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Auktionen London

Marathon mit Magritte

Von Anne Reimers
Aktualisiert am 15.02.2019
 - 14:55
Bei Christie’s und Sotheby’s Frühjahrsauktionen in London gibt es gleich mehrere Werke des belgischen Künstlers zu erstehen.

In London stehen die prestigeträchtigen Abendauktionen mit Moderne und Zeitgenossen an, die als erster wichtiger Markttest im neuen Jahr gelten. Diesmal steht die Saison, wie auch anders, im Schatten des Brexits. Dazu kommt die Unsicherheit, was das globale Wirtschaftswachstum angeht; denn die möglichen Käufer kommen aus aller Welt. Egal was für ein Brexit es sein wird, noch ist die Situation unverändert und europäische Sammler können bis zum 29.März zu den gewohnten Bedingungen ihre Rechnungen bezahlen und Werke aus Großbritannien ausführen. Was sich danach ändert, steht in den Sternen.

Christie’s hat ein umfangreiches Programm zusammengestellt, was jedenfalls Zuversicht suggeriert. Sogar neue Künstlerrekorde sind angepeilt. Man erwartet einen mehr als doppelt so hohen Umsatz wie die Konkurrenz Sotheby’s: Entscheidend dafür ist eine hochwertige alte Privatsammlung, von der 23 Werke – ohne Garantien – unter dem Titel „Hidden Treasures“ – die Einlieferer bleiben ungenannt – in die Abendauktion integriert sind. Damit hat sich Christie’s auch das Spitzenlos der gesamten Versteigerungswoche gesichert: Für Claude Monets fast zwei Meter hohes Teich-Bild „Saule pleureur et bassin aux nymphéas“ werden mehr als vierzig Millionen Pfund erwartet. Ein exquisites Stillleben von Cézanne, „Nature morte de pêches et poires“, ist auf wenigstens zwanzig Millionen geschätzt.

Schlankes Programm

Sotheby’s macht am 26.Februar den Anfang. Das Spitzenlos ist dort Monets „Le Palais Ducal“ in Venedig aus dem Jahr 1908; die Erwartung liegt bei zwanzig bis dreißig Millionen Pfund. Das Gemälde kommt frisch aus der Ausstellung „Monet and Archtecture“ in der Londoner National Gallery; es wurde von den Erben zweiter Generation des 1955 gestorbenen Leipziger Textilunternehmers Erich Goeritz eingereicht, der 1934 nach England emigriert war. Der Verkauf ist bereits durch ein unwiderrufliches Gebot gesichert. Das Abendprogramm von Sotheby’s ist schlank, mit 24 Losen an Moderne und Impressionismus, dazu kommen siebzehn Lose in der angeschlossenen Sektion Surrealismus. Christie’s führt am Abend des 27.Februar 51 Moderne-Lose ins Feld, gefolgt von 34 weiteren für „The Art of the Surreal“. Sotheby’s erwartet einen Umsatz zwischen 67,66 und 97,65 Millionen Pfund, Christie’s 185,26 bis 241,72 Millionen. Für die gesamte Moderne-Woche rechnet Sotheby’s mit 85,87 bis 124,2 Millionen Pfund, Christie’s für insgesamt fünf Auktionen mit 206,69 bis 273,5 Millionen. Zum Vergleich: Im Februar 2018 lag der Gesamtumsatz von Sotheby’s bei 155,5 Millionen, der von Christie’s bei 181,2 Millionen Pfund.

Bei Sotheby’s eröffnet den Abend ein „Auf dem Bauch liegendes Mädchen“ von Egon Schiele aus dem Jahr 1910 (Taxe 500.000/700.000 Pfund). Die zart kolorierte Papierarbeit war bisher nur einmal – im Jahr 1968 in der Albertina in Wien – ausgestellt. Ungewöhnlicher für Schiele ist sein marktfrisches Ölbild „Triestiner Fischerboot“ (6/8 Millionen), gemalt 1912, eingeliefert aus einer amerikanischen Sammlung. Für das bunt leuchtende Boot in seinem fast quadratischen Rahmen sollte Interesse bestehen; denn die „Klimt/Schiele“-Schau in der Londoner Royal Academy ging gerade erst zu Ende.

Passend zur Hundertjahrfeier bietet Sotheby’s eine Gruppe von Arbeiten von Lehrern am Bauhaus. Ein Highlight ist Oskar Schlemmers „Tischgesellschaft“ von 1923 (1/1,5 Millionen); das Öl- und Lackbild auf Leinwand kommt aus der Sammlung von Erika Pohl-Ströher (1919 bis 2016), der Tochter von Karl Ströher. Von Lyonel Feininger stammt „Die BrückeII“ (4/6 Millionen), entstanden während des Ersten Weltkriegs. Das teuerste der Bauhaus-Lose ist Wassily Kandinskys 1928 gemalte „Vertiefte Regung“, die erst 2015 bei Sotheby’s in New York für umgerechnet 4,2 Millionen Pfund, inklusive Aufgeld, versteigert wurde: Ihr Einlieferer hofft wohl auf einen schnellen Gewinn; Sotheby’s gibt eine Schätzung von 5,5 bis 7,5 Millionen Pfund an. Das Bild befand sich ursprünglich in der Sammlung des Braunschweiger Unternehmers Otto Ralfs. Er hatte es 1931 an den einflussreichen polnischen Sammler Salomón Hale in Mexiko-Stadt verkauft – zum Glück; denn die Sammlung von Ralfs wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

Wenig überraschend, führt René Magritte die Sparte Surrealismus an. Im November 2018 stellte Sotheby’s in New York mit 26,8Millionen Dollar, inklusive Aufgeld, einen neuen Magritte-Rekord auf, für „Le principle du plaisir“. Nun ist dort „L’etoile du matin“ von 1928 (3,5/4,5 Millionen) im Angebot. Am folgenden Abend trumpft Christie’s mit „Le lieu commun“ auf, einem späteren Werk aus dem Jahr 1964: Die Erwartung für das aus einer asiatischen Privatsammlung eingelieferte Gemälde mit zwei Männern mit der für Magritte typischen Melone auf dem Kopf liegt „in the region of“ fünfzehn Millionen Pfund. Christie’s peilt aber einen neuen Rekord an; dafür müssten es mindestens 21 Millionen Pfund, inklusive Aufgeld, werden. Magrittes Bild „Le pain quotidien“ (2/3 Millionen) mit einer nackten Frau, die wie ein Engel auf Wolken heranschwebt, hat eine spannende Provenienz. Es wurde 1968 dem Sammler Jan Van Haelen in Brüssel gestohlen, befand sich seit den siebziger Jahren in der Sammlung von Jake&NancyB. Hamon in Dallas, wurde dann dem Dallas Museum of Art geschenkt – und im vorigen Jahr an Van Haelens Erben zurückgegeben.

Zu den Spitzen in der Kategorie Impressionismus und Moderne bei Christie’s gehört auch „Le Port au soleil couchant, opus 236 (Saint Tropez)“ von Paul Signac, mit einer Taxe von zwölf bis achtzehn Millionen Pfund. Versehen mit einer Garantie, soll es einen neuen Signac-Rekord aufstellen; bei elf Millionen Pfund wäre der bisherige Höchstpreis von vierzehn Millionen Dollar aus dem Jahr 2007 geschlagen. Gustave Caillebottes romantischer „Chemin Montant“ (8/12 Millionen) kommt aus derselben, über Wohnsitze in London, Saint-Tropez und der Karibik verteilten Privatsammlung. Der Schweizer Le Corbusier ist zwar als Architekt bekannter, als Maler gehört er aber auch zu den führenden Vertretern der Avantgarde. Seine „Deux figures au tronc d’arbre jaune“ (2/3 Millionen) von 1937 haben viel mit dem Werk seines Freundes Fernand Léger gemeinsam.

Quelle: F.A.Z.
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