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Bamberg

Die Altstadt glänzt

Von Brita Sachs
 - 15:23

Exotische Zuwanderer in Bamberg: Zwei Oryx-Antilopen hat es hierher in fremde Gefilde verschlagen. Die seltenen Wüstenbewohner kamen aber weder als Vorboten des Klimawandels noch als Zooattraktionen, sondern als Teilnehmer der Kunst- und Antiquitätenwochen, die gerade zum 24.Mal stattfinden. Die fast lebensgroßen prachtvollen Tiere entstanden aus je einem Stamm exotischen Holzes und tragen auf den Köpfen echte Exemplare der langen, spitzen Hörner ihrer Spezies. Zur Präsentation dieser Trophäen dürfte das Paar im 19. Jahrhundert geschnitzt worden sein, eine Zeitlang war es dann wohl vergessen, wovon einseitige Termitenfraßspuren zeugen, die der aparten Arbeit wie ein Vanitas-Symbol anhaften. Für 24.600 Euro sind die Antilopen bei Christian Eduard Franke zu haben.

Franke bedient in seinem gotischen Stadthaus vielfältigste große und kleinere Wünsche mit Möbeln von Renaissance bis Biedermeier, mit Lüstern, Silbergerät und Spiegeln, auch Bronzen, dazu Gobelins und Fayencen. Der Fülle halber haben Franke und sein Partner Christoph von Seckendorff zusätzliche Ausstellungsräume im ehemaligen Amtshaus des Klosters Ebrach bezogen. Um den Anspruch des Klosters auf, nie gewährte, Reichsunmittelbarkeit zu stützen, bekam der um 1680 im Bamberger Domgrund erstellte Bau eine prächtige Giebelfassade, hinter der das durch Kultivierung der Silvanertraube schwerreich gewordene Ebrach ein Nutzgebäude einrichtete, stattlich, aber ohne jeglichen Schnickschnack. Liebevoll und sachkundig renoviert, bietet es nun viel Platz für weitere Stücke wie einen Hamburger Schapp – der Schrank ist knapp drei Meter hoch –, aus der Zeit um 1700 mit vorzüglichen Schnitzereien (87.000 Euro).

Bambergs Altstadt, eine der schönsten Europas und schon lange Unesco Weltkulturerbe, bietet Geschichte an jeder Ecke, Charme und Romantik in Hülle und Fülle, also dem Antiquitätenhandel einen idealen Rahmen und Besuchern der Wagner- Festspiele im nahen Bayreuth gute Gründe für Abstecher in die Domstadt. Walter Senger weiß das; von Anfang an machte er bei den Kunst- und Antiquitätenwochen mit, in denen die Beteiligten ihre Ladengeschäfte mit besten Stücken füllen und auch an den Wochenenden öffnen. Diesmal hat Senger das um 1720 von einem Unbekannten gemalte Bild „Fuchsprellen“ an der Wand. Vor dem Hintergrund des mitleidlos den Fuchs immer wieder in die Luft schleudernden Treibens kann man weitere, zu dieser höfischen Festlichkeit veranstaltete Amüsements erkennen (38.000 Euro).

Eine Spezialität der Firma Senger sind Skulpturen. Heilige und biblische Protagonisten beleben alle Räume, vor allem die tiefen mittelalterlichen Keller, in der Karolinenstraße und schräg gegenüber am Geyerswörthplatz, wo der Schwiegersohn und Geschäftsführer Thomas Herzog den erst im vorigen Jahr eröffneten Zweitsitz mit einer mutigen Mischung bespielt: Dort gibt es das Relief einer lebhaften Tischrunde des Herodes, der man soeben den Kopf Johannes des Täufers in einer Schüssel präsentiert; das zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Rheinland geschnitzte Werk liegt bei 68.000 Euro. Und da wäre das zauberhafte Triptychon aus dem Südtiroler Umkreis Friedrich Pachers, mit seiner um 1475 auf Goldgrund gemalten Maria mit Kind, umgeben von musizierenden Engeln und weiblichen Heiligen. Schließt man das Altärchen, zeigt es die Verkündigung (480.000 Euro). In Format und Farbigkeit auffälliger als solche mittelalterliche Finesse drängt zeitgenössische Kunst in den Blick, Bilder von Frauen in Pop- Art-Manier von Marc Taschowsky aus Berlin und Mischa Fritschs, unter Einbeziehung von Sonne, Wind und Wasser im Freien bearbeitete Leinwände.

Die Bamberger Wochen machen es also wie die großen Kunstmessen: Gegenwartskunst soll helfen, ein Publikum anzuziehen, das an Alter Kunst bislang wenig Interesse zeigte. Das Auktionshaus Schlosser setzt mit auf dieses Pferd: Im herrschaftlichen Bibra-Palais, einem Bau von Johann Dientzenhofer, wird nicht nur regelmäßig Kunst älterer Epochen versteigert, sondern in der Galerie Contemporaria auch Modernes gezeigt, derzeit Arbeiten von Marc Gumpinger. Der Maler, Biologe und Programmierer erstellt seine Motive mit Hilfe von Algorithmen. Was er dann mit Öl auf Leinwand überträgt, wechselt zwischen Figürlichem wie Astronauten oder Alpenstudien und abstrakten Netz- und Op-Art-Strukturen (Preise von 1200 bis 14.000 Euro). Unterstützung auf dem Alt-plus-neu-Pfad kommt auch vom Diözesanmuseum oben auf dem Domberg. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Galeristen Alexander Ochs bringt es in der Ausstellung „Der Funke Gottes“ sakrale historische Objekte, etwa von Tilman Riemenschneider oder von begnadeten Goldschmieden, mit Werken von Marina Abramović, Ai Weiwei, Nobuyoshi Araki, Joseph Beuys und weiteren Künstlern der Moderne zusammen.

Matthias Wenzel, Inhaber der ältesten Kunsthandlung der Stadt, setzt auf Bewährtes. Antike Möbelstücke, von elegant bis rustikal, zählen genauso dazu wie die Vitrine mit schönem alten Schmuck. Nicht zu vergessen das Gemälde der Madonna mit Kind, nach einem Stich von Dürer vielleicht von Bernard van Orley gemalt, das demnächst für die Ausstellung „Dürers Reise nach Aachen und Antwerpen“ in ebendiesen Städten entliehen werden soll (90.000 Euro). Außerdem ficht bei Wenzel Sankt Michael gleich mehrmals seinen Kampf mit Satan aus: Besonders beschwingt, bezwingt er den Bösen in einer Skulptur, die um 1560 in Spanien oder im damals spanischen Königreich Neapel geschnitzt wurde und gefasst mit feiner, Brokatstoff imitierender Gold- und Estofado-Malerei (48.000 Euro). Im nächsten Raum triumphiert eine Madonna auf der Mondsichel, getragen von Engeln, deren Meister man um 1500 in Schwaben vermutet. Sehr selten wellt Marias offenes, langes Haar sichtbar über den Rücken; denn dafür muss eine Figur vollplastisch angelegt sein wie ebendiese Skulptur (95.000 Euro). Wer Möbel des Biedermeiers sucht, wird bei Burkard Hauptmann fündig, aber auch Barockes hat er im Angebot und Louis-XVI-Stücke, dabei manches zu Preisen, die auch junge Sammler ansprechen dürften.

Das kleinste Geschäft in der Bamberger Runde bespielt Julia Heiss. Im Schaufenster ihres Silber-Kontors an der Dominikanergasse steht „Jeder Ring 25 Euro“ neben dem entsprechenden Stück. Aber hinter diesem Signal für Erschwingliches entfaltet sich drinnen eine dichte Auswahl an exzellentem Silbergerät: Schüsseln, Kännchen, Kerzenleuchter, übersichtlich in Gruppen zusammengestellt, wie Löffel, Schöpfer und Becher. Skandinavische Silberschmiede wie Georg Jensen, Henning Koppel oder Evald Nielsen geben den Ton an mit klaren, großzügigen Formen, die auch der Däne Hans Hansen zum Beispiel einer flachen Schale auf Spiralfüßen verlieh (750 Euro). Gegenüber, die lustige Adresse lautet Katzenberg, hält die Glaserie Pusch historisches und modernes Glas bereit. Floraler Jugendstil schlingt üppige Blüten ums Glas, streng und geometrisch kontert Wiener Art Nouveau mit Otto Prutschers Entwurf eines kobaltblau überfangenen Stengelglases von 1906 für Meyr’s Neffe (10.000 Euro). Die Inhaberin Christina Kraft restauriert auch in ihrer Werkstatt hinten im Laden; Lüster und Glaskunstobjekte sind ihre Spezialitäten.

Dann gibt es noch die Adresse für „innere Werte“: Robert Lorangs Antiquariat, auch dieses logiert in einem denkmalgeschützten Gebäude und in schönster Lage gleich am Alten Brückenrathaus, ein perfekter Ort, um sich unter alten und wertvollen Büchern umzutun. Dazu bieten die Kunst- und Antiquitätenwochen ein Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Konzerten, für die es sich lohnt, einen Bamberg-Besuch mit Zeit einzuplanen. Endlich ist da auch noch das berühmte Rauchbier – eine Bamberger Spezialität mit Weltruf.

Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen; bis zum 23.August. Geöffnet Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
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