<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Artcurial

André Malraux ganz nah

Von Bettina Wohlfarth
 - 15:51

Kein Zweifel, dass André Malraux zu den schillerndsten Persönlichkeiten Frankreichs im 20. Jahrhundert zählt. Er nahm schon mit zwanzig Jahren als frühreifer Schöngeist und bibliophiler Dandy einen Platz in den Pariser Kulturkreisen ein, war zeitlebens eng mit Gaston Gallimard und André Gide, aber auch mit Georges Braque, Pablo Picasso oder Joan Miró befreundet. Als Intellektueller, Essayist und mit dem Prix Goncourt geehrter Romancier, stand er über viele Jahrzehnte im Mittelpunkt des künstlerischen und literarischen Lebens. Als vielreisender Abenteurer faszinierten ihn andere Kulturen. Das hielt ihn nicht davon ab, sie im eigenen Interesse ein wenig zu plündern. Bekannt wurde die Episode von Angkor, wo er gemeinsam mit seiner ersten Frau Clara Goldschmidt Reliefs aus dem Tempel Banteay Srei aussägte, die er dann verkaufen wollte. Vor allem aber war Malraux ein homme engagé, der seine intellektuelle Leidenschaft mit der politischen verband: Im Jahr 1923 reiste er nach Indochina und arbeitete an einer antikolonialistischen Zeitung mit; 1936/37 kämpft er im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner gegen Franco; 1944 trat er schließlich der Résistance bei. Nach der Befreiung Frankreichs von der nationalsozialistischen Besatzung traf er Charles de Gaulle, der ihn 1945 als Präsident der provisorischen Übergangsregierung zu seinem Informationsminister ernennt. De Gaulle verkündete nach der ersten Begegnung emphatisch: „Endlich habe ich einen Mann gesehen!“ 1959, nach dem Antritt einer zweiten Präsidentschaft, krönte er Malraux zum ersten französischen Kulturminister.

Eine ebenso kontroverse wie tief bewunderte Persönlichkeit

André Malraux bleibt bis heute eine ebenso kontroverse wie tief bewunderte Persönlichkeit. Zum Anlass des sechzigjährigen Bestehens des Kulturministeriums kommen am 19. Juni unter dem Titel „La Collection intime d’André Malraux“ bei Artcurial in Paris 73 Lose aus seinem persönlichen Umfeld zur Versteigerung. Ihr Fetischcharakter könnte ihre gemäßigten Schätzungen in die Höhe treiben. Es werden Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Stammeskunstobjekte, Bücher, Manuskripte und Briefe, aber auch einige Möbelstücke aufgerufen, die aus seinem letzten Wohnort, dem Schloss von Vilmorin in Verrières-le-Buissons, stammen. Dort lebte Malraux von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 1976, zunächst mit der Schriftstellerin Louise de Vilmorin und nach ihrem Tod mit deren Nichte Sophie de Vilmorin.

Zum Teil sind es besondere Lieblingsstücke, die zur nächsten Umgebung Malraux’ gehörten. Sie wachten auf dem Schreibtisch über seine Inspiration, wie der bronzene Kopf der ägyptischen Katzengöttin Bastet, der mit einer Schätzung von 2.000 bis 3.000 Euro versehen ist, oder ein mit Türkissteinchen besetzter tibetischer Haarschmuck (Taxe 2.000/3.000 Euro). Auf einem Bücherregal stand eine Maske aus Neuguinea (8.000/10.000): „Alles, was wirklich mit mir verbunden ist, befindet sich hier in diesem Raum“, bekannte Malraux in einem Interview kurz vor seinem Tod. Gemeint war eben sein Arbeitszimmer, an dessen Wänden Aquarelle haitianischer Maler wie Levoy Exil (300/400 und 1.000/1.500 Euro) oder die Lithographie „Oiseaux dans le feuillage“ von seinem Freund Georges Braque (10.000/15.000) hingen. Auch das höchsttaxierte Los stammt von Braque: Die Vorstudie in Öl auf Papier, die einen pastellfarbenen „Himmel und Vogel“ zeigt (20.000/30.000), war ursprünglich für ein monumentales Mosaik gedacht, das Malraux 1962 für die Wissenschaftliche Fakultät in Paris in Auftrag gegeben hatte. Braque starb, bevor er es realisieren konnte.

Dass Malraux selbst gerne zeichnete, ist weniger bekannt. „Dyables“ – wohl frei nach diables, Teufel – nannte er seine kleinen Blätter, die meistens Tiersilhouetten darstellen und die er an seine Freunde verschenkte (Ensemble von drei Blättern für 1.000/1.500 Euro). Als Widmung an Sophie de Vilmorin malte er zwei graziös ineinander verschlungene Katzen in die Erstausgabe auf Vergé-Papier von „Hôtes de passage“ (500/800). Drei amüsant treffende Karikaturen von Picasso entstanden während der Arbeit an „La tête d’obsidienne“, seinem späten Buch über den Spanier (3.000/4.000). Das wahrhaft emblematische Stück der Auktion ist der Schreibtisch aus dem 17. Jahrhundert, an dem André Malraux in diesen letzten Jahren im Schloss von Vilmorin geschrieben hat. Wer in Zukunft an ihm arbeitet – die Schätzung liegt bei 4.000 bis 6.000 Euro – wird vielleicht selbst von den subtil ineinander verschachtelten Gedankenkonstellationen André Malraux’ inspiriert.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenCharles de GaulleFrankreichParisPrix GoncourtPablo Picasso

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.