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Ergebnisse aus München

Kopf mit Mondsicheln

Von Brita Sachs
 - 15:51

Für Karl & Faber klang das Jahr 2019 mit moderner und zeitgenössischer Kunst aus, die bei 67 Prozent verkaufter Lose 85 Prozent der unteren Schätzsumme einbrachten. „Das Unerhörte“ , dem Günter Brus 1980 mittels Farbkreide auf Packpapier mystische Gestalt gab, beendete die verhaltene Startphase bei den „Ausgewählten Werken“ mit einem Auktionsweltrekord: Bei 130.000 Euro (Taxe 100.000/150.000) setzte sich ein deutscher Privatsammler gegen sieben Mitbewerber durch. Brus’ Landsmann Arnulf Rainer landete mit dem „Skifahrer Zyklus“, den er mit Ölfarbe an Händen und Füßen auf Karton pflügte, bei 75.000 Euro (30.000/40.000) und kurz darauf mit einem ebenfalls Handspuren tragenden „Übermalten Kreuz“ von 1988/89 bei 130000 Euro (150.000/ 200.000).

Einem „Abstrakten Kopf“ in kräftigen Farben, dem Jawlensky zwei zarte Mondsicheln beigab, gelang mit 470.000 Euro (400.000/600.000) der höchste Zuschlag; eine Münchner Privatsammlerin bewilligte die Summe. Die Unterbieterin tröstete sich mit Ernst Wilhelm Nays knalligem „Ursprung in Gelb“ aus der Augenbilder-Serie, für taxgerechte 200000 Euro. Frisch aus der ehemaligen Hagener Sammlung von Gustav Ferdinand Jung eingeliefert, fand Heinrich Campendonks „Wirtshaus“ in Aquarell und Gouache von 1917 bei 140.000 Euro (120.000/160.000) eine neue Bleibe. Seit Karl&Faber vor drei Jahren das Werkverzeichnis von Adolf Erbslöh herausgab, häufen sich dort Einlieferungen und gute Ergebnisse für ihn; jetzt verdoppelte „Parklandschaft (im Frühling)“ die obere Schätzung auf 80000 Euro. Wie in vielen Auktionen dieses Jahrs gingen Nolde-Arbeiten zurück. Sein Aquarell eines Paars, verso auf dem Blatt ein halbfertiges Doppelbildnis, schaffte es nur auf 75.000 Euro, erhofft hatte man sich 100.000 bis 150.000 Euro. Frantisek Muzikas „MarécageV“ (Sumpf V), eine biomorphe Struktur in Rot von 1966, trieb der Einsatz mehrerer Tschechen von 40.000 auf 110.000 Euro.

Bei der zeitgenössischen Kunst kam David Reeds extremes Querformat „No. 246“ mit seiner breiten grünen Farbschlinge gut an, es brachte 40.000 Euro (35.000/50.000). Ein Streifenbild aus gelbem Plexigas, Goldfolie und Acrylfarben, das Anselm Reyle 2006 fabrizierte, erzielte 36.000 Euro (30.000/40.000); Jorinde Voigts gezeichnetes und collagiertes „Piece für Words and Views XI“ stieg auf 33.000 Euro (20.000/25.000).

Die Auktion mit Alten Meistern und Kunst des 19. Jahrhunderts sah Josse de Momper d.J. aus Antwerpen an der Spitze. Seine „Winterliche Dorflandschaft am vereisten Fluss“, die er mit einem pastellfarben changierenden Himmel überwölbte, nahm ein süddeutscher Sammler zum Hammerpreis von 100.000 Euro, der unteren Taxe. Ein Riesensprung gelang dem „Brustbild eines Anglers, einen kleinen Fisch haltend“, die kleine Holztafel, die man der Nachfolge Pieter Brueghelsd.J. zuschrieb, brachte es von 8000 auf 60.000 Euro. Auf 53.000 Euro (50.000/60.000) kam das aparte Waldboden-Stillleben mit „Drei Schlangen, Eidechse und Kröte“ samt weiterem Getier, gemalt 1663 von Otto Marseus Schrieck. Er gilt als Erfinder dieses Genres und zählte Cosimo de Medici zu seinen Sammlern, weshalb die Uffizien in Florenz viele Schrieck-Gemälde besitzen. Bayerische Malerei dominiert die höheren Ergebnisse beim 19. Jahrhundert. Heinrich Bürkels „Dorfbrunnen bei Garmisch“ spielte 20.000 Euro ein und seine „Rauferei vor dem Wirtshaus“ 24.000 (Taxe je 18.000/24.000 Euro). Die „Zuflucht“, die Gabriel von Max’ Äffchen bei einem anderen suchen lässt, kam auf 28.000 Euro (20.000/30.000).

63 Prozent nach Losen und 90,6 Prozent gemäß der unteren Gesamttaxe verbuchten die älteren Kapitel; dazu trugen die Papierabteilungen gut bei. Zum Beispiel kletterte eine der begehrten kleinen Wolkenstudien, die Johann Georg von Dillis mit weißer Kreide auf blaues Bütten skizzierte, von 2500 auf 10.000 Euro. Druckgraphik bestückte wieder einen eigenen Katalog. Darin bekräftigte Dürer seinen guten Stand mit rund neunzig, großenteils dann verkauften Losen, vorneweg der Meisterstich „Ritter, Tod und Teufel“, für 70.000 Euro zur unteren Schätzung, und die vollständige „Apokalypse“ mit ihren fünfzehn Holzschnitten von 1511, die für 90.000 Euro etwas unterhalb der Taxe nach Amerika geht. Aus der Suite von Radierungen Rembrandts stach mit 35.000 Euro (40.000/50.000) „Abraham, mit Isaak sprechend“ als Lebzeit-Druck hervor oder auch die „Große Kreuzabnahme (2. Platte)“, die auf 48.000 Euro (40.000/50.000) landete.

Quelle: F.A.Z.
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