Auktion in München

Wo Esel bella figura machen

Von Brita Sachs
17.05.2022
, 13:06
Dieser bepackte Maulesel mit Festschmuck von Jacob Philipp Hackert, 1804, Öl auf Holz, 35,7 mal 27,4 Zentimeter, wird bei Karl & Faber auf 12.000 bis 15.000 Euro geschätzt.
Flora und Fauna, innig betrachtet: Bei Karl & Faber in München kommen Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts zum Aufruf.
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Jacob Philipp Hackert lässt sein in vielen Gemälden ausgedrücktes Herz für Tiere auch aus dem Bild eines festlich mit bunten Troddeln am Halfter herausgeputzten Maulesels sprechen, der beidseitig Körbe schleppend allein durchs Grüne zockelt. Das bislang unpublizierte Bild, das Karl & Faber am 18. Mai während der Auktion „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“ bei einer Taxe von 12.000 bis 15.000 Euro versteigert, malte Hackert 1804 in seiner italienischen Wahlheimat. Daran, dass er auch deren Landschaften immer wieder porträtierte, erinnert eine Ansicht des Kamaldulenserklosters nahe Torre del Greco südlich von Neapel – ein großes, 1770 in Feder und Pinsel angelegtes Blatt (Taxe 8000 bis 12.000 Euro). Als Hauptlos bei den Alten Meistern tritt eine felsige Flusslandschaft des jüngeren Jan Breughel an, der eine Komposition seines Vaters als Kulisse einer Flucht nach Ägypten aufgriff (60.000/80.000).

Ein breites Spektrum an Landschaften dominiert das Angebot zum 19. Jahrhundert, es reicht von Norwegen bis Capri, von der Heide bis zum Hochgebirge. Friedrich Preller den Älteren fesselten um 1837 sturmgeschüttelte Eichen auf Rügen (8000/9000); August Albrecht Zimmermann lässt Jäger das Watzmannmassiv bestaunen (3000/4000). Wie viele Künstler der Münchner Schule versetzt Heinrich Bürkel Landschaften gern mit Genreszenen. Seine Sennerin hat einen phantastischen Bergblick, wenn sie von ihrem Buch aufschaut (9000/12.000). In der weiten Ebene, in der Albrecht Adam einem Reiter einen Mann und Pferde begegnen lässt, vermutet der Katalog aufgrund der Trachten die ungarische Puszta (10.000/12.000). Adam bereiste mit seinem Bruder Heinrich Italien, wo dessen hübsche Ansicht von Riva am Gardasee entstand (6000/8000). Unter sonnendurchflittertem Laub sitzt bei Carl Spitzweg ein „Philosoph im Walde“, der auch schon als „Bücherwurm“ oder „Ausruhender Spaziergänger“ daherkam. Die um 1848 gefertigte Ölskizze liegt bei 35.000 bis 45.000 Euro; für Spitzwegs spätere „Waldlandschaft mit zwei Frauen“ werden 18.000 bis 24.000 Euro erwartet.

Philipp Otto Runge, „Veilchensilhouette“, aus weißem Papier geschnitten und montiert auf blaugrauem Bütten, 11 mal 25 Zentimeter, Schätzpreis 16.000 bis 18.000 Euro
Philipp Otto Runge, „Veilchensilhouette“, aus weißem Papier geschnitten und montiert auf blaugrauem Bütten, 11 mal 25 Zentimeter, Schätzpreis 16.000 bis 18.000 Euro Bild: Karl & Faber

Karl & Faber versteigerte bereits mehrfach erfolgreich Blumen-Scherenschnitte von Philipp Otto Runge. Dieses Mal kommt eine zarte Veilchenstaude aus weißem Papier zum Aufruf. Runge schnitt solcherlei häufig während Abendunterhaltungen bei seinen Hamburger Freunden Speckter, aus deren einstigem Besitz dieses Toplos der Papierabteilung auch stammt (16.000/18.000). Unter 148 Losen Druckgrafik mit eigenem Katalog stechen Rembrandts „Cuivres Originaux“ hervor, in vollständiger Ausgabe von 1906 eine Rarität (80.000/100.000). Wertvolle Dürerwerke gipfeln in zwei Blättern aus der Kupferstich-Passion (je 12.000/14.000), und von Piranesi liegt die gesuchte vollständige „Second Edition“ der berühmten Kerkervisionen, der „Carceri d’Invenzione“ vor (35.000/45.000).

Quelle: F.A.Z
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