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Spanien-Bilanz

Knapp unter der Eine-Million-Grenze

Von Clementine Kügler
 - 14:25

Weder religiös noch mexikanisch – 2018 steht ein Künstler von den Philippinen an der Spitze der Top Ten: Die hübsche Szene eines Paares am Fluss von Félix Resurrección Hidalgo y Padilla (1855 bis 1913) hat das Auktionshaus Segre in Madrid im Oktober auf 40000 Euro geschätzt – und für stolze 950000 Euro zugeschlagen. Das ovale und guterhaltene Ölbild „Pareja de tagalos ante un rio“ (Tagalog-Paar am Fluss) von 1879 stammte aus einer Madrider Sammlung und weckte Interesse im Saal und am Telefon. Den Zuschlag erhielt schließlich ein Sammler von den Philippinen. José Luis Requena, verantwortlich für Gemälde bei Segre, beobachtet einen Wandel: Früher erwarben Händler in Madrid philippinische Kolonialkunst zu moderaten Preisen, um sie dann an asiatische Sammler weiterzuverkaufen. Inzwischen kaufen diese Sammler direkt und bezahlen entsprechend den Preis, der auf Auktionen in Asien erzielt wird. Deshalb sorgen immer wieder Namen wie Fernando Zóbel, Juan Luna Novicio oder José Honorato Lozano für Überraschungen.

Rang zwei in Spanien nimmt ein „Jesusknabe mit Dornenkrone im Schoß“ von Francisco de Zurbarán ein, der wohl zwischen 1645 und 1650 entstanden ist. Abalarte in Madrid gab das Bild für – der Schätzung entsprechende – 400000 Euro schon im Februar in neue Hände. Der spanische Maler und ehemalige Direktor des Prado-Museums, Francisco Pradilla y Ortiz, war ein Meister historischer Szenen. So ist es kein Wunder, dass sein 195 mal 300 Zentimeter großes Gemälde „El suspiro del Moro“ – Der Seufzer des maurischen Emirs Boabdil, nachdem Granada von den Spaniern aus maurischer Herrschaft zurückerobert wurde – beim Madrider Traditionshaus Ansorena auf Interesse stieß. Pradilla hatte das Bild 1879 in Granada begonnen und 1892 in Rom beendet: Mit dem Gebot von 240000 Euro (Taxe 220000) kam es auf den dritten Platz.

Schwarzweiß mit einigen Tupfern Braun

Von Manolo Millares wurde im Dezember bei Fernando Durán in Madrid eine Mischtechnik mit Sackleinen aus der Serie „Humboldt am Orinoco“ aufgerufen. Für die abstrakte schwarzweiße Arbeit mit einigen Tupfern Braun aus dem Jahr 1968 wurden 225.000 Euro (175.000) bewilligt, was Rang vier bedeutet. Davor war das Bild im April zurückgegangen, bei einer Schätzung von 225.000 Euro. Manolo Millares hatte die Gruppe „El Paso“ gegründet, die von 1957 bis 1960 die spanischen Künstler des Informel vertrat. Er war mit Fernando Zóbel befreundet, der aus einer wohlhabenden Familie in Manila stammte. Zóbel ließ sich Ende der fünfziger Jahre in Spanien nieder und gründete in Cuenca 1966 das erste Museum Spaniens für Abstrakte Kunst. Das Madrider Auktionshaus Fernando Durán konnte im Oktober „La CarrozaI“ von Fernando Zóbel verkaufen: Gemalt 1952, zeigt es die Prozession zu Ehren der philippinischen Schutzheiligen; mehrere Bieter hoben das kleine Ölbild auf 200.000 Euro an, gegenüber der Taxe von 40.000 Euro. Bei Fernando Durán wurde dann noch ein abstraktes „Winterbild“ Zóbels im Dezember für 130.000 Euro (80.000) vermittelt.

Den sechsten Platz der Top Ten in Spanien belegt der Renaissancemaler Pedro Machuca, dessen Tafel der „Jungfrau María mit dem Jesuskind“ im März bei Alcalá in Madrid von erwarteten 40000 auf 180000 Euro stieg. Zwei Zeitgenossen belegen Rang sieben und acht: Das Skulpturen-Paar „Out of sight, out of mind“ des Briten Tony Cragg aus dem Jahr 2003 kletterte bei Durán im Oktober auf 160000 Euro (100000). Ebenfalls für 160000 Euro (65000), aber bei der Konkurrenz Fernando Durán, erging der Zuschlag für ein Acrylbild des Valencianers Juan Genovés; um das 185 mal 200 Zentimeter große „IncendiariosIII“ von 2003 hatten mehrere Sammler erbittert geworben. Vom Barockmaler Mattia Preti konnte die Firma Alcalá im Juni – im Nachverkauf – für 140000 Euro (120000) ein gut zwei mal 1,5 Meter messendes „Martyrium des heiligen Sebastian“ doch noch abgeben, was einem neunten Platz entspricht.

Den zehnten Rang teilen sich gleich mehrere Lose, sämtlich für 130000 Euro zugeschlagen. Der 2001 gestorbene Juan Muñoz lockte bei Segre im Dezember großzügige Gebote an: Eine der fünf Installationen aus seiner Serie „Bauchredner“ von 1987 – mit einem kleinen schwarzen Mann, der auf einem Wandbrett mit Karteikästen unter der gerahmten Zeichnung eines Schiffs sitzt – wurde schon bei 70000 Euro aufgerufen und erfreute sich starken Interesses. Der Katalane Antoni Clavé bescherte im Mai dem Haus La Suite in Barcelona einen Erfolg, als sein Großformat „Mannequins“ von 1950 (105000/140000) einen neuen Liebhaber fand. Von dem indonesischen Künstler Affandi gab Fernando Durán im Juli das umworbene Gemälde „Before the Cockfight“ (100000) ab. Und von María Gutiérrez Blanchard vermittelte Retiro in Madrid das undatierte Bild „La Niña“ (120000) im Dezember.

Keinen Erfolg hatten zwei Lose im Millionen-Bereich: Ein schmalgesichtiger „Evangelist Johannes“ des El Greco blieb bei Galileo in Madrid im September hängen, bei einer Erwartung von sechs Millionen Euro; der spanische Staat hatte das Bild unter Kulturgutschutz gestellt und mit Exportverbot belegt. Auch ein historisches Dokument der „Katholischen Könige“ von 1493, das die Privilegien für Kolumbus und seine Erben festlegt, ging zurück. Die Firma Ansorena bot die mit dem farbigen Wappen von Kolumbus verzierte Handschrift auf feinem Schafsleder-Pergament im Dezember für 1,25Millionen Euro an, in der vergeblichen Hoffnung auf das Interesse des spanischen Staats.

Quelle: F.A.Z.
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