Kunstmesse „Art Paris“

Die Sterne stehen günstig

Von Bettina Wohlfarth, Paris
11.09.2021
, 12:35
Der „Grand Palais Éphémère“ des französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte dient als Ausstellungshalle während der Grand Palais renoviert wird.
Regionalität als Vorteil: Die „Art Paris“ eröffnet im neuen „Grand Palais Éphémère“ und zieht die großen Galerien an.

Die Messe für moderne und zeitgenössische Kunst „Art Paris“ gehörte schon 2020 zu den wenigen Kunstveranstaltungen, die nicht annulliert werden mussten. Die eigentliche Frühjahrsmesse fand nach zwei mutigen Datumsänderungen schließlich im September statt und konnte von dem schmalen Zeitfenster ohne strenge Pandemie-Beschränkungen profitieren. Während die große Herbstmesse Fiac, die nur einen guten Monat später abgehalten werden sollte, aufgeben musste, punktete Art Paris mit 56.000 Besuchern und zu­friedenen Galerien durch erfolgreiche Geschäfte.

Auch in diesem Jahr steht die Messe unter einem guten Stern. Mit ihrer 23. Ausgabe weiht sie derzeit das provisorische „Grand Palais Éphémère“ ein, das bis zum Herbst 2024 das für Restaurierungsarbeiten geschlossene historische Gebäude ersetzt. Die mobile Konstruktion des französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte übernimmt architektonische Elemente des Grand Palais wie die kreuzschiffartige Grundform und wirkt trotz einer kräftigen Doppelgewölbestruktur aus Holz, die mit einer Kunststoffmembran über­zogen wurde, leicht und elegant. Das provisorische Palais schmiegt sich mit seiner Rundbogenform wie ein großes Gewächshaus in den langgestreckten Wiesen-Park der Champs-de-Mars und bietet einen spektakulären Blick auf den Eiffelturm. Am hochsommerlichen Vernissagentag wurde das Gartenrestaurant zu einer fotogenen Haupt­attraktion, während in der gut besuchten Messehalle Enthusiasmus zu spüren war: eine authentische Freude der Kunstwelt, sich leibhaftig wiederzu­treffen.

Rose Barberat: „Sur la grêve“, 2021, Öl und Acrylfarbe auf Leinwand, zu sehen bei der Galerie Pact.
Rose Barberat: „Sur la grêve“, 2021, Öl und Acrylfarbe auf Leinwand, zu sehen bei der Galerie Pact. Bild: Galerie Pact

Im Gegensatz zur internationalen hochpreisigen Fiac, die zur Weltspitze unter den Kunstmessen gehört, setzt Art Paris auf eine regionale Ausrichtung im mittleren Preissegment. In Zeiten der Pandemie ist das ein Vorteil. Globale Messen wie die Maastrichter Tefaf, die an diesem Wochenende eröffnen sollte, mussten abgesagt werden. Seit 2012 lenkt Guillaume Piens die Geschicke der Art Paris und hat für die Messe das Konzept eines „kosmopolitischen Regionalismus“ entwickelt. Der Schwerpunkt liegt auf der französischen Kunstszene mit einer Öffnung hin zu Galerien und Sammlern der Nachbarländer. In jedem Jahr steht eine Region der Welt im Fokus, etwa Afrika, Südostasien oder die Iberische Halbinsel. Für die großen internationalen Händler, aber auch für die französischen „cutting edge“-Galerien war Art Paris bislang keine Option. Doch der Ausfall zahlreicher Messen zog im vorigen Jahr den mächtigen Galeristen Emmanuel Perrotin dorthin. „Der Erfolg der Ausgabe von 2020“, erklärt Guillaume Piens im Interview mit dem Art Newspaper, „hat viele Galerien dazu bewegt, zu uns zu kommen.“ Zum ersten Mal sind nun Thad­daeus Ropac, Almine Rech, Kamel Mennour, Massimo de Carlo oder die Galerien Continua und Lelong mit dabei. Sie sorgen mit ihren Künstlern für steigendes Prestige.

Die Ausstellungsfläche im „Grand Palais Éphémère“ ist um 25 Prozent kleiner als im historischen Palais, das nun eben geschlossen ist. Zwei Drittel der 140 Teilnehmer sind französisch. 57 Galerien nehmen zum ersten Mal teil oder sind wiedergekommen; einige sind von fern angereist, aus Südkorea, Guatemala oder von der Elfenbeinküste. In jeder Ausgabe wirft ein Kurator einen „Blick auf die französische Szene“: Hervé Mikaeloff hat diesmal das Thema „Portrait und Figuration“ gewählt – in unberechenbaren Zeiten geben klassische Sujets auch ein Gefühl der Sicherheit. Neben bekannten Künstlern wie Yan Pei Ming bei Ropac oder der jungen, aufstrebenden, auch von François Pinault gesammelten Claire Tabouret bei Almine Rech ermöglicht Mikaeloff Entdeckungen: so die junge Künstlerin Rose Barberat bei der Galerie Pact oder den rumänischen Maler Alin Bozbiciu bei Suzanne Tarasiève. Die Preise auf der Messe liegen im Durchschnitt unter 100.000 Euro. Bei Claude Bernard feiern drei wundervolle großformatige Abstraktionen von Geneviève Asse, mit dem typischen Asse-Himmelblau, für je 180.000 Euro die kürzlich gestorbene französische Künstlerin. Das teuerste Werk ist wohl bei Hélène Bailly zu finden: In ihrer Solo-Schau zu Picasso hängt eine erotische Pastellzeichnung „Kleiner Junge und sitzende Frau“ von 1967, für die ein Preis von 1,2 Millionen Euro genannt wird.

Art Paris im Grand Palais Éphémère; noch bis zum 12. September. Täglich von 12 bis 20 Uhr, Eintritt 30 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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