Auktionsergebnisse aus Köln

Kleine und große Sprünge

Von Felicitas Rhan
12.01.2022
, 18:19
Das 102 Zentimeter große Bronze-Fohlen von Renée Sintenis aus dem Jahr 1932 blieb bei Lempertz mit 125.000 Euro unter seiner Taxe (150.000 bis 200.000 Euro).
Die Versteigerungen moderner und zeitgenössischer Kunst bei Lempertz und Van Ham spielten Ergebnisse über den Erwartungen ein – trotz einiger Spitzenlose, die keine Liebhaber fanden. Dafür kann eines der Häuser sich über einen neuen Rekordumsatz freuen.
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An die Spitze von Van Hams Dezemberauktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst in Köln kletterte eine unbetitelte Arbeit Sigmar Polkes von 1999: Das 117 mal 138 Zentimeter große Werk aus Kunstharz besticht durch sein ikonisches Rastermuster sowie Marktfrische – und stieg auf 340.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 Euro). Cindy Shermans 2004 entstandene Fotografie aus ihrer „Clown“-Serie, eingeliefert vom Kunstsammler Thomas Olbricht, wurde mit 195.000 Euro honoriert und geht nach Israel (Exemplar von 6; 160.000/200.000). Die farbige, 130 Zentimeter hohe Stahlskulptur „Fourdoorcoupe“ von John Chamberlain blieb liegen (300.000/500.000), ebenso Robert Bechtles fotorealistische Arbeit „Sunset Strollers“ (200.000/300.000). Dagegen erzielte Leiko Ikemuras Landschafts-Triptychon „Kaiserstuhl“ von 2013 mit einem Zuschlag bei 85.000 Euro einen internationalen Auktionsrekord für die japanische Künstlerin (60.000/90.000). Das kinetische Werk „Continuel Lumière Cylindre“ von Julio Le Parc konnte sich ein Bieter aus den Vereinigten Staaten für 95.000 Euro unter Taxe sichern (100.000/150.000).

Bei Lempertz’ Zeitgenossen war Gotthard Graubners rostbrauner Farbraumkörper „Rufus“ von 1992/95 mit einem Zuschlag bei 260.000 Euro das höchstdotierte Los (Taxe 250.000 bis 300.000 Euro).
Bei Lempertz’ Zeitgenossen war Gotthard Graubners rostbrauner Farbraumkörper „Rufus“ von 1992/95 mit einem Zuschlag bei 260.000 Euro das höchstdotierte Los (Taxe 250.000 bis 300.000 Euro). Bild: Lempertz

Bei Lempertz’ Zeitgenossen war Gotthard Graubners rostbrauner Farbraumkörper „Rufus“ von 1992/95 mit einem Zuschlag bei 260.000 Euro das höchstdotierte Los und wandert in eine deutsche Privatsammlung (250.000/300.000). Andy Warhols 1981 gemaltes Acrylbild „Ms. B“, das Spitzenlos der Offerte, blieb unverkauft (300.000/400.000); sein drei Jahre später entstandener unikater Siebdruck von Grace Kelly reüssierte deutlich über Taxe bei 220.000 Euro und kommt eine Privatsammlung nach Monaco (140.000/180.000). Die Acrylarbeit „Geben und Nehmen“ von A.R. Penck aus dem Jahr 2005 war einem deutschen Sammler 220.000 Euro wert (100.000/150.000). Gerhard Richters kleines Ölwerk „3.3.89“ kam auf seine Untertaxe von 130.000 Euro (bis 150.000), während seine 1988 entstandene Leinwand „Blech“ auf 110.000 Euro getrieben wurde (60.000/80.000).

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Unter den Angeboten der Moderne bei Van Ham überzeugte das Geschwisterpor­trät, das Paula Modersohn-Becker 1903 malte. Für 180.000 Euro kommt es unter Taxe in eine norddeutsche Privatsammlung (200.000/300.000). Kurt Schwitters’ Collage „Mz 246, rot und gestreift“ aus dem Jahr 1921 war einem Onlinebieter bei ihrem Marktdebüt 95.000 Euro wert (90.000/120.000). Eines von sechs offerierten Werken Karl Hofers, die 1935 entstandene „Lautenspielerin“, schaffte es auf 78.000 Euro (60.000/80.000). Trotz hervorragender Provenienz von Solomon R. Guggenheim blieb Rudolf Bauers spannungsgeladene Leinwandarbeit „Contrast“ von 1924 hängen (100.000/150.000). Zudem stieß die NFT-Auktion, mit der Van Ham in das Geschäft um die Non-Fungible Token einstieg, auf positive Resonanz: Alle fünf hybriden, von Gavin Evans hergestellten „Godpixel“ – die dynamische Digitalversion, in der das Bild mittels Morphing von einer Version in eine andere überführt wird – wurden verkauft; besonders begehrt war das Porträt von Ai Weiwei, das 13.000 Euro erreichte (Taxe je 10.000 bis 15.000 Euro).

An der Spitze von Van Hams Dezemberauktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst: Sigmar Polke, „Ohne Titel“, 1999, Kunstharz und Pigmente auf Polyesterodern, 117,5 mal 138 Zentimeter; Zuschlag bei 340.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 Euro)
An der Spitze von Van Hams Dezemberauktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst: Sigmar Polke, „Ohne Titel“, 1999, Kunstharz und Pigmente auf Polyesterodern, 117,5 mal 138 Zentimeter; Zuschlag bei 340.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 Euro) Bild: Van Ham / VG Bildkunst, Bonn 2022

Mit einem Resultat von 340.000 Euro avancierte August Mackes Frühwerk „Sonniger Garten“ von 1908 zum Spitzenlos bei Lempertz’ Moderner Kunst innerhalb seiner erwarteten Marge. Das 1954 entstandene Gemälde „Flaneurs“ von Max Ernst, das dem Pariser Galeristen René Rasmussen gehörte, kam mit ­250.000 Euro auf seine untere Schätzung, während Franz Radziwills Landschaft „Die bunten Felder“ von 1957 mit einem Zuschlag bei 130.000 Euro seine Taxe überflügelte. Keinen Käufer fand Camille Pissarros kleines Ölgemälde „Verger à Varengeville avec vache“ von 1899 – mit einer Taxe von 500.000 bis 700.000 Euro das Highlight von Lempertz’ „Evening Sale“. Auch Max Pechsteins 1920 gemalte Darstellung der Wanderdüne in Nidden (200.000/250.000) und die erste, 1911 entstandene Straßenlandschaft von Max Beckmann (200.000/300.000) blieben hängen. Für den Lebzeitenguss von Ernst Barlachs 49 Zentimeter hohem „Singenden Mann“ zahlte ein deutscher Bieter 270.000 Euro (200.000/250.000). Das 102 Zentimeter große Bronze-Fohlen von Renée Sintenis aus dem Jahr 1932 blieb mit 125.000 Euro unter seiner Taxe (150.000/200.000).

Insgesamt setzte Lempertz mit seinen Auktionen 9,2 Millionen Euro um; erwartet waren 8,7 Millionen. Der Gesamtumsatz des Hauses liegt 2021 bei 51 Millionen Euro. Van Ham erzielte mit seinen Auktionen zur Moderne mehr als neun Millionen Euro; die Schätzungen lagen bei 6,5 Millionen. Zudem beläuft sich der Jahresgesamtumsatz auf mehr als 40,1 Millionen Euro. Das ist ein neues Rekordergebnis für das Kölner Auktionshaus.

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Quelle: F.A.Z.
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