Bassenge

Armer Heiliger

Von Camilla Blechen
Aktualisiert am 21.06.2019
 - 14:06
Die Ergebnisse der Auktion mit alter und neuer Kunst, sowie der Sonderauktion „Creatures“ bei Bassenge in Berlin.

In erster Linie von Sammlern der Altmeistergraphik profitierte die Auktion bei Bassenge in Berlin. Rembrandts „Windmühle“ allerdings übernahm amerikanischer Handel bei 40.000 Euro (Taxe 24.000). Ein privater Interessent aus Übersee trieb Jan Saenredams „Vanitasstillleben mit Totenkopfschädel“ von 9.000 auf 38.000 Euro. Jan Lievens’ „Brustbildnis eines bärtigen Orientalen mit Turban“ geht für 13.000 Euro (4.000) in eine englische Privatkollektion. Hendrick Goltzius’ Clair-obscur-Holzschnitt „Herkules und Cacus“ war einem Schweizer Bieter 14.500 Euro (6.000) wert. Bei den Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts überraschte die furiose „Reiterschlacht vor einer weiten Landschaft mit Festungsanlagen“ von Georg Philipp Rugendas d.Ä. mit 14.000 Euro (4.500). Die virtuose Karikatur eines – mutmaßlich dänischen – Adligen gelangte erst bei 9.000 Euro (750) in süddeutschen Handel. Die Spitzenposition unter den Gemälden des 19.Jahrhunderts erklomm Karl Stielers für 74.000 Euro (35.000) nach Österreich vermitteltes Porträt seiner Tochter. Einen weiteren Hochpreis erzielte das für 52.000 Euro (4.500) von einem schwedischen Museum erworbene „Bildnis eines Mannes in schwarzer Jacke“ von Detlev Conrad Blunck, einem gebürtigen Holsteiner, der in Kopenhagen studierte und später zum Kreis von Thorvaldsen in Rom gehörte.

Den Spitzenpreis der „Creatures“ überschriebenen Sonderauktion mit 150 Tierdarstellungen erzielte mit 27.000 Euro (20.000) Max Fergusons Einblick in die Pariser Naturalienhandlung „Deyrolle“. Ein Album aus den Niederlanden mit 64 minutiösen Wiedergaben von Insekten in der Tradition der flämischen Maler Hoefnagel und Jan van Kessel d.Ä. ging für 17.000 Euro (8.000) in den Besitz eines Amsterdamer Privatiers über. Eine undatierte Radierung nach Johann Heinrich Füsslis Gemälde „Nachtmahr“ kletterte von 400 auf 5.500 Euro; eine zeitgenössische Kopie von Martin Schongauers „Heiliger Antonius von Dämonen geplagt“, einst im Besitz der Wiener Albertina, erzielte 12.000 Euro (1.200). Albrecht Dürers prachtvolles Rhinozeros von 1515 spielte 20.000 Euro (15.000) ein.

Ohne große Resonanz

Ohne große Resonanz verlief die mit Gemälden und Zeichnungen einer „Vergessenen Moderne“ bestückte Sektion, in die aber auch Arbeiten unvergessener Künstler wie Feininger, Kokoschka und Grosz integriert waren. Ein rastender „Wanderer“ des 1943 im Konzentrationslager Majdanek ermordeten Hermann Lissmann kam auf 17.000 Euro (8.000). Einen unerwarteten Rückgang erlitt bei der Moderne das Hauptlos, Emil Noldes Aquarell „Mohnblüten, Iris und violette Astern“(100.000). Bereits bei 10.000 Euro (12.000) an privat verkauft wurde seine Vorstudie zum Christuskopf im Frühwerk „Abendmahl“ von 1909, heute im Museum in Kopenhagen.

Einem norddeutschen Sammler für 24.000 Euro (15.000) zugeschlagen wurde Ernst Barlachs nach 1938 bei Noack in Berlin gegossener „Lesender Klosterschüler“. Heiß umworben, stieg Max Ernsts in 175 Exemplaren verbreitete Bronze „Chérie Bibi“ von 13.000 auf 20.000 Euro. Renée Sintenis’ „Junger Bär“ kam auf 85.00 Euro (7.500), August Gauls „Dusselchen“ landete bei 6.500 Euro (7.000). Ein Exemplar von Mark Tobeys „White Writings“ verbesserte sich auf 16.000 Euro (4.000). Mel Ramos’ aquarellierter Rückenakt für Coca-Cola, „The pause that refreshes“, brachte 22.000 Euro (12.000).

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Blechen, Camilla (C.B.)
Camilla Blechen
Freie Autorin im Feuilleton.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot