Ergebnisse bei Ketterer

Hohe Zuschläge durch die Bank

Von Brita Sachs
27.06.2021
, 13:47
Gute Ergebnisse für Kunst aus der Sammlung Deutsche Bank sorgten für einen Rekorderlös bei Ketterer. Aber auch die Taxen vieler anderer Werke wurden großzügig überboten.
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Die jüngste Auktions-Suite bei Ketterer schloss mit einem Gesamtumsatz von mehr als 41 Millionen Euro, eingerechnet 25 Prozent Aufgeld, gegenüber einer mittleren Schätzpreissumme von 26,5 Millionen Euro. Zusätzlich hatte die Buchauktion der Saison 1,5 Millionen Euro eingespielt. Robert Ketterer gab das umso mehr Anlass zur Freude, als er mit diesem Ergebnis das „beste in der Auktionsgeschichte Deutschlands“ recherchiert haben will. Den Löwenanteil in Höhe von 28 Millionen Euro erwirtschaftete die mit 96 „Ausgewählten Werken“ bestückte Abendauktion.

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Maßgeblichen Anteil am Resultat hatten Arbeiten aus drei Sammlungen, darunter eine zweite von der Deutschen Bank eingereichte Tranche. In ihr steckte auch das teuerste Los überhaupt: Ernst Wilhelm Nays kraftstrotzendes Großformat „Doppelspindel-Rot“ von 1967 war auf 200.000 bis 300.000 Euro taxiert, um heißbegehrt auf 1,8 Millionen zu klettern; mit Aufgeld bedeutet das für den Schweizer Gewinner 2,25 Millionen Euro. Mit Günther Ueckers „Energiefeld“ von 2008 besetzte ein Werk aus der Bank-Kollektion auch Platz drei der Rangliste, als eine amerikanische Kunstberaterin 1,05 Millionen Euro (Taxe 500.000/700.000) bewilligte. Ueckers „Kunstpranger“, sein Ur-Nagelbaum von 1983, wechselte zur Obertaxe von 300.000 Euro in deutschen Privatbesitz. Auch Klassische Moderne spielte für die Deutsche Bank Geld ein, etwa mit Max Liebermanns 1923 gemaltem „Nutzgarten in Wannsee nach Südosten“ für 540.000 Euro (300.000/ 400.000) oder Lesser Urys 1928 vom Pariser Platz aus gesehenem „Brandenburger Tor“, dem mit 270.000 Euro (100.000/130.000) ein Rekord für ein Pastell des Künstlers gelang.

Aus anderen Einlieferungen stammten gefragte Gemälde deutscher Expressionisten wie Erich Heckels „Blaue Iris“ von 1908, die mit 850.000 Euro ihre untere Taxe verdoppelte. Der lebhaft bebotene „Sertigweg“ von 1937, eines der letzten Bilder Ernst Ludwig Kirchners, verdoppelte mit 1,2 Millionen Euro die obere Schätzung, dank des Einsatzes aus dem Inland. Gabriele Münter schuf ihr „Stillleben mit Madonna“ im Gründungsjahr des Blauen Reiters 1911; der Hammer schlug es bei 900.000 Euro (200.000/300.000) einem Gebot aus Norwegen zu, zugleich ein neuer Auktionsweltrekord für die Malerin. Ebenfalls 900.000 Euro (300.000/400.000) erzielte Jawlenskys Hommage an Galka Scheyer, der „Mystische Kopf: Galka Fatum – Fate“ von 1917. Auch Kandinskys „Gebogene Spitzen“, ein nach siebzig Jahren wiederentdecktes Aquarell von 1927, verbuchte 900.000 Euro (250.000/350.000). Eine ebenfalls steile Karriere gelang Franz Marcs hübschem Aquarell „Zwei gelbe Tiere“ aus der ehemaligen Sammlung Ilse und Hermann Bode: Ein Sammlerpaar aus Süddeutschland ließ mit 700.000 Euro die nicht einmal halb so hohe Taxe Makulatur sein. Otto Muellers farbige Kreidezeichnung eines Mädchenakts aus derselben Sammlung kletterte auf 85.000 Euro (30.000/40.000).

Im Bereich zeitgenössischer Kunst hatte wieder Gerhard Richter die Nase vorn, indem sein 50 mal 72 Zentimeter messendes „Abstraktes Bild, 871-2“ von 2001, auf Alu-Dibond gerakelt, auf 1,2 Millionen Euro (600.000/800.000) stieg. Den höchsten Zuschlag einer größeren Anzahl von Joseph-Beuys-Losen erzielte „Wo ist Element 3?“, eine Installation um eine elektrische Schalttafel aus dem Jahr 1984; sie ging zur unteren Schätzung von 600.000 Euro in die Schweiz. Auch Sean Scullys 1984 in pastosem Öl angelegter Streifenakkord „Fire“ wechselt für 750.000 Euro (300.000/400.000) in die Schweiz. Die Signaturen von sowohl Keith Haring selbst als auch Andy Warhol auf den vier lustigen Blättern von Harings „Andy Mouse“ mögen der Seriegraphie-Serie von 1986 zum Rekordpreis von 830.000 Euro (300.000/400.000) für ein Grafik-Werk des jung Verstorbenen verholfen haben; den Zuschlag erhielt ein Gebot aus Hongkong. Zwei Werke von Subodh Gupta spielten mit je 60.000 Euro ihre Untertaxen ein; leicht unter der Schätzung blieb eine monumentale, viel rotes Licht verströmende Installation „Reincarnation“ von Lei Hui mit 68.000 Euro.

Begonnen hatten die Auktionen mit Kunst des 19. Jahrhunderts, und sie brachten zwei echte Überraschungen: Da war der trotz seiner Bedeutung im dänischen „Goldenen Zeitalter“ noch wenig gewürdigte Detlev Conrad Blunck, dessen liebliche, an nazarenischer Kunst geschulte „Allegorie des Sonntags“ ein heftiges Bietgefecht entfachte, das erst bei 120.000 Euro (4000/ 6000) ein „skandinavisches Nationalmuseum“ für sich entschied. Da war außerdem ein reizvolles Birnen-Stillleben, das Joseph Decker 1884/5 komponierte und das auf den ersten Blick wie ein kleiner Vorläufer der Obstbilder von Karin Kneffel wirkt; erst für 80.000 Euro (2000/4000) geht es an ein Privatgebot aus Amerika, wo der Künstler schon lang gesammelt wird. Weniger überraschten im Vergleich zu diesen Ausreißern Carl Spitzwegs „Einsiedler mit Mädchen“, ein Bild, das es auf immerhin 90 000 Euro (30.000/40.000) brachte; oder Karl Hagemeisters „Sanddornstrauß an der Meeresküste“ von 1914, der mit 84.000 Euro (25.000/35.000) abschnitt.

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Quelle: F.A.Z.
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