Auktion in Zürich

An Selbstbewusstsein fehlt es nicht

Von Felicitas Rhan
19.09.2022
, 10:27
Bei Koller: Dirck van Baburen, „Opfergabe an Ceres“, um 1621, Öl auf Leinwand, 137 mal 186,7 Zentimeter, Taxe 500.000 bis 800.000 Franken
Ein Caravaggio-Nachfolger aus den Niederländerin und Angelika Kauffmann setzen Glanzlichter bei Kollers kommenden Auktionen mit Alter Kunst und Werken des 19. Jahrhunderts.
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Der halb bekleidete Jüngling lehnt sich weit nach hinten und blickt dem Betrachter direkt in die Augen. Die Frau mit den üppigen Gaben in den Händen tut es ihm gleich und lädt den Zuschauer gleichsam ein: „Opfergabe an Ceres“, die Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, ist ein ikonographisch seltenes Sujet. Dirck van Baburen malte das großformatige Werk unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Rom in die Niederlande um 1620, noch unter dem Eindruck von Caravaggios Genie. In der kühnen Komposition sowie dem Licht- und Schattenspiel ist der Einfluss des römischen Meisters deutlich sichtbar. Auf 137 mal 186 Zentimeter Leinwand erstreckt sich die lebhafte Szene, die zu den Hauptwerken des Utrechter Malers zählt. Mit einer Taxe von 500.000 bis 800.000 Schweizer Franken führt das Ölgemälde Kollers Offerte mit Alter Kunst preislich an, die am 23. September in Zürich auktioniert wird.

Adriaen Pietersz van de Vennes kleines Kreisbild „Winterlandschaft mit eleganten Figuren“ kommt aus der Sammlung des amerikanischen Ehepaars June und Henry H. Weldon, das sich auf kleine Kabinettstücke der niederländischen und flämischen Schule des 17. Jahrhunderts konzentrierte und soll nun 300.000 bis 400.000 Franken erlösen. Ebenfalls winterlich geht es bei der Gemeinschaftsarbeit von Joos de Momper dem Jüngeren und Jan Brueghel dem Jüngeren zu: Die erstmals auf den Auktionsmarkt kommende Stadtansicht am vereisten Fluss ist auf 150.000 bis 200.000 Franken geschätzt. Aus der gleichen Zeit stammt auch das einem Wimmelbild gleichende Gemälde von Denijs van Alsloot und Werkstatt, das ein Festmahl für Erzherzog Albrecht VII. von Österreich und Isabella Clara Eugenia von Spanien darstellt und mit derselben Taxe versehen ist.

Florenz, um 1450: Das Seitenbild einer Truhe mit Szene aus Ovids Metamorphosen zeigt Apollo und Daphne, Tempera auf Holz, Taxe bei Koller 12.000 bis 18.000 Franken
Florenz, um 1450: Das Seitenbild einer Truhe mit Szene aus Ovids Metamorphosen zeigt Apollo und Daphne, Tempera auf Holz, Taxe bei Koller 12.000 bis 18.000 Franken Bild: Koller

Angelika Kauffmann überzeugt gleich mit zwei Werken: Das ovale Kupferbild „Dido am Scheiterhaufen die Götter herbeirufend“ kommt aus einer Schweizer Privatsammlung (Taxe 70.000 bis 90.000 Franken), während ihr ebenfalls ovales, 1780 entstandenes Selbstporträt erst kürzlich in einer Privatsammlung wiederentdeckt wurde. In der Öffentlichkeit war es zuletzt 1999 präsentiert worden. Mit Pinsel und Palette in Händen zeugt das Bildnis auf Holz vom für ihr Zeitalter ungewöhnlichen Selbstbewusstsein der Künstlerin (30.000/50.000). Bemerkenswert ist auch die knapp einen Meter hohe Holztafel mit der Darstellung der Heiligen Christina von Bolsena, die vermutlich um 1375 von Catarino di Marco da Venezia gemalt wurde. Die Heilige im reich verzierten, ornamentierten Kleid samt rotem Mantel ist fast formatfüllend dargestellt, lediglich in der linken unteren Ecke ist der betende Stifter als Miniatur zu erkennen (60.000/80.000).

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An der Spitze der Offerte mit Gemälden des 19. Jahrhunderts stehen drei Werke aus der Hand von Eugène Louis Boudin: Die 1892 entstandene Hafenansicht von Le Havre ist auf 120.000 bis 160.000 Franken geschätzt, während die beiden kleineren Stücke mit Blicken in den Hafen von Trouville zwischen 50.000 und 100.000 Franken einbringen sollen. Von Barend Cornelis Koekkoek kommt eine dramatische Landschaft am Rhein mit aufziehendem Sturm, die der Maler 1847 schuf (50.000/70.000), und Peder Mørk Mønsted, einer der berühmtesten skandinavischen Landschaftsmaler, malte sechzig Jahre später eine Flusslandschaft (40.000/60.000).

Taxiert bei Koller auf 30.000 bis 50.000 Franken: Angelika Kauffmann, „Selbstporträt“, 1780, Öl auf Holz, 18 mal 14 Zentimeter,
Taxiert bei Koller auf 30.000 bis 50.000 Franken: Angelika Kauffmann, „Selbstporträt“, 1780, Öl auf Holz, 18 mal 14 Zentimeter, Bild: Koller

Zwei Kinder, die sich ein Geheimnis zuflüstern, hielt Jac­ques-Laurent Agasse 1833 fest: Es sind Georgina und ihr jüngerer Bruder George Booth, die Kinder von Agasses Vermieter in London (30.000/40.000). Von Arnold Böcklin kommt eine Ölstudie des Nerva-Forums in Rom, die in zahlreichen Ausstellungen zu sehen war und durch ihre imposante Größe von 91 mal 71 Zentimetern und architektonische Detailvielfalt besticht (10.000/15.000).

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Unter den 89 Zeichnungen, die ebenfalls am 23. September angeboten werden, beeindruckt besonders das intensiv farbige Aquarell eines bittenden Pilgers an der Tür einer Moschee in Konstantinopel von John Frederick Lewis. Der Künstler schuf das Bild auf dem Höhepunkt seiner Karriere, im Jahr 1863 (40 000/60.000). Von ähnlicher Farbpracht ist auch Cesare Franchis Gouache mit Goldfarbe der „Sacra Conversazione“: Wenig ist bekannt über die rätselhafte Persönlichkeit des wohl wegen Mordes 1595 hingerichteten Künstlers, der aus Perugia stammte (8000/12.000). Zusammen sollen die Auktionen etwa drei Millionen Franken umsetzen.

Quelle: F.A.Z.
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