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Gagosian Gallery

Von den Sturmhöhen Capris herab

Von Gina Thomas
Aktualisiert am 24.06.2020
 - 11:37
Tisch auf gedrehten Mahagonisäulen vor dem gerahmten fotografischen Abbild eines der Fenster des Casa Malaparte mit spektakulärem Ausblick auf das Meer.
In der Gagosian Gallery in London sind Möbel aus der berühmten Casa Malaparte auf Capri zu bestaunen.

Während britische Museen ihre Aktivitäten noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortsetzen müssen, haben viele der führenden kommerziellen Galerien des Londoner West Ends in enger Zusammenarbeit mit den Behörden ihre Räume zaghaft wiedereröffnet. Ungewöhnlich für eine Branche, in der Rivalität die Geheimniskrämerei nährt, stehen die Akteure seit Beginn des Lockdown im März in enger Verbindung miteinander. Mehr als sechzig Galerien sind an einer Whatsapp-Gruppe beteiligt, die nicht nur dem Austausch von praktischen Informationen über Sicherheitsmaßnahmen oder der Koordination für Sammelbestellungen von Schutzmaterial dient, sondern auch ein Forum zur Diskussion von weiter reichenden Fragen über das künftige Vorgehen des Kunsthandels geworden ist.

Wie die anderen Galerien hat sich auch Gagosian in den Wochen des Lockdown online präsent gehalten, unter anderem durch die Beteiligung an den virtuellen Messen und mit den wöchentlich wechselnden Präsentationen einzelner Werke zur Unterstützung von Künstlern, deren Ausstellungen abgesagt werden mussten. Der Handel lief unterdessen weiter. In seinen drei Londoner Galerien nimmt auch Gagosian jetzt die Arbeit wieder auf, allerdings unter Einschränkungen. Es besteht Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, Besucher müssen sich voranmelden und werden nur einzeln zugelassen, zumal in den intimeren Räumen der Niederlassung in Grosvenor Hill: Dort werden drei Möbelstücke aus der ikonischen Casa Malaparte in Capri gezeigt, die in einer Edition von jeweils zwölf Exemplaren in Norditalien nachgebaut worden sind. Ihre Inszenierung in der Galerie ist der Einrichtung jenes Phantasie-Gebäudes nachempfunden, das der flamboyante Schriftsteller Curzio Malaparte in den späten dreißiger Jahren für sich errichten ließ, als eine Art architektonischer Versinnbildlichung seiner selbst.

Im Hauptraum der Galerie sind der auf gedrehten Mahagonisäulen ruhende Tisch, eine Konsole und eine Bank so ähnlich aufgestellt wie im Wohnraum der Casa Malaparte mit seinem an die altrömische Straßenpflasterung angelehnten Steinfußboden, den Alberto Savinio für Malaparte entworfen hat. An den weißen Galeriewänden vermittelt ein genaues fotografisches Abbild eines der vier – wie Altmeistergemälde gerahmten – Fenster mit ihren spektakulären Ausblicken auf das Meer einen Eindruck des dramatischen Rahmens, den Malaparte zu seiner Selbstverwirklichung wählte. In einem kleinen Nebenraum sind einige barocke Meissener Porzellanobjekte aus dem Haus ausgestellt. Sie erinnern an die deutsche Herkunft des als Curt Erich Suckert geborenen Sohnes eines nach Prato übergesiedelten Textilhändlers, der sein Pseudonym Malaparte in Anspielung auf Bonaparte wählte. In zwei Vitrinen veranschaulichen Fragmente Etappen seiner Biographie und seines Wirkens, darunter auch ein Ausschnitt aus Jean Luc Godards Film „Le Mépris“ („Die Verachtung“), in dem die junge Brigitte Bardot durch die Räume der Villa huscht.

Gagosians Beziehung zu den Nachkommen Malapartes, die das der Volksrepublik China vermachte Haus auf gerichtlichem Weg zurückgewinnen konnten, reicht schon länger zurück. Sie basiert auf deren Wunsch, an den von Malaparte gepflegten Austausch mit Künstlern und Schriftstellern anzuknüpfen. Mit dieser Absicht wird auch die von seinem Urgroßneffen Tommaso Rositani Suckert initiierte Möbel-Edition erklärt. Wie das rote Haus mit seiner trapezförmigen Außentreppe hinauf zur schiffsdeckartigen Dachterrasse verkörpern auch diese Stücke die Widersprüche in Malapartes sprunghaftem Wesen, sie spiegeln die Spannung zwischen Klassizismus und Primitivismus. Mit bis zu 100 000 Dollar ausgezeichnet, dürften die Möbel wohl auch zur Instandhaltung des auf den Sturmhöhen von Capri nistenden Hauses beitragen. (Bis zum 19. September.)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Thomas, Gina (G.T.)
Gina Thomas
Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.
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