Basquiat-Schau mit Fakes?

Direktor des Orlando Museum of Art gefeuert

Von Ursula Scheer
29.06.2022
, 17:43
Helden und Monster: dasOrlando Museum of Art mit Ausstellungsplakaten
Der Skandal um die vom FBI beendete Schau mit womöglich gefälschten Basquiats wird immer größer. Nun entlässt das Orlando Museum of Art seinen Direktor. Er soll Drohungen per E-Mail verschickt haben.
ANZEIGE

Vier Tage nachdem das FBI sämtliche 25 Exponate der unter Fälschungsverdacht stehenden Basquiat-Ausstellung „Heroes and Monsters“ beschlagnahmt hat, handelt der Vorstand des Orlando Museum of Art und feuert dessen Direktor Aaron De Groft mit sofortiger Wirkung. Die Treuhänder des Privatmuseums in Florida seien, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands, „extrem besorgt“ nicht nur wegen der dubiosen Herkunft der angeblichen Originale von Jean-Michel Basquiat, von denen eines auf der Rückseite einen FedEx-Paketaufkleber trägt, der erst nach dem Tod des Künstlers in Umlauf kam. Hinzu kommt die vom FBI ans Licht geholte „unangemessene E-Mail-Korrespondenz“ des Direktors.

De Groft hat in den Schreiben einer Kunsthistorikerin, die von der „New York Times“ als Jordana Moore Saggese von der Universität Maryland identifiziert wird, gedroht. Als Besitzer der mutmaßlichen Basquiat-Bilder hatten die Kunsthändler William Force und Lee Mangin sie als Gutachterin engagiert, um die Authentizität der Werke bestätigen zu lassen. Die Wissenschaftlerin aber lehnte ihre namentliche Nennung in Zusammenhang mit der Schau ab. Ob sie etwa wolle, dass publik werde, dass sie 60.000 Dollar für das Gutachten bekommen habe, fragt die De Groft drohend in dem Schreiben, das ihn nun teuer zu stehen kommt – und ein weiteres Detail eines immer größer werdenden Skandals ist.

Hier wird geräumt: Das FBI bei der Beschlagnahmung vor dem Orlando Museum of Art.
Hier wird geräumt: Das FBI bei der Beschlagnahmung vor dem Orlando Museum of Art. Bild: AP

Werke des 1988 im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Heroin gestorbene Malers Basquiat werden auf dem Kunstmarkt extrem hoch gehandelt. 2017 wurde sein Bild „Untitled“ mit Totenkopf aus dem Jahr 1982 von Sotheby’s für 110,5 Millionen Dollar mit Aufgeld an den japanischen Milliardär Yusaku Maezawa verkauft. „In This Case“ von 1983 hat das Auktionshaus 2021 für 81 Millionen Dollar zugeschlagen.

ANZEIGE

Präsentationen von Kunstwerken können auch ihrer Legitimierung für den Kunstmarkt dienen. Die in Orlando ausgestellten Basquiats stammen angeblich aus einer Lagerbox, die zum Nachlass des verstorbenen Drehbuchautors Thad Mumford gehörte. Dieser wiederum soll die Gemälde vom Künstler selbst in den Achtzigerjahren für 5000 Dollar gekauft haben. Mumford aber unterzeichnete 2017 in Gegenwart von Bundesbeamten ein Schreiben, in dem er zu Protokoll gibt, Basquiat niemals getroffen und nie Bilder von ihm erworben zu haben.

Quelle: eer.
Autorenporträt / Scheer, Ursula
Ursula Scheer
Redakteurin im Feuilleton.
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Bildungsmarkt
Alles rund um das Thema Bildung
Sprachkurs
Verbessern Sie Ihr Englisch
Sprachkurs
Lernen Sie Französisch
EBook
E-Book-Reader im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
ANZEIGE