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Autographen-Auktion

Er geht sicher nirgends hin

Von Jonathan Kress
 - 17:51

Erst vor kurzem sind fünf handschriftliche Briefe von Paul Celan an eine bislang unbekannte Geliebte namens Hannele aufgetaucht. Zusammen mit rund 740 weiteren Autographen gelangen sie am 12. und 13. März bei Stargardt in Berlin zur Versteigerung. Zwischen den Briefen aus dem Jahr 1951 finden sich Blätter mit frühen Versionen der Gedichte „Wasser und Feuer“, „Brandung“ und „Unstetes Herz“. Das philologisch bedeutsame Konvolut ist auf 24.000 Euro taxiert; man wünscht ihm einen Ort, an dem es der Forschung zugänglich ist. Interessant ist auch ein Blatt mit dem Gedicht „Der Fremdling“: Denn sein Verfasser Friedrich von Hardenberg hat es mit „v.Hardenberg“ unterschrieben – und nicht, wie üblich, mit seinem Pseudonym „Novalis“. Es wurde schon mehrfach bei Stargardt auktioniert; mit 35.000 Euro werden jetzt 5000 Euro mehr erwartet als bei der letzten Versteigerung vor sieben Jahren.

Autographen von der Hand Franz Kafkas sind bei den Sammlern sehr begehrt: Das zeigt auch die Schätzung für einen kleinen, im Kaffeehaus eng mit Bleistift beschriebenen Faltbrief, den er an seinen Freund Max Brod adressierte. Die Absage des gemeinsamen Besuchs einer Veranstaltung – „Ich gehe nirgends hin, auf keinen Fall.“ – ist mit 20.000 Euro veranschlagt. Ein ganzes Paket von zehn Briefen und Postkarten ebenfalls an Max Brod gibt es für 24.000 Euro, allerdings heißt der Absender Robert Walser. Brod war nicht nur Mentor Kafkas, als Redakteur des „Prager Tagblatts“ druckte er auch Gedichte und Prosastücke von Walser ab. Dass Oskar Kokoschka und sein Freund und Künstlerkollege Chatin Sarachi mit der Zeit immer vertrauter wurden, zeigt in der Sektion „Bildende Kunst“ der letzte Brief einer zwölfteiligen Korrespondenz aus den Jahren 1944 bis 1960; er beginnt freundschaftlich mit „Mein liebster Spezi“. Kokoschka beschwert sich dort über das vermehrte Aufkommen von Fälschungen seiner Werke (Taxe 12.000 Euro).

Musik-Autographen sind eine Spezialität von Stargardt. In dieser Abteilung findet sich das Spitzenlos der Auktion: Für einen Entwurf zum Festspiel „Die Ruinen von Athen“ von der Hand Beethovens liegt die Erwartung bei 80.000 Euro. Das leicht gebräunte Notenblatt ist mit expressiven Tintenstrichen und Bleistiftkorrekturen beschrieben und lässt auf den schöpferischen Prozess des Komponisten schließen. Ein Billett, das Mozart an einen Vertrauten schrieb, soll 30.000 Euro wert sein: „Liebster Freund – So oft Sie Punsch aus kleinen Stängel-Gläschen trinken, so erinnern Sie sich ihres wahren Freundes.“ Mozart legte es einer Sendung Punschgläser bei. Ebenfalls freundschaftlich ist eine Nachricht Herbert von Karajans 1975 an seine Berliner Philharmoniker: „Meine lieben Freunde ich schreibe Ihnen am Vorabend meines Geburtstages weil ich das schönste Geschenk bereits bekommen habe...“ (Taxe 400 Euro). Gemeint ist ihr Gastspiel anlässlich der Osterfestspiele in Salzburg.

Bei der „Wissenschaft“ stehen sich zwei Briefe des Forscherpaars Curie gegenüber. Zwischen den 1899 von Pierre Curie und 1909 von Marie Curie geschriebenen Bögen vergingen fast zehn Jahre. In dieser Zeit bekam das Paar den Nobelpreis in Physik verliehen; Pierre Curie kam tragisch bei einem Verkehrsunfall ums Leben (Taxe je 4000 Euro), Aus dem Angebot heraus ragt ein 82 Seiten starkes Werkmanuskript, das der Physiker Heinrich Hertz für den Druck einer frühen Arbeit anfertigte. Seine Schätzung liegt bei 16.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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