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Ergebnisse bei Ketterer

Glänzender Läufer aus Stahl

Von Brita Sachs
Aktualisiert am 03.01.2020
 - 15:13
Mit dynamischen Nägeln, mit expressiven Ziegen und Tänzern, mit einer Frau in Blau und mit einer Bibel zum Erfolg: Ergebnisse des zweiten Halbjahrs bei Ketterer.

Grund zum Feiern gab es bei Ketterer in der Herbstsaison 2019: Da war das 65. Firmenjubiläum; da waren exzellente Zuschläge in allen Sparten; und schließlich, mit einem Gesamtumsatz von rund dreißig Millionen Euro, wie stets inklusive der 25 Prozent Aufgeld, das beste Saisonresultat jemals. Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst teilen sich die vordersten Plätze, an der Spitze Günther Uecker. Acht Telefone liefen heiß, als ein „Weisses Feld“ zum Aufruf kam, das er 1994 mit dynamischen Nagelwirbeln versah. Bei 1,35 Millionen Euro (Taxe 500.000/700.000) fiel der Hammer für ein Schweizer Gebot, das ist Platz zwei der deutschen Top Ten 2019; mit Aufgeld kostet das Werk 1,68 Millionen Euro. Auf Platz vier schaffte es Gerhard Richters „Abstraktes Bild (605-2)“ von 1986, ein Saalbieter bekam es für 820.000 Euro (600.000/800.000).

Die Favoriten im Expressionismus-Angebot enttäuschten nicht: Ernst Ludwig Kirchners „Heimkehrende Ziegenherde“ von 1920 ging als zweitteuerstes Los des Abends nach einem Bietgefecht an den Galeristen Michael Beck, der in telefonischem Kontakt mit der Fondazione Braglia in Lugano bot. Die Stiftung bekam den Zuschlag für das Gemälde in schönen Farbkontrasten für 1,25 Millionen Euro (400.000/600.000). Erich Heckels 1916 im Kriegsdienst gemalte „Hafeneinfahrt“ von Ostende ging für 270.000 Euro (250.000/ 350.000) an ein Telefon. Max Pechsteins wilde „Tänzer“, gemalt 1910 und gleich erworben vom Autor und Regisseur Felix Hollaender, wechselt für eine Million Euro (600.000/800.000) ins Folkwang Museum in Essen. Ebenfalls gut standen Blaue-Reiter-Künstler da: Sechs Bilder von Jawlensky stießen auf reges Interesse, eine „Variation“ von 1916, einst im Besitz Marianne von Werefkins, bestätigte die Schätzung mit 100.000 Euro (80.000/120.000). Die prächtige, 1917 entstandene „Dichterin (Mystischer Kopf)“ schaffte es dank einer Sammlung in Nordrhein-Westfalen auf 480.000 Euro (300.000/400.000), und „Winterstimmung (Abstrakter Kopf)“ von 1932 ging an ein Telefon für 320.000 Euro (240.000/280.000).

Keine Hand für Andy

Für Gabriele Münters lichtfarbenes „Moor im Herbst“ von 1944 investierte ein Saalbieter 450.000 Euro (150.000/250.000) und für den etwas früheren „Staffelsee“ noch 270.000 Euro (180.000/240.000). Vergnügen auf der „Eisbahn im Tiergarten“, beobachtet 1909 von Lovis Corinth, ging gegen viele Gebote ebenfalls an den Saal für 390.000 Euro (250.000/350.000). Corinths wunderbar üppige, 1932 wild getupfte „Blumen im Bronzekübel“ bekam für 360000 Euro (180.000/240.000) ein Münchner Verleger zugeschlagen. Heiß umworben, sauste das signierte Bilboquet-Spiel, das Marcel Duchamp 1910 einem Münchner Malerfreund schenkte und das dessen Familie bis jetzt hütete, auf 360.000 Euro (100.000/150.000), bewilligt von einem Händler im Saal. Jean Dubuffets „L’Esplanade rose“ mit kleinen Figuren im großen Farbdschungel. geht zur unteren Schätzung von 400.000 Euro (bis 600.000) nach Luxemburg: Yves Kleins nur knapp vierzehn Zentimeter breites „Monochrome bleu sans titre (IKB 316)“, das früher dem Kulturredakteur Heiner Stachelhaus gehörte, erzielte stolze 310.000 Euro (200.000/300.000). Die bestplazierten Zeitgenossen des Abends wurden Katharina Grosse mit einem temperamentvollen Acrylgemälde, das mit 360.000 Euro (100.000/150.000) seine Taxe weit hinter sich ließ, und Tony Cragg, dessen blitzblanke Edelstahlplastik „Runner“ auf 650.000 Euro (200.000/300.000) kam. Der wohl empfindlichste Rückgang während der Abendveranstaltung mit 81 Losen traf Andy Warhols „Portrait of a Lady“ (400.000/600.000), vielleicht ein kryptisches Selbstporträt, für das sich trotzdem keine Hand hob.

Der nächste Tag lieferte einen Rekord für die Malerin Anita Rée, die jüdischer Herkunft war und sich nach erfolgreicher Karriere 1933 auf Sylt das Leben nahm. Ihre vor 1919 gemalte „Blaue Frau“, das Bild einer Mutter mit zwei kleinen Kindern, das dem Hamburger Richter und Sammler Gustav Schiefler gehört hatte, überflügelte seine Taxe von 40.000 bis 60.000 Euro in einem Bietgefecht haushoch und kam, durch Privatgebot von der amerikanischen Ostküste, auf 700.000 Euro – und unter die deutschen Top Ten 2019.

Die Saison war mit Kunst des 19.Jahrhunderts gestartet, Carl Spitzwegs Bild zweier Mädchen, die den weiten „Blick ins Tal“ genießen, zog von 50.000 auf 115.000 Euro an und in süddeutschen Privatbesitz. In Deutschland bleibt auch Max Liebermanns „Schreitender Bauer“ von 1894: Die lang verschollen geglaubte Studie zu seinem kriegszerstörten Bild nach dem Modell eines „Kaaskopers“ mit Kiepe auf dem Rücken aus Zaandvort erzielte mit 60.000 Euro die mittlere Taxe. Polnische Bieter stiegen für polnische Maler in den Ring, und Josef von Brandts „Dahinjagende Fuhrwerke“ von 1905 ergatterte für 80.000 Euro (30.000/40.000) derselbe Patriot, der Alfred von Wierusz-Kowalskis „Angriff der Wölfe“ auf einen Pferdeschlitten für 52.000 Euro (15.000/20.000) bekam. „Löwen am Urwaldbach“ von Wilhelm Kuhnert blieb mit 75.000 Euro knapp unter der Erwartung. Wie üblich in München, kamen Werke Franz von Stucks gut an, am besten seine Bronze „Phryne“. Sie gehörte, kurz vor 1925 geschaffen, seiner Tochter Mary, die sie 1928 ihrer Nichte zur Hochzeit schenkte. Seit damals blieb sie in Familienbesitz und bereichert nun zum Hammerpreis von 60.000 Euro (15.000/20.000) ein Museum.

Kurz darauf rückte die Buchauktion in Hamburg eine Bibel ins Licht: Die sehr seltene, achtundvierzigzeilige Heilige Schrift in zwei Bänden, die Gutenbergs Nachfolger Johannes Fust und Peter Schöffer in dessen Presse 1462 auf Pergament druckten, bekam ein Privatsammler aus der Schweiz für 840.000 Euro (Taxe 1 Million) zugeschlagen; mit Aufgeld kostet sie 1,05 Millionen Euro. Damit war schon knapp die Hälfte der mit 2,2 Millionen Euro abschließenden Buchauktion erreicht, die so zum Jahresumsatz von rund 62 Millionen Euro beitrug, dem besten der Firmengeschichte.

Quelle: F.A.Z.
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