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Galerierundgang Düsseldorf

Es weht ein frischer Wind

Von Magdalena Kröner
 - 05:50

Seinen Einstand als Galerist gibt Max Mayer, der 1983 geborene Sohn von Hans Mayer. Mit Max Bill als Patenonkel und einem der wichtigsten Galeristen Europas als Vater schien der Weg in die Kunst vorgezeichnet - weit gefehlt: Als Jugendlicher versuchte er sich als Sprayer; denn „Kunst war das, was mein Vater machte“, wie er sagt. Die Begegnung mit Keith Haring brachte den Durchbruch: „Keith verband beides, und ich erkannte, was Kunst alles sein kann.“ Mittlerweile empfindet der junge Galerist die Nähe zum Vater als Vorteil. Konkurrenz schließt er aus, die sechs Jahre Studium an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe haben sein eigenes Profil geschärft. In Karlsruhe gründete Mayer den Off-Raum „Mayerei“ und zeigte dort bereits Kommilitonen wie Jan Paul Evers und David Heitz.

Die beiden Künstler bilden nun sein Programm - nur diese beiden. Der 1983 geborene David Heitz hat einen minimalistischen Parcours eingerichtet, der aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Genres beleuchtet, was „Skulptur“ alles sein kann. Im ersten Raum umfängt stilles Dunkel den Besucher, das nur vom unregelmäßigen Klackern eines Diaprojektors unterbrochen wird. In sieben Minuten werden dreißig Schwarzweißfotos von Landschaften oder zunächst unspektakulären Alltagssituationen gezeigt, in die man sich eine Weile einsehen sollte. Nach und nach erschließen sich in jedem der Einzelbilder skulpturale Details: die haptische Oberfläche einer Pfütze am Boden, ein paar Plastikflaschen vor einem Zelt. In einem anderen Raum hat Heitz zwei runde Platten aus Rauchglas mit einem Tisch zu einer erstaunlichen Farbfeldkomposition verdichtet. Von diesem Künstler lässt man sich gern einige überraschende Blickachsen vorgeben.

Eine Implosion als Endpunkt

Unweit von Mayer hat Linn Lühn, nach langen Jahren in Köln, im September 2011 ihre Arbeit in Düsseldorf aufgenommen. Sie zeigt bereits zum dritten Mal Arbeiten der 1972 in Newcastle-Upon-Tyne geborenen Clare Stephenson, die gegenwärtig in Glasgow lebt und im nächsten Jahr in Köln für eine Weile ein Gastatelier beziehen wird. Der Ausstellungstitel „She-Who-Is-The-Maker-Of-Objects“ könnte eine Reverenz an die Arts-and-Crafts-Bewegung sein, stammt aber aus einem Gedicht der Künstlerin und wird wie ein Mantra als poetisches Fragment auf den Arbeiten fortgeschrieben. Stephenson zeigt Objekte aus Holz, die sie „Venetian Blinds“ nennt. Diese Paravents verweisen eher auf etwas Modellhaftes als auf eine tatsächliche Funktion. Die weißen Holzkörper, teils farbig besprüht und auf Podesten präsentiert, wirken wie surreale Gebrauchsgegenstände, sind aber ebenso Piktogramm, Bild und Skulptur.

Stephenson verbindet in ihren neuen Arbeiten eine der Pop-Art entlehnte Bildsprache, die manchmal an Plattencover der achtziger Jahre erinnert, mit einem ironischen Augenzwinkern in Richtung Minimal. Am Ende der schönen Künste und zahlreicher poetischer und feministischer Bezüge implodieren Leben und Kunst in den drei Einzelteilen des „Deep Fat Fryer“: Hülle, Ölwanne, Frittiersieb. (Preise von 2500 bis 6000 Euro.)

Mit Ausgangsmaterial von Brecht

Dass auch die unmittelbare Nähe zur Akademie nach wie vor reizvoll für Galeristen ist, zeigen die neuen Räume, die Felix Ringel an der berühmten Adresse Am Eiskellerberg 1 bezogen hat. In den siebziger Jahren war dort die Galerie von Kiki Maier-Hahn so etwas wie das Wohnzimmer der Akademiestudenten. Ringels Wechsel von der Heinrich-Heine-Allee dahin brachte zwar eine Verkleinerung mit sich, die aber die aktuelle Ausstellung für eine stringente Inszenierung zu nutzen weiß: „Poor Monuments“ heißt die in Kooperation mit der Londoner Galerie Paradise Row entstandene Ausstellung des Duos Adam Broomberg und Oliver Chanarin.

Die beiden in London lebenden Künstler haben hundert Exemplare von Bertolt Brechts 1955 in der DDR herausgebrachter „Kriegsfibel“ in Antiquariaten erworben. Brecht hatte in bester aufklärerischer Manier in seinem Buch markante Pressefotografien, die Krieg und Totalitarismus dokumentierten, eindringlichen Versen gegenübergestellt.

Broomberg und Chanarin nutzen das berühmte Buch als Rohmaterial, indem sie aktuelle Bilder sorgfältig in die historischen Vorlagen einfügten. Sie nehmen darin vor allem Bezug auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Jedoch entziehen sie die so entstandenen Collagen der unmittelbaren Öffentlichkeit und präsentieren bei Ringel nun die bildnerischen Stellvertreter: In dem insgesamt fünfundachtzigteiligen Bilderreigen werden die originalen Buchseiten gezeigt, in denen das später von den Künstlern hinzugefügte Bild durch ein transparentes rotes Farbfeld indiziert ist. (Preise von 1900 bis 22.000 Euro.)

Ein Kombination konkreter Motive

Erst im November hat die Kunstsammlerin Shia Berger, die Ende der achtziger Jahre in der Galerie Heike Curtze an der Citadellstraße tätig war und sich dort den Wiener Aktionisten widmete, den „Kunstraum 49“ in der Innenstadt eröffnet. Er liegt in der ersten Etage eines Bürohauses und ist nur nach Anmeldung zugänglich. „Das persönliche Gespräch ist mir ebenso wichtig wie der künstlerische Austausch zwischen Ost und West“, erklärt Berger. Ihre erste Ausstellung zeigt die Bildfolge „Nowhere oder 36 Ansichten des Fujiyama“ des Deutsch-Japaners Kanjo Také, der gegenwärtig auch mit Videoarbeiten auf Manfred Schneckenburgers dritter „Lichtsicht“-Biennale im niedersächsischen Bad Rothenfelde vertreten ist.

Dieter Ronte schrieb über die an Hokusais berühmten Holzschnittzyklus angelehnten digitalen Collagen, die als Fresken im Raum installiert sind: „Die Erfahrungen in der Analyse japanischer Gedichte transformieren in der visuellen Kunst von Také zum unendlichen Bild, das sich nicht sofort in das logische Sehen des Europäers integriert.“ „Nowhere Kyoto“ heißt eine abstrakte Komposition, die sich als Meer aus erdachten, leuchtenden Blüten lesen lässt. Tatsächlich sind Takés Abstraktionen aus konkreten Einzelmotiven zusammengesetzt, die sich erst bei eingehender Betrachtung erschließen. (Preise von 7600 bis 38.300 Euro.)

Quelle: F.A.Z.
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