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Französische Auktionen 2019

Auch die Provinz ist stark

Von Bettina Wohlfarth
Aktualisiert am 10.01.2020
 - 15:39
Der Markt wächst weiterhin – und das nicht nur in Paris. Besonders die Alten Meister erleben gerade sehr gute Zeiten.

Selbst wenn London nach dem Brexit seinen Platz als führende Kunstmetropole nicht verliert, stellte sich der Kunstmarkt schon im vergangenen Jahr darauf ein, dass Paris zum wichtigsten Handelsplatz innerhalb der Europäischen Union avancieren wird. Internationale Galerien eröffneten Dependancen, und die Umsatzzahlen der Auktionshäuser in Paris stiegen. Sotheby’s konnte das beste je in Frankreich erzielte Gesamtergebnis verzeichnen. Bei einem Umsatz von 354,6 Millionen Euro beträgt der Zuwachs 41 Prozent, wozu auch die Auflösung der Sammlung des Künstlerpaars Claude und François-Xavier Lalanne beitrug, die im Oktober 91,3 Millionen Euro einspielte. Das traditionsreiche amerikanische Auktionshaus wurde Mitte des vergangenen Jahres, wie berichtet, vom französisch-israelischen Geschäftsmann Patrick Drahi gekauft und von der Börse genommen. Damit befinden sich die beiden größten internationalen Auktionshäuser nun in französischen Händen.

Christie’s liegt mit 256,7 Millionen Euro auf dem zweiten Platz und verbessert sich um 9,5 Prozent. In der Firma von François Pinault wurde der monumentale „Parc des Princes“ von Nicolas de Staël aus dem Jahr 1952 zum Spitzenlos des Jahres. Das Gemälde gehört zu einem Zyklus mit Fußballspielern und zählt, an der Grenze zur Abstraktion, zu seinen Hauptwerken; bislang war es in der Familie verblieben. Christie’s hatte den Erben, laut der französischen Fachpresse, eine Garantie von 17,5 Millionen Euro gesichert. Zu diesem Preis wurde das Bild dann auch im Oktober zugeschlagen – ein neuer Künstlerrekord, doch knapp unterhalb der Erwartung von achtzehn bis 25 Millionen Euro.

Artcurial belegt den dritten Platz im französischen Auktionsmarkt. Das Versteigerungshaus der Unternehmerfamilie Dassault verzeichnet eine Zunahme von vier Prozent bei einem Umsatz von 203,1 Millionen Euro, der allerdings zu einem Viertel die Branche der Sammlerautos einschließt. Bemerkenswert ist, dass Kunst von den Impressionisten bis hin zu den Zeitgenossen um vierzig Prozent zugelegt hat. Auch bei Artcurial erging der höchste Zuschlag im zweiten Halbjahr, in der Sektion Impressionismus und Moderne. Anfang Dezember kam Paul Gauguins „Te BouraoII“ zur Versteigerung, für das ein privater Sammler 7,8 Millionen Euro (Taxe 5/7 Millionen) bewilligte. Die ganz in Blau und Grün gehaltene Landschaft mit den sich schlängelnden Ästen eines „Großen Baums“ soll in Frankreich bleiben; bis 2017 war das Gemälde als Leihgabe im New Yorker Metropolitan Museum zu sehen.

Nicht nur die global agierenden Giganten Sotheby’s und Christie’s oder der europäisch aufgestellte Auktionator Artcurial liegen im Aufwind. Auch mittelgroße Pariser Häuser wie Aguttes, mit 66 Millionen Euro (plus 30 Prozent), und Tajan, mit 40,8 Millionen Euro (plus 10 Prozent), verzeichnen Zuwachs. Auch ihnen wurden wichtige Werke anvertraut. Ähnliches gilt für Versteigerer in der province, dem Hinterland jenseits von Paris. Sogar der höchste Zuschlag 2019 überhaupt fiel im nordfranzösischen Städtchen Senlis bei Actéon: Eine kleine, bei einer Haushaltsauflösung entdeckte Holztafel, stellte sich als Werk des italienischen Frührenaissancemalers Cimabue heraus. Die auf vier bis sechs Millionen Euro geschätzte „Verspottung Christi“, die vermutlich ursprünglich zu einem Andachts-Polyptychon gehörte, wurde im Oktober nach atemraubendem Bietgefecht für 19,5 Millionen Euro ersteigert.

Schon im Juni war über ein vor fünf Jahren in Toulouse entdecktes Gemälde, das schließlich Caravaggio zugeschrieben wurde, vom örtlichen Auktionator Marc Labarbe mit dem amerikanischen Sammler James Tomilson Hill verhandelt worden, noch bevor es zur Auktion kam. Der Kaufpreis dieser zweiten Version von „Judith und Holofernes“ bleibt unbekannt, wird sich aber, bei einer genannten, kühnen Schätzung von hundert bis 150 Millionen Euro, im unteren achtstelligen Bereich befunden haben – eine absolute Ausnahme für den französischen Markt. Ein Alter Meister des 14. Jahrhunderts kam Ende November im burgundischen Dijon bei Cortot & Associés unter den Hammer. Das Metropolitan Museum in New York ersteigerte dort, vermittelt von der Londoner Galerie Benappi Fine Art, eine kleine Tafel mit einer „Madonna mit Christuskind“. Sie soll vom Meister von Hohenfurth gemalt worden sein, einem böhmischen Maler der Hochgotik, dessen Name unbekannt ist. Trotz einer Schätzung von 400.000 bis 600.000 Euro bewilligte das Museum fünf Millionen Euro.

Gerade bei den Altmeistern wurden im zweiten Halbjahr in Frankreich besonders reizvolle Lose angeboten. Eine dramatische „Lucretia“ von Artemisia Gentileschi stellt mutmaßlich ein Selbstporträt der Künstlerin dar, die zu den bedeutendsten Malern des italienischen Barock zählt. Schon 2017 wurde im Pariser Drouot ein Rekord aufgestellt, als Gentileschis „Heilige Katharina von Alexandrien“ auf 1,85 Millionen Euro hochgeboten wurde; kurz darauf kaufte die Londoner National Gallery das Gemälde für 3,6 Millionen Euro. Bei Artcurial erreichte ihre „Lucrezia“ im November vier Millionen Euro (600.000/800.000) – und damit einen neuen Rekord. Bei Christie’s kam eines der vier existierenden Mozartporträts zur Auktion, das den Komponisten im Alter von dreizehn Jahren am Klavier sitzend zeigt und aus der ehemaligen Sammlung des Pianisten Alfred Cortot stammt; es wird Giambettino Cignaroli zugeschrieben. Bei einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro kämpften drei Telefonbieter um das außergewöhnliche Gemälde, das so auf 3,4 Millionen Euro kletterte.

Bei Sotheby’s sorgte die historische Familiensammlung von Edouard und Jacqueline de Ribes für Aufsehen; für 22,8 Millionen Euro kamen sämtliche Werke unter den Hammer. Zu den Spitzen gehörte die extrem feine, einer Marmorplastik von Giambologna nachgearbeitete Bronzeskulptur des „Raub der Sabinerinnen“ von Antonio Susini, die bei 3,8 Millionen Euro (2,5/5 Millionen) zugeschlagen wurde. Das Schloss von Versailles machte das Vorkaufsrecht des Staats geltend und erwarb das Werk für seine Sammlung. Das schon erwähnte Haus Aguttes gehört zum Zusammenschluss der Auktionatoren von Drouot. Im November erreichte dort eine „Madonna mit Jesuskind, heiligem Georg und musizierendem Engel“ des Leonardo-Schülers Bernardino Luini die untere Taxe von 1,8 Millionen Euro.

Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst

Im Bereich der Moderne wurde bei Christie’s ein Erstguss der Skulptur „Âge d’Airain“ von Auguste Rodin für drei Millionen Euro zugeschlagen, zur zweifachen Obertaxe. „Les Andelys. Soleil couchant“ von Paul Signac verdoppelte bei Christie’s mit 950.000 Euro ebenfalls die obere Schätzung.

Bei der Nachkriegs- und Gegenwartskunst gelangte, hinter de Staëls Spitzenlos „Parc des Princes“, ein außergewöhnliches Werk von Pierre Soulages auf den zweiten Platz: „Peinture 200 mal 162 cm, 14 mars 1960“ aus dem Frühwerk des am 24. Dezember hundert Jahre alt gewordenen Künstlers verdoppelte bei Tajan die untere Schätzung und wurde erst bei 8,2 Millionen Euro abgegeben – noch ein neuer Rekord. Das großformatige Gemälde mit lichtgestaltendem Schwarz und dynamischen Spatelbalken, die im Schwarz rötlich und ocker schillern, kann eine prestigevolle Herkunft aufweisen: Es wurde im Entstehungsjahr von James Johnson Sweeney gekauft, dem damaligen Direktor des Guggenheim Museums, der viel zum Erfolg des französischen Künstlers in Amerika beigetragen hat. Bei Sotheby’s fiel der höchste Zuschlag 2019 im Dezember für Kazuo Shiragas „Tentaisei Soushiko“ (Der geflügelte Tiger) von 1960; das pastose Werk erreichte mit 6,7 Millionen Euro beinah die obere Taxe.

Die Zerstreuung der privaten Sammlung des Designerpaars Claude und François-Xavier Lalanne bei Sotheby’s wurde zum wichtigsten Ereignis des Auktionsjahrs: Die Skulpturen und Möbel der beiden sind inspiriert von surrealistischer Poesie der Natur, der Flora und Fauna. Alle 274 Lose wurden verkauft. Der „Rhinocrétaire“ von François-Xavier Lalanne, eine Nashornskulptur als Schreibtisch, wurde erst bei 4,6 Millionen Euro (700.000/1 Million) abgegeben, während „Choupatte (très grand)“, ein großer Kohlkopf auf Hühnerbeinen, von Claude Lalanne mit 1,8 Millionen Euro (150.000/200.000) seine Taxe vervielfachte. Seit der legendären Auflösung der Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé im Jahr 2009, bei der Lalanne-Werke Höchstzuschläge erzielten, steigen die Preise stetig. Und 91,3 Millionen Euro sind auch der höchste Umsatz, der seither für eine Sammlung in Frankreich eingespielt wurde.

Quelle: F.A.Z.
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