Fall Beltracchi

Seine Stunde schlug mit einem falschen Campendonk

EIN KOMMENTAR Von Rose-Maria Gropp
23.01.2012
, 12:24
Im Zivilprozess gegen das Auktionshaus Lempertz will das Kölner Landgericht jetzt Sachverständige hören. Es geht um die Usancen im Hochpreissegment.

Im Zivilprozess der Trasteco Limited, eines Unternehmens auf Malta, gegen das Kölner Auktionshaus Lempertz und seinen persönlich haftenden Gesellschafter Henrik Hanstein hat das Landgericht Köln beschlossen, Beweis zu erheben „über die üblicherweise im Jahr 2006 vorgenommenen Echtheitsprüfungen im Zusammenhang mit Auktionen im Hochpreissegment des Kunstmarkts“. In dem Prozess, der vor knapp vier Monaten begann, geht es um ein angeblich von Heinrich Campendonk 1914 gemaltes „Rotes Bild mit Pferden“, das im Sommer 2010 den Fälscherskandal um Wolfgang Beltracchi auslöste. Lempertz hatte das Gemälde 2006 für 2,4 Millionen Euro der Trasteco zugeschlagen, die mit Aufgeld rund 2,88 Millionen Euro dafür bezahlte.

Kurz darauf wies eine chemische Analyse Titanweiß auf der Leinwand nach, ein Pigment, das nach Ansicht der Kläger zum Zeitpunkt der vorgeblichen Entstehung des Bilds noch nicht benutzt werden konnte. Daraufhin klagte die Trasteco gegen Lempertz; man will das Geld für die Fälschung zurück. Von allem Anfang an stand die Frage nach der erforderlichen Sorgfalt - anders gesagt: nach der Fahrlässigkeit - des Auktionshauses im Raum, und umso gespannter muss man auf den Ausgang der Beweiserhebung sein: Denn die Zweite Zivilkammer hat angeordnet, zur Klärung des üblichen Vorgehens schriftliche Gutachten von vier Sachverständigen einzuholen; die Streitparteien sollen jeweils vier Personen vorschlagen - und diese sollen im selben Marktsegment tätig sein wie das beklagte Haus Lempertz. Man wird also auf die eine Krähe warten, die der anderen ein Auge aushackt. Es wird, am Ende, ein Referenzurteil werden in Sachen Sorgfalt, vor allem im Auktionsgeschäft. Es geht um nichts Geringeres als die künftigen Usancen. Der nächste Termin wird erst bestimmt, wenn die schriftlichen Gutachten vorliegen. Das wird dauern, und das wird hart.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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