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Ergebnisse aus New York

Wie Geld zu Heu wird

Von Anne Reimers
 - 16:29

Die hochkarätigen Abendauktionen im Mai in New York haben ihren erfolgreichen Abschluss gefunden. Sotheby’s triumphiert mit einem Versteigerungs-Weltrekord für Claude Monet; Christie’s glänzt bei den Zeitgenossen mit einem stählernen „Rabbit“, der Jeff Koons – nun wieder – zum teuersten lebenden Künstler macht.

Mehr als acht Minuten dauerte bei Sotheby’s das Bietgefecht um Monets leuchtende Heuhocken aus der Serie seiner „Meules“, gemalt im Jahr 1890. Das Werk war konservativ geschätzt auf „mehr als“ 55 Millionen Dollar: Der Hammer fiel erst bei 97 Millionen Dollar, dem Höchstpreis für ein Werk des Impressionismus bei einer Auktion jemals überhaupt. Bei dem Käufer soll es sich, so meldet der Kunst-Nachrichtendienst „The Canvas“, um Hasso Plattner handeln, den Milliardär und Mitgründer der Softwarefirma SAP. Mit Aufschlägen kostet der Monet jedenfalls enorme 110,7 Millionen Dollar. Plattner, der in Potsdam das Museum Barberini unterhält, soll außerdem Monets „La prairie fleurie“ für 4,1 Millionen (Taxe 4/6 Millionen Dollar) und Gustave Caillebottes Pariser Ansicht „La rue Halévy, vue du sixième étage“ von 1887 für zwölf Millionen Dollar (6/8 Millionen) ersteigert haben.

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Der teuerste Monet
Fast 111 Millionen Dollar für einen Heuhaufen

Kein Interesse für Bouguereau

Das zweitteuerste Los des Abends bei Sotheby’s war mit stolzen 48 Millionen Dollar (25/30 Millionen) Picassos „Femme au chien“ aus dem Jahr 1962, ein Porträt von Jacqueline Roque mit dem gemeinsamen afghanischen Windhund Kaboul. Das attraktive Gemälde ging an Wynn Fine Art, eingeliefert wurde es von einem japanischen Privatsammler, der es 1990 bei der Galerie Beyeler in Basel gekauft hatte. Nach Asien gehen Picassos „Mousquetaire à la pipe“ zum Hammerpreis von achtzehn Millionen Dollar (20/30 Millionen) und Gauguins „Chemin sous les palmiers“ für sieben Millionen Dollar (6/8 Millionen). Bei Chaïm Soutines „La femme en rouge“ setzte sich der französische Kunsthändler Thomas Seydoux erst bei 9,4 Millionen Dollar (6/8 Millionen) durch. Max Beckmanns „Liegender Akt in starker Verkürzung“ blieb mit dem Zuschlag bei 2,4 Millionen hinter den erwarteten drei bis fünf Millionen Dollar zurück. Zur Enttäuschung wurde das mehr als sechs Meter breite Gemälde „La Jeunesse de Bacchus“ des französischen Akademiemalers William Bouguereau: bei aufgerufenen achtzehn Millionen Dollar (25/35 Millionen) fand sich kein Interessent.

Insgesamt spielte Sotheby’s 350 Millionen Dollar ein – den höchsten Umsatz bei einer Abendauktion des Hauses seit 2015; fünfzig von 55 Losen fanden ihre Käufer. Christie’s hatte am Abend zuvor mit einem Aufmarsch an Werken aus bekannten Sammlungen sogar 399 Millionen Dollar erzielt. Hier wurden 54 von 63 Losen verkauft. Die Spitzen stellten zwei Werke aus der Kollektion von S.I. Newhouse: Cézannes „Bouilloire et fruits“, das bei einer Taxe um vierzig Millionen unter Geboten aus Asien auf 52 Millionen Dollar stieg, und Van Goghs „Arbres dans le jardin de l’asile“ mit dem Preisschild „um 2 5 Millionen“, das 35 Millionen Dollar erzielte. Aus der Sammlung von Prinzessin „Titi“ von Fürstenberg kamen Picassos „La lettre (La réponse)“, für das 22 Millionen Dollar (20/30 Millionen) bewilligt wurden. Modiglianis „Lunia Czechowska (à la robe noire)“ erzielte 22 Millionen Dollar (20/30 Millionen): Das Bild kam aus der Sammlung der im vorigen Jahr gestorbenen Philanthropin Drue Heinz, Ehefrau von Henry John HeinzII, dem Präsidenten des amerikanischen Unternehmens Heinz, der bereits 1987 verstarb. Neue Rekorde gab es für Balthus mit „Thérèse sur une banquette“ aus der Sherwood Collection zum Hammerpreis von 16,5Millionen Dollar (12/18 Millionen), und für Pierre Bonnards „La terrasse ou Une terrasse à Grasse“, wieder aus der Sammlung Heinz, das seine obere Taxe von acht Millionen mit gebotenen siebzehn Millionen Dollar weit hinter sich ließ.

Die Abendveranstaltungen mit den Zeitgenossen verliefen ebenso erfolgreich. Christie’s spielte mit 51 von 56 Losen 539 Millionen Dollar ein, damit den deutlich höchsten Umsatz. Sotheby’s folgte mit 341,8 Millionen für 56 von 63 Losen im Angebot, und Phillips schließlich verkaufte 42 von 43 Losen für insgesamt hundert Millionen Dollar.

Bei der Christie’s-Abendauktion wurde Jeff Koons wieder zum teuersten, lebenden Künstler und löst damit David Hockney ab. Seine Stahlskulptur eines Hasen, zugeschlagen bei achtzig Millionen (50/70 Millionen), kostete inklusive Aufgeld knapp 91,1 Millionen Dollar. Robert Rauschenbergs „BuffaloII“-Ikone kletterte mit 78 Millionen über seine obere Taxe von siebzig Millionen Dollar hinaus. Einige der Spitzenlose waren zu aggressiv geschätzt, meist geschieht das auf Druck der Einlieferer, und wurden daher unterhalb der Taxen zugeschlagen: Für Warhols „Double Elvis (Ferus Type)“ fiel der Hammer bei 48 Millionen Dollar (50/70 Millionen); mit dem Käuferaufgeld fallen allerdings 53 Millionen Dollar dafür an. Lichtensteins „KissIII“ erzielte 27,5 Millionen Dollar (30/50 Millionen), und Willem de Koonings „UntitledI“-Abstraktion auf Leinwand, geschätzt auf zehn bis fünfzehn Millionen, kam nur auf 8,7 Millionen Dollar. Die Hoffnung auf schnellen Gewinn erfüllte sich nicht für den Einlieferer von Gerhard Richters alpiner Landschaft „Monstein“: Er kaufte sie 2015 für 4,08 Millionen Dollar inklusive Aufgeld; nun fiel der Hammer bei 3, 9Millionen Dollar (5/7 Millionen).

Die Spitzen des Abends bei Phillips waren alle drei mit einer oberen Taxe von zwölf Millionen Dollar ins Rennen gegangen: De Koonings „UntitledXVI“ erzielte 8,8 Millionen, Basquiats „Self-Portrait“ aus der Sammlung von Matt Dike neun Millionen und Mark Bradfords Riesenformat „Helter Skelter“ aus dem Jahr 2007 noch 7,7Millionen Dollar. Brian Donnelly, der sich als Künstler KAWS nennt, kam mit dem Gemälde „The Walk Home“ von 2012 unter Geboten seiner asiatischen Fans auf einen Zuschlag bei fünf Millionen Dollar, gegenüber der Schätzung von 600.000 bis 800.000 Dollar.

Die Abendveranstaltung bei Sotheby’s machte den Abschluss der Serie. Nachkriegskünstler stellten dort die Spitzenlose. Francis Bacons „Study for a Head“ von 1952 erzielte 44 Millionen Dollar (20/30 Millionen) durch ein Privatgebot, seine „Study for Portrait“ stieg auf 12,5 Millionen (12/18 Millionen). Für Mark Rothkos „Untitled“-Bild, entstanden 1960 und ehemals in der Sammlung von Peggy Guggenheim, wurden 43,75 Millionen Dollar (35/50 Millionen) bewilligt. Louise Bourgeois’ „Arch of Hysteria“ stieg mit 4,7 Millionen Dollar über seine obere Taxe von vier Millionen hinaus – und Thomas Schüttes „Großer Geist Nr.13“ überwand mit 4,4 Millionen Dollar knapp seine untere Taxe. Malerinnen des Abstrakten Expressionismus bleiben beliebt: Joan Mitchells „L’arbre de Phyllis“ kam auf 5,2Millionen (3/5 Millionen), und für Lee Krasner wurde mit zehn Millionen Dollar (10/15 Millionen) für „The Eye is the First Circle“ aus dem Jahr 1960 eine verdiente neue Höchstmarke gesetzt.

Quelle: F.A.Z.
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