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Brussels Art Fair 2020

Runde Welt der Künste

Von Brita Sachs
 - 16:53

In der stolzen Industriearchitektur des frühen 19.Jahrhunderts auf Brüssels ehemaligem Zoll- und Warenumschlaggelände Tour & Taxis empfängt die Brussels Art Fair, kurz Brafa, ihre Gäste. Das hohe langgestreckte Backstein-Stahl- Gebäude bietet der immer noch wachsenden Veranstaltung Platz für übersichtlich an drei Hauptachsen angeordnete Stände. Die Aufmachung ist elegant, der bunt gestreifte Teppichboden fröhlich, und unkonventionelle ragende Pflanzenarrangements schmücken den Parcours. 66.000 Besucher tummelten sich hier im vergangenen Jahr.

Von zwei Händlern 1956 als rein belgische Messe gegründet, verzeichnet die Brafa zur aktuellen 65. Ausgabe die Teilnahme von 133 internationalen Galerien. Die lange Strecke mit vielen Zwischenstufen hat sich gelohnt. Es kam dabei eine Kunstmesse heraus, die wie wenige andere ein enorm breites Spektrum bedient, ohne zerfahren zu wirken. Tatsächlich macht es ihren Charme aus, Kunst und Kunsthandwerk der Weltkulturen und quer durch die Jahrtausende harmonisch zu mischen, anstatt etwa Sektoren zu schaffen, wo dann Alte Meister unter sich sind oder Art-déco-Kojen. Viele Stände mixen selbst in diesem Sinne: So hängt die Pariser Galerie Mathivet abstrakte Malerei der Aborigines aus Australien zusammen mit Designmöbeln des 20. Jahrhunderts, dazu eine mit Pergament bezogene Kommode, die Franck Evennou von stilisierten Lorbeerzweigen aus Bronze tragen lässt. Gebaut 2019, kostet sie, als eines von acht Exemplaren, 30.000 Euro. Axel Vervoordt, der Virtuose solcher Fusionen aus Antwerpen, kombiniert in loungeartiger Atmosphäre brasilianisches Design – darunter ein Paar Armlehnstühle der großen Architektin Lina Bobardi von 1949 (40.000 Euro), mit einem vier Meter breiten Bild des Japaners Tsuyoshi Maekawa, das grobes von feinem Leinen mit einer dicken schwarzen, sich bäumenden Ölspur trennt.

Mit fünfzig Galerien stellt Belgien die meisten Teilnehmer, dicht gefolgt von Frankreich. Erstaussteller kommen diesmal aus New York und Italien. Auch Callisto Fine Arts aus London hat Premiere und begeht sie mit einer marmornen Justitia mit Schwert, die Jacopo della Pila 1473 in Neapel für das Grabmal eines Grafen von Montella schuf (400.000 Euro). Aus Deutschland reisten diesmal vier Aussteller an. Röbbig aus München trifft hier ein Publikum, das nicht zur Maastrichter Tefaf kommt und dekorative Porzellane der mittleren Preisklasse sucht. „Die Galerie“ aus Frankfurt bietet das wohl teuerste Werk an: Eine große Reiterfigur Marino Marinis, ein Unikat aus Gips, erfordert 1,8 Millionen Euro. Dort fällt auch das prächtige Großformat „Retour des Choses“ auf, schwebende Formen in hellen Tönen, gemalt 1993/94 vom belgischen Cobra-Mitglied Pierre Alechinsky (380.000 Euro).

Feiner Stachel im Fleisch einer Messe

Mit einer Solo-Schau der symbolistischen Zeichnungen und Gemälde von James Ensor bereichert Samuel Vanhoegaerden aus Knokke das Aufgebot einheimischer Künstler. Mehrfach begegnet man auch kinetischen Installationen von Paul Bury, und keinesfalls fehlen darf im Comic-Land Belgien Hergé, der hochgehandelte Zeichner von „Tim und Struppi“; bei Rodolphe Janssen wartet ein Studienblatt zu Kapitän Haddock für 25.000 Euro. Aus Kendell Geers’ Serie „Flesh of the Spirit“ zeigt man bei Janssen mit einer expressiv überformten, dann als Unikat in Bronze gegossenen Dan-Maske auch den provokanten Kommentar des Südafrikaners zum rein ästhetischen Verständnis ursprünglich spirituell aufgeladener Stammeskunst (25.000 Euro): feiner Stachel im Fleisch einer Messe, die ein Dorado für Tribal-Art-Liebhaber ist. Einer der Spezialisten, der Brüsseler Sammler und Händler Pierre Dartevelle, bestückt seinen attraktiv gestalteten Stand mit kleinen Schätzen wie einer hellen Lukwakongo-Maske der Lega, mit langem Pflanzenfaserbart (18.000 Euro) oder einem großen Häuptlingsthron der Luba. Als wahre Wunderkammerausstatter offeriert Finch & Co Raritäten aus aller Welt, von zwei Pagodenmodellen in Elfenbein der chinesischen Qing-Dynastie (28.500 Euro) bis zum ausgestopften Schuppentierpaar (3750 Euro). Erschwingliche Asiatica mischt Christian Deydier unter seine kostbaren „Fat Ladies“ und tönernen Pferde, nämlich niedliche kleine Hasen der Han-Dynasti (je 3800 Euro).

Was wäre die Brafa ohne die Alten Meister, vor allem die holländischen Klassiker? Die seltsame Praxis, Gemälde in einem kühlen hellen Licht wie Leuchtkästen wirken zu lassen, lässt auch Florence de Voldère für ihre reiche Auswahl an flämischen Genreszenen walten. Die in Genf ansässige belgische Kunsthandlung De Jonckheere kam nach Jahren zurück, im Gepäck „Die Zahlung des Zehnten oder Der Dorfanwalt“ von Pieter Bruegheld.J. (1,2 Millionen Euro). Am Stand dort lobt man die positive Entwicklung zur hochklassigen Messe, die es schafft, sich mit eigenem Profil und eigener Klientel gegen die geographisch nahe Tefaf abzugrenzen. Nicht zuletzt gelingt das über ein freundlicheres Preisniveau. Hinter dieser Entfaltung steht Harold t’Kint de Roddenbeke, seit Jahren Leiter der Brafa und selbst Händler für Kunst des 20.Jahrhunderts. Schon verkauft hat er seine große Abstraktion von Sam Francis, noch zu haben wäre Louise Bourgeois’ Zeichnung eines winzigen Menschenpaars auf Collage aus Papier und kariertem Stoff (89.000 Euro).

Zeitgenössische Kunst setzt wesentlich auf den etablierten Bereich, zum Beispiel auf Fernando Botero und sein Gemälde „Fin de Fiesta“ von 2009 (1,5 Millionen Euro). Von eindringlicher Schönheit möchte man Robert Wilsons „Elk“ bei Bernier/Eliades nennen: Im großen UHD-Video verharrt das majestätische Tier fast unbewegt und lauscht, wie sein Betrachter, dem Windrauschen, nicht einmal zwei Schüsse reißen es aus seiner Ruhe (Auflage 2; 135.000 Euro).

Brafa. Tour&Taxis, Avenue du Port, Brüssel. Von Sonntag, dem 26. Januar, bis Sonntag, den 2. Februar. Täglich von 11 bis 19 Uhr, am Donnerstag, dem 30.Januar, bis 22 Uhr. Eintritt 25 Euro, Katalog 15 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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