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Dorotheum

Im Dunstkreis von Raffael

Von Nicole Scheyerer
 - 17:01
Aus dem Umkreis von Raffael: „Madonna mit Kind“; Öl auf Holz, 56,5 mal 41,5 Zentimeter, Schätzwert: 300.000/400.000 Euro, Zuschlag: 1,27 Millionen Euro.

WIEN. Zwei Millionen-Zuschläge in zwei Tagen, das erlebt das Wiener Dorotheum nur alle heiligen Zeiten. An den beiden Werken – bei den Alten Meistern und beim 19.Jahrhundert – überzeugte nicht nur die Qualität, sondern auch ihre interessanten Provenienzen und die Künstlerbiographien. Der Star der Altmeister war eine „Madonna mit Kind“ aus dem Umfeld Raffaels, die auch durch ihre frühere Besitzerin geadelt wurde. Die 56 mal 41 Zentimeter große Tafel hing einst bei der Schweizer Herzogin und Künstlerin Adèle d’Affry, die ihre eigenen Gemälde und Skulpturen unter dem Pseudonym „Marcello“ ausstellte. Ein Salon-Bild von ihr zeigt die Madonna im Hintergrund. Eine Expertise für die Auktion legt dar, dass das marktfrische Bild besonders viele Gemeinsamkeiten mit der „Northbrook Madonna“ im Worcester Art Museum in Massachusetts aufweist. Mittels Infrarotreflektographie kam die hohe Qualität der Unterzeichung zum Vorschein. Das um 1504 datierte Ölgemälde auf Holz war vergleichsweise niedrig bei 300.000 bis 400.000 Euro angesetzt – und kletterte auf 1,27 Millionen Euro.

Noch mehr spielte tags darauf eine „Türkische Dame aus Konstantinopel“ vom in Paris ausgebildeten und bei Sammlern in seiner Heimat sehr gesuchten Künstler Osman Hamdi Bey ein. Das 120 Zentimeter hohe Gemälde löste seinen unteren Schätzwert von 1,5 Millionen Euro ein. Es zeigt eine unbekannte orientalische Schönheit, die vor einem Vorhang aus Goldbrokat steht und den Betrachter mit geneigtem Kopf ansieht. Hamdi Bey war der erste Maler der Türkei, der dem westlichen Stil folgte. Im Entstehungsjahr 1881 wurde er außerdem zum Direktor des neuen Archäologischen Museums in Istanbul ernannt. Ein Detail am Rande: Seine französische Ehefrau lernte der Künstler auf der Weltausstellung in Wien 1873 kennen.

Zu den gefragtesten Losen der Herbstauktionen zählte ein Damenporträt auf Kupfer von Anthonis van Dyck. Das Gemälde, das eine Genueser Aristokratin darstellen könnte, wurde 2011 bei Sotheby’s in New York noch als „Peter Paul Rubens zugeschrieben“ verkauft. Die Expertin, die es jetzt als Van Dyck bestätigte, hob die unterschiedlichen Schwarztöne und die virtuos hingetupfte Darstellung von Schmuck und blauem Spitzenkragen hervor. Anstelle der taxierten 120.000 bis 180.000 Euro stieg das Bildnis auf 380.000 Euro. Auch Van Dycks „Heiliger Andreas“ wechselte den Besitzer, blieb aber mit 190.000 Euro etwas unter der Erwartung von 200.000 bis 300.000 Euro. Für eine veritable Überraschung sorgte ein Bild des „Meister von Paulus und Barnabas“ genannten Flamen. Der Name rührt vom gleichnamigen Gemälde her, das sich heute in Budapest befindet. Sein interessant komponiertes „Gastmahl des Ahasveros“ ließ die Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro weit hinter sich mit dem Zuschlag bei 460.000 Euro. Von Bernardo Bellotto fand ein Capriccio aus Dresden so viel Anklang, dass es seine Untertaxe auf 300.000 Euro verdoppeln konnte.

Unter den 185 Losen des 19.Jahrhunderts eroberte das Sonnenaufgangsbild „Blick aus den Berg Aiu-Dag“ vom russischen Marinemaler Iwan Aiwasowski den zweiten Platz. Das 59 mal 77 Zentimeter große Ölgemälde zollt einem romantischen Stil Tribut und wurde mit 380.000 Euro (160.000/200.000) honoriert. Hoch dotiert wurde das Genrebild „Der Antrag“ des serbisch-österreichischen Malers Pavle „Paja“ Jovanović; die Szene im bäuerlichen Milieu erzielte 100.000 Euro, veranschlagt waren nur 35.000 bis 45.000 Euro. Pietro Fragiacomos Nachtbild „Pace“ erwarb 1891 der italienische König UmbertoI., jetzt kostete es taxgemäße 110.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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