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Ergebnisse bei Ketterer

Die Würfel sind gefallen

Von Brita Sachs
Aktualisiert am 30.07.2020
 - 08:54
Sigmar Polke, „Ohne Titel (Würfel)“, 1985, Mischtechnik, Dispersion auf Stoff, 180 mal 150 Zentimeter, Zuschlag: 600.000 Euro.
Ketterer in München kann trotz Pandemie auf eine erfolgreiche Frühjahrssaison zurückblicken. Hier stehen die wichtigen Ergebnisse.

Es war zu erwarten, dass die Ketterer-Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst ihren höchsten Zuschlag bei Gerhard Richters Bild „Christiane und Kerstin“ verbuchen würde. Doch das Ergebnis für das attraktive Gemälde, auf dem Richter 1968 nach Art einer unscharfen Schwarzweißfotografie die kleinen Töchter des Sammlerehepaars Margot und Werner Schäfer porträtierte, schlug mit 2,1 Millionen Euro die Erwartung um Längen. Hatte die Taxe auf 600.000 bis 800.000 Euro gelautet, findet die Käuferin aus Hongkong nun inklusive Aufgeld mehr als 2,6 Millionen Euro auf ihrer Rechnung.

Überhaupt kompensierte digitale, schriftliche und telefonische Beteiligung den virusbedingt eingeschränkten Zugang zum Saal, und viele beachtliche Erlöse lassen nicht auf Zurückhaltung schließen. Allein Richter kam noch zweimal unter die Top Ten mit Exemplaren seiner gerakelten „Fuji“-Serie von 1996, die 300.000 (Taxe 200.000/300.000) und 250.000 Euro (Taxe 250.000/300.000) einspielten. Der andere Gewinner des Abends hieß Ernst Ludwig Kirchner: Seine nach achtzig Jahren in Familienbesitz wiederentdeckte „Dorfstraße mit Apfelbäumen“ von 1907 verdoppelte mit 850.000 Euro ihre Untertaxe und kostet den Käufer, einen Sammler aus Franken, brutto mehr als eine Million Euro. Das hielt ihn nicht davon ab, auch Kirchners Stafelalp-Gemälde „Heimkehrende Heuer“ von 1918 für 450.000 Euro (300.000/400.000) zu erwerben. Schließlich lieferte Kirchner noch mit dem expressiven Holzschnitt „Verkauf des Schattens“ von 1915 mit 200.000 Euro (80.000/100.000) eines der besten Resultate der Graphik-Auktion.

Zwar fiel Noldes Ölbild „Sonnenblumen mit Fuchsschwanz“ – das Hauptlos der Klassischen Moderne, geschätzt auf 500.000 bis 700.000 und aufgerufen bei 480 000 Euro – durch. Doch dafür reüssierte Feiningers Nebelbild „Manhattan, Dusk“ bei der mittleren Schätzung von 260 000 Euro und ging an einen süddeutschen Sammler; sein spätes leuchtendes „Gaberndorf“ übertraf mit 220.000 Euro die obere Taxe leicht. Mit je 240.000 Euro lagen Gabriele Münters „Tauwetter im Dorf (Murnau)“ (80.000/120.000) und ein „Abstrakter Kopf“ von Jawlensky aus dem Jahr 1921 (180.000/240.000) gleichauf.

Von Zurückhaltung konnte auch bei Werken der Zeitgenossen keine Rede sein. Sie trugen maßgeblich zum Gesamtergebnis der Frühjahrsauktionen bei, das Ketterer mit 29,8 Millionen Euro angibt, eingerechnet die Buchauktion mit 1,9 Millionen Euro und das Aufgeld. Mit dem Hammerschlag bei 460.000 Euro (300.000/400.000) fiel eine sechs Blatt zählende Lithographie-Serie von Cy Twombly an eine Berliner Sammlung; die kleine Auflage von zwei Dutzend Exemplaren druckte Robert Rauschenbergs „Untitled Press“ 1971 als ihre erste Publikation. Mit Würfeln und Punkten bedruckte Stoffe spannte Sigmar Polke auf den Keilrahmen, um diesen bunten Träger dann mit weißer Farbe gestisch zu übergehen; das Resultat erzielte im Rahmen der Schätzung 600.000 Euro. Das Werk geht nach New York, die Stadt von Andy Warhol und von Keith Haring, der den Freund witzig in Disney-Manier als „Andy Mouse“ mit Brille und wirrem Haar auf einer Farbserigraphie (Auflage 30) darstellt, die mit 200.000 Euro ihre Untertaxe verdoppelte. Zu den erfolgreichen Amerikanern gesellt sich William Copley mit seinem Bild von „Bonnie + Clyde“ beim Küssen, das von 40.000 auf 105.000 Euro kletterte.

Keinen Erfolg hatte Günther Ueckers frühe Nagelung „Gegenströmung“ (300.000/400.000), besser lief es für ein unbetiteltes Nagelbild von 1990 mit 460.000 Euro (400.000/600.000); fünf Plastiken von Tony Cragg gipfelten in der schwungvollen Edelstahlarbeit „Never Mind“ von 2013/14 (Auflage 5), als ein Schweizer Gebot sich nach langem Gefecht bei 430.000 Euro (100.000/150.000) durchsetzte. Zu den jüngsten Jahrgängen im Evening Sale gehörte der 1973 geborene André Butzer, dessen „Frau“ mit Totenschädel und phallischem Winke-Arm 95.000 Euro (50 000/70.000) erreichen konnte.

Begonnen hatte Ketterer die Saison mit Kunst des 19. Jahrhunderts; gleich das dritte Los, ein neuentdeckter gezeichneter Entwurf Wilhelm Schadows für sein Fresko „Die Klage Jakobs um Joseph“ in der Casa Bartholdy in Rom legte eine rasante Karriere hin, als es von 20.000 Euro auf 115.000 Euro stieg, bewilligt von einem Privatsammler. Hoffnungsträger wie August Riedels „Zwei Mädchen in Albaner Tracht“ (20.000/30.000) oder auch Ludwig von Hofmanns „Tanzfries“ (60.000/80.000) mussten mangels Interesse anderen den Vortritt lassen: Max Liebermann zum Beispiel, dessen „Netzflickerinnen“ auf 75.000 Euro (30.000/40.000) kletterten, oder auch Franz von Stuck mit einem Tondo-Porträt der schönen Münchner Bohème-Dame Gemma Bierbaum von 1902, das es von 15.000 auf 130.000 Euro schaffte, dank privaten Einsatzes.

Die beiden vordersten Plätze bezogen Gemälde von Karl Hagemeister: „Birken im Herbst am Bachlauf“, ehemals Pringsheim-Besitz und im Einvernehmen mit den Erben auf Grundlage einer fairen und gerechten Lösung angeboten, brachte es von 10.000 auf 165.000 Euro. Hagemeisters „Waldweiher“, gemalt um 1884, zog von 35.000 auf 175.000 Euro und in eine süddeutsche Sammlung.

Quelle: F.A.Z.
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