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Österreich-Bilanz 2018

Alles geschieht wieder in Wien

Von Nicole Scheyerer
 - 14:18
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Es war ein aufregendes Jahr für die Wiener Auktionshäuser, in jeder Hinsicht. So konnte das Dorotheum als Erfolgsakquise eine großartige „Lucretia“ der Barockmalerin Artemisia Gentileschi an Land ziehen. Das vielbeachtete Ölbild führt mit dem Ergebnis von 1,6 Millionen Euro die österreichischen TopTen 2018 an. Im November erlebte das Traditionshaus dann einen Tiefschlag: Bei einem dreisten Diebstahl wurde am helllichten Tag ein 27 mal vierzig Zentimeter großer Renoir aus der Schau-Aufstellung fortgetragen. Zwei der drei mutmaßlichen Täter, die sich die „Bretonische Küstenlandschaft“ mit einer Taxe von 120.000 bis 160.000 Euro geschnappt haben, wurden zwar mittlerweile gefasst, aber von dem gestohlenen Gemälde fehlt noch jede Spur.

Das Auktionshaus im Kinsky feierte im Herbst sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen mit einer Selektion aus Klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst. Zu den Highlights der Jubiläumsauktion zählte das surreal anmutende Gemälde „Der Korkenziehermann“, in dem Maria Lassnig 1986 einen Totenschädel auf einer Spirale hüpfen lässt. Mit dem Zuschlag bei 400.000 Euro schloss das Kinsky an die Bestmarke für die Malerin an, die 2014 im Dorotheum gesetzt worden ist. Indessen scheiterte auch eine Reihe von Spitzenlosen an zu hohen Limits, darunter Schieles „Sitzendes Mädchen mit zurückgeworfenem Kopf“ und eine 1997 entstandene Abstraktion von Rudolf Stingel.

Eine unbekannte Aristokratin

Für einen Überraschungshit bei den Alten Meistern im Dorotheum sorgte im Oktober das aparte „Bildnis einer Dame mit einem Papagei“, das erst jüngst als Frühwerk von Anthonis van Dyck identifiziert worden war. Das mit dem Brandzeichen der Antwerpener Lukasgilde versehene Tafelbild zeigt eine unbekannte Aristokratin mit zwei unterschiedlichen Augenfarben. Das neuentdeckte Porträt zählte einst zur Sammlung der belgischen Adelsfamilie Arenberg und wurde von der Taxe bei 300.000 bis 500.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro hinaufgekämpft. In unverhoffte Millionenhöhe sauste auch ein Artefakt der Sparte „Stammeskunst“: Eine Holzskulptur aus Papua-Neuguinea, ein „Uli“ aus der Sammlung von Carlo Monzino, löste ein Bietergefecht aus, das bei 150.000 Euro startete und erst bei 1,2 Millionen Euro sein Finale fand.

In die Liste der höchsten Zuschläge schaffte es bei den Alten Meistern noch ein „Früchtestillleben mit Weidenkorb, Muscheln und Schmetterling“ von Balthasar van der Ast, das mit 300.000 Euro den neunten Rang der Jahresbilanz belegt. Im Kinsky sorgte ein bisher unbekanntes Marienbild von Lucas Cranachd.Ä. für Zeitungsberichte: Ein vermeintlicher Erbe erhob Ansprüche auf die mit 350.000 bis 700.000 Euro angegebene „Madonna mit Kind und Johannesknaben“ und wollte ihre Versteigerung verhindern. Das Kinsky behielt das Bild trotzdem in der Auktion, aber die Sache war möglichen Bietern vielleicht doch zu heiß; es blieb liegen.

Wie bereits im Auktionsjahr 2017 belegen moderne und zeitgenössische Gemälde die meisten Ränge der Wiener Auktionshitparade. Gleich zwei der legendären Schlitzbilder von Lucio Fontana spielen vorne mit: Ein „Concetto Spaziale, Attesa“ in fluoreszierendem Pink aus den Jahren 1964/65 löste 450.000 Euro (480.000/650.000) ein, während eine größere Version mit ebenfalls einem einzigen zentralen Schnitt von 1968 für ihre untere Taxe bei 440.000 Euro den Besitzer wechselte. Den vierten Platz des Rankings teilt sich dieser grüne Fontana mit einem Bild des Kitzbühler Malers Alfons Walde. Das Auktionshaus Hassfurther erzielte diesen guten Preis von 440.000 Euro mit einer typischen „Dorfkirche in Aurach“ aus dem Jahr 1932.

Auf den ersten Blick erkennbar

Ein Renoir wurde 2018 gestohlen im Dorotheum, ein noch wertvolleres Bild von ihm fand viel Anklang bei den Bietern. Der 31 mal 26 Zentimeter große Frauenakt „Femme nue assise vue de trois-quarts (Baigneuse)“ aus den Jahren 1915/19 ließ mit dem siegreichen Gebot von 360.000 Euro seine Taxe von 170.000 bis 220.000 Euro weit hinter sich. Einen weiteren Akt, dessen Schöpfer ebenfalls auf den ersten Blick erkennbar ist, stellt die „Odaliske“ von Fernando Botero dar. Für die üppige Haremsdame mit Laute aus dem Jahr 1998 wurden 140.000 bis 180.000 Euro erwartet, sie kletterte schließlich auf beachtliche 320.000 Euro.

In der herbstlichen Zeitgenossen-Auktion des Dorotheums konnte Günther Ueckers Nägel-„Feld“ von 2012/13 punkten. Das dynamisch verdichtete Bild fordert das Auge ebenso heraus wie die aus Draht und Nylonsaiten geschaffene Arbeit des venezolanischen Künstlers Jesús Rafael Soto von 1974. Für beide Werke wurden 400.000 Euro genehmigt. Der Einfluss des Abstrakten Expressionismus wirkt noch in Philip Gustons Gemälde nach, das er 1957 gemalt hat. Die Werke dieser Übergangsphase wurden zuletzt in Ausstellungen gewürdigt; das vorliegende Bild erzielte mit 350.000 Euro seine mittlere Taxe. „Per una protesta“ titelt eine Serie des italienischen Expressiven Emilio Vedova; deren sechste Version von 1953 spielte ebenfalls gute 350.000 Euro ein.

Im Kinsky sorgte das Bild „831 Tender Dinghi“ von Friedensreich Hundertwasser für Farbenpracht, das ein Boot aus des Künstlers Zweitheimat Neuseeland zeigt. Die hochformatige Mischtechnik in Regenbogencouleur löste mit 350000 Euro ihren oberen Schätzwert ein. Zu den Spitzenlosen im Kinsky zählte auch ein bemerkenswertes Porträt des Malers Rudolf Wacker. Im neusachlichen Stil und dennoch berührend hielt der Vorarlberger Künstler 1926 seine vielgeliebte Mutter fest. Das Bildnis, das an der Wand im Hintergrund auch ein Mädchenbild der alten Frau zeigt, war einem Bieter 290.000 Euro wert. Zu all diesen schönen Frauenporträts, die das Auktionsjahr 2018 beschert hat, gesellte sich im Dorotheum noch die Matisse-Zeichnung „Portrait de femme avec un collier“ von 1937, die ihre untere Erwartung von 280.000 Euro einlöste.

Quelle: F.A.Z.
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