erlauben tieferes Eintauchen in ein künstlerisches Œuvre. Beim Erstaussteller Nöth aus Ansbach ist das Malerei von Lotte Laserstein. Nöth zeigt ihren 1933 geschaffenen „Maler in den Dünen mit Schafen“ (75.000 Euro) und Bilder aus der Zeit in Schweden, wohin die jüdische Künstlerin 1937 emigrierte. reizend darunter die auf dem Gemälde „Kinder“ versammelten Köpfchen (55.000 Euro). Klaus Gerrit Friese aus Berlin widmet seinen Stand frei Franziska Holstein: Sie versieht Papier beidseitig Schicht um Schicht mit Acrylfarbe in unterschiedlichen Tönen, bis die, teils auch in Gruppen vereinten, Resultate objekthaften Charakter annehmen (von 2000 Euro an).

Wenn der spanische Künstler Julio Rondo schichtet, geschieht das bei der Galerie Binder aus München mit semi-transparenter Farbe auf Glas (von 9500 Euro an). Binder zeigt auch eine neue Arbeit von Djawid Borower, der Farbe schichtet, um in den kräftigen Grund Texte zu ritzen, die sich auf Philosophie und Kunst beziehen (9500 Euro). Lotus-Blüten entfalten sich auf Werken von Victor Kraus, der sein Thema kompositorisch und im Format reich variiert, zu finden bei der Karlsruher Galerie Spektrum (von 1400 bis 21.000 Euro). In schillernder Palette lässt Cornelius Völker Blütenblätter rieseln (25.000 Euro): Seine Solo-Schau bei Albert Baumgarten aus Freiburg gilt überhaupt Blättern aller Art, vom losen Papier über den Stapel Bücher bis in die Natur versteht er es, unbedeutenden Dingen größte Wirkung zu schenken. Baumgarten beschickt auch einen der „Skulpturenplätze“ mit großen Schalen und Stelen aus schwarzem Holz von Werner Pokorny. Zwanzig solcher Plätze bilden, wie Landmarken über die Hallen verteilt, mit raumgreifenden Arrangements traditionell einen Schwerpunkt der Art Karlsruhe dar. „Die Galerie“ aus Frankfurt baut dort Riccardo Corderos monumentale geometrische Verschlingungen aus Stahl auf. Die Galerie Cyprian Brenner aus Schwäbisch Hall hat aus Nadelfilz gefertigte Ballungen menschlicher Häupter oder janusköpfiger Phantasmen von Stefanie Ehrenfried aufgestellt. Echte Trouvaillen bietet das Gefüge dieser Messe, aber auch schwankende Qualität. Wiederholt daran geäußerte Kritik versucht die Geschäftsführerin Britta Wirtz abzufedern: „Wir verstehen uns als die vielleicht demokratischste, sozialste Kunstmesse im deutschsprachigen Raum.“ Nicht zuletzt jüngere Besucher und schmalere Budgets will die Halle 1 mit Graphik und mit Auflageobjekten ansprechen. Dort versammelt Burkhard Eikelmann – als großformatige Druckwerke – Alex Katz, Andy Warhol, Robert Longo, Tom Wesselmann und noch mehr amerikanische Stars.

Art Karlsruhe. In der Messe Karlsruhe; bis Sonntag, den 16. Februar. Täglich geöffnet von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 23 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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