Auktionsjahr in Österreich

Auf dem Wolkenbett

Von Nicole Scheyerer, Wien
03.02.2021
, 17:25
Rekordpreise im Ausnahmejahr: Der umstieg auf die digitale Ebene fiel den Auktionshäusern nicht schwer. Die Spitzen der Auktionsbilanz 2020 für Österreich.

Die österreichischen Auktionshäuser mussten 2020 aufgrund von Lockdown und Kurzarbeit einige Termine verschieben oder ausfallen lassen. Aber weder Dorotheum noch Kinsky fiel das Umsatteln auf die digitale Ebene schwer. Schon seit einigen Jahren haben die Unternehmen online Gebote angenommen, und nun bitten sie auch per Livestream in ihre Auktionssäle. Das Dorotheum punktete zudem mit seiner Website, die zum Beispiel im Juni mehr als eine Million Zugriffe verzeichnete.

Das Interesse im virtuellen Raum machte sich auch monetär bezahlt. Dabei setzte sich ein Damenbildnis an die Spitze: Im Paris des Jahres 1928 verlieh Chaim Soutine seinem Porträt „Femme en rouge au fond bleu“ psychologische Tiefe. Das rot leuchtende Kleid steht im Kontrast zu dem verhaltenen Gesichtsausdruck und den gefalteten Händen der Frau; der blaue Hintergrund rahmt die Figur wie ein Madonnenmantel. Das vielfach publizierte Bild wechselte zu seiner Untertaxe von 1,5 Millionen Euro den Besitzer. Viel Aufmerksamkeit und schließlich einen Rekordpreis erntete das 112 Zentimeter hohe Tafelbild „Anbetung der Könige“ von Pieter Coecke van Aelst; die exquisiten Details verliehen der Komposition besondere Attraktivität: Das um 400.000 bis 600.000 Euro angekündigte Bild wurde schließlich auf stolze 950.000 Euro gehoben, eine neue Bestmarke für den flämischen Maler.

Die Altmeister-Sparte des Dorotheums besetzt darüber hinaus noch weitere Ränge der zehn österreichischen Spitzenergebnisse. Platz vier des Rankings eroberte der „Spinola-Rubens“, der von der Werkstatt des Großkünstlers stammt. Das Gemälde, das Johannes den Täufer und das Jesuskind darstellt, hat seine untere Schätzung von 350.000 Euro mit dem Zuschlag bei 720.000 Euro mehr als verdoppelt. Auch mit vier Altarflügelbildern eines anonymen Vertreters der Süddeutschen Schule spielte das Dorotheum im Juni ein gutes Ergebnis ein: Für die um 1490 farbkräftig ausgestalteten Szenen „Christus am Ölberg“, „Kreuztragung Christi“, „Kreuzigung“ und „Beweinung Christi“ genehmigte ein Bieter 670.000 Euro (Taxe 500.000/600.000).

Mit der Provenienz „aus europäischem Adelsbesitz“ trat das Andachtsbild „Heiliger Joseph“ von Jusepe de Ribera an. Es stellt den Mann Mariens mit einem Stab dar, der laut Legende zu blühen begann. Wenngleich Caravaggist, fand Ribera dort zu weicheren Silhouetten: Um 1640 entstanden, überflügelte das Werk seinen Schätzwert von 250.000 bis 350.000 Euro mit einem Zuschlag von 480.000 Euro. Ein Rekordpreis rundet die Bestenliste auf Platz zehn ab: Massimo Stanziones lebhaft dargestellte Zusammenkunft von „Lot und seinen Töchtern“ war nicht unter 320.000 Euro (200.000/300.000) zu haben.

Die Konkurrenz Kinsky reklamierte mit einem Bild von Koloman Moser den dritten Platz der zehn besten Ergebnisse für sich. Der als Maler oft unterschätzte Kunstgewerbler findet schon länger immer mehr Anklang. Sein symbolistischer Männerakt „Feldeinsamkeit“ von 1912/13 galt bis vor kurzem als verschollen; er gelangte aus Wiener Familienbesitz zur Auktion und erntete viel Interesse. Im Bietergefecht erklomm der auf einem Wolkenbett ruhende Jüngling stolze 750.000 Euro (250.000/500.000). Eine neue Bestmarke konnte das Kinsky für die Wiener Landschafts- und Blumenmalerin Olga Wisinger-Florian setzen: Die prächtig in Rosa blühenden Rabatten der „Hortensien (aus Grafenegg)“ fing die Pleinairistin 1901 ein. Der Zuschlag von 450.000 Euro (350.000/700.000) stellt das bis dato höchste Auktionsergebnis für Wisinger-Florian dar.

Ebenfalls 450.000 Euro spielte das einzige zeitgenössische Los der Top Ten ein: Das Dorotheum hatte für Lucio Fontanas blitzblaues „Concetto Spaziale“, ein Querformat von 1967/68, die Taxe von 400.000 bis 600.000 Euro veranschlagt. Das Titellos der Zeitgenossen vom Arte-Povera-Künstler Jannis Kounellis, eine zweiteilige Assemblage von 1989, wurde mit 280.000 Euro (250.000/350.000) honoriert, was aber nicht für das Ranking 2020 reicht. Einen schönen Erfolg für die Dorotheum-Sparte Klassische Moderne – und ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk für das Wiener Leopold Museum – brachte ein Frühwerk von Gustav Klimt. Dabei handelt es sich um einen Entwurf für das Deckengemälde „Altar des Dionysos“, das noch heute im Burgtheater bewundert werden kann. Klimt, der damals mit seinem Bruder Ernst und dem Kollegen Franz Matsch eine „Malercompagnie“ betrieb, hielt die antike Szene 1886 in Öl auf einer 32 mal 158 Zentimeter großen Leinwand fest. Ende November hat ein Wiener Ehepaar das auf 180.000 bis 300.000 Euro geschätzte Los für 380.000 Euro ersteigert – und eben dem Leopold Museum geschenkt.

Im Ein-Mann-Unternehmen Hassfurther wurde im vorigen Jahr an nur einem anstatt wie gewöhnlich an zwei Terminen auktioniert. Der Kitzbüheler Alfons Walde, den Wolfdietrich Hassfurther 1979 erstmals ausgestellt hat, ließ ihn auch dieses Mal nicht im Stich. Die Zuschläge für den „Bauernsonntag“ bei 300.000 Euro und die „Trattalmen im Schnee“ bei 280.000 Euro beweisen die ungebrochene Popularität des Bergmalers.

Quelle: F.A.Z.
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