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Bilder der Moderne in London

Fotografischer Pioniergeist in Amerika

Von Anne Reimers
 - 16:49

Grauer Nebel hängt über der engen, von steinernen Bürogebäuden gesäumten Straße im alten Bankenviertel von London. Vielleicht ist es die morgendliche rush hour, einzelne Männer und ein paar Frauen hasten vorbei. Nur ein ernst blickender, bebrillter Mann mit aus der Mode gekommenem Zylinderhut ist im Vordergrund in Richtung des Fotografen unterwegs. Es ist 1951, das England der Nachkriegszeit, und Robert Frank – der wenige Jahre zuvor von der Schweiz nach Amerika auswanderte und 1958 mit seinem Fotobuch „The Americans“ Fotografiegeschichte schreiben wird – dokumentiert es.

„City of London“, zwischen 1957 und 1960 von Frank in Silbergelatine auf einem Fond von besonderem Papier abgezogen, das die nasse Kühle des Nebels verstärkt, ist eines von fünfzig Werken in der Ausstellung „Breaking Away: Modernism in Photography since World WarI“ in der Galerie von Richard Nagy. Sie zieht in London mit den Meistern der amerikanischen Fotografie der Moderne nicht nur Enthusiasten an, sondern auch Fotografiesammler, Kuratoren und Historiker. Denn sie bietet die Möglichkeit, rare und frühe Vintageabzüge mehr oder weniger bekannter Bilder zu studieren. Die Motive reichen von formalen Experimenten über Akt- und Landschaftsfotografie hin zur sozialen Dokumentation.

Zusammengestellt hat die Schau der Händler und Sammler Michael Shapiro, seit vierzig Jahren spezialisiert auf wegweisende amerikanische Fotografie der zwanziger bis sechziger Jahre, insbesondere die Gruppe „f/64“ der San Francisco Bay Area. Zu ihr gehören viele der heute bekanntesten Fotografen wie Ansel Adams, Imogen Cunningham, Edward Weston und Consuelo Kanaga.Von 1986 bis 2011 führte Shapiro seine Galerie in San Francisco, blieb danach jedoch weiter als Händler aktiv, und in der Galerie des mit ihm befreundeten Kollegen Richard Nagy feiert er nun eine Art Jubiläum mit einigen der wichtigsten Werke, die durch seine Hände gingen oder in seine Sammlung wanderten. Zu den ausgestellten Künstlern zählen Bill Brandt, Walker Evans, Irving Penn, Margaret Bourke-White, Dorothea Lange oder Alfred Eisenstaedt.

Mehrfach hat Schapiro neben einen frühen Abzug zusätzlich einen späteren vom selben Negativ gehängt, um den frappierenden Unterschied zwischen verschiedenen Papierarten und Entwicklungstechniken zu zeigen. So wirkt die akkurate Schärfe und der kalte Schwarzweißkontrast von Ansel Adams’ Aufnahme der schneebedeckten Tannen und wolkenverhangenen Felsen im Yosemite National Park, „Clearing Winter Storm“, auf dem – in hoher Auflage produzierten – Abzug aus den siebziger Jahren fast aggressiv: nämlich im direkten Vergleich mit dem atmosphärisch dichten, raren frühen Abzug, um 1940, als Adams noch ein unbekannter Fotograf war.

Zu den teuersten unter den verkäuflichen Werken gehört ein Porträt, das Man Ray von seiner damaligen Partnerin, der Fotografin Lee Miller, im Jahr 1929 machte – den Kopf mit den kurzen Haaren nach hinten geworfen und vom Betrachter weggedreht: Für „Neck – Portrait of Lee Miller“ wird eine siebenstellige Summe verlangt. Es gibt nur zwei Abzüge des Negativs; der andere befindet sich im Lee Miller-Archiv. Fast ebenso selten und erotisch stärker aufgeladen ist „Nude (Miriam Lerner: Torso, Hand on Hip)“ aus dem Jahr 1925 von Edward Weston, das die skulpturalen Qualitäten der Falten und Rundungen des Torsos des nackten Modells zum Thema macht (um eine Million Dollar).

In der Ausstellung zu entdecken ist die Fotografin Consuelo Kanaga, deren Preise in den vergangenen Jahren deutlich angezogen haben: „Frances with a Flower“ ist das einfühlsame, nah aufgenommene Porträt einer jungen afroamerikanischen Frau, entstanden um 1930/32 (um 60.000 Dollar). Es steht im Kontrast zu Kanagas sachlichem Porträt von Mark Rothko aus dem Jahr 1950, das den Maler zugleich heroisiert. Dokumentarischer Natur ist „The Labyrinth Deciphered, Veracruz, Mexico“ von Manuel Álvarez Bravo, entstanden 1932. Das Bild zeigt ein mexikanisches Mädchen beim Aufhängen von Tabakblättern und ist die einzige Aufnahme mit doppelter Belichtung, die von ihm bekannt ist.

Bis zum 27. März. Weitere Preise auf Anfrage. Kein Katalog.

Quelle: F.A.Z.
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