Neue Vorwürfe gegen Knoedler

Jetzt auch Diebenkorn?

Von Lisa Bingenheimer
25.05.2012
, 15:40
Ein Kunstskandal erschüttert New York und zieht immer weitere Kreise: Jetzt muss sich die Knoedler-Galerie auch noch gegen Vorwürfe wehren, mit gefälschten Diebenkorn-Gemälden gehandelt zu haben.

Die inzwischen geschlossene New Yorker Knoedler-Galerie und ihre ehemalige Präsidentin Ann Freedman kämpfen derzeit gegen die Anschuldigung, gefälschte Gemälde verkauft zu haben. Wie berichtet, behaupten zwei frühere Kunden, dass die Galerie die Authentizität der von ihnen gekauften Werke von Mark Rothko aus dem Jahr 1956 und Jackson Pollock aus dem Jahr 1950 nicht sorgfältig überprüft hätte und haben deshalb in New York Klage auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt 42 Millionen Dollar eingereicht. Die Beweisführung steht jedoch noch ganz am Anfang. Nur vage Information gibt es von Seiten des FBI zur Herkunft der Bilder: Die umstrittenen Arbeiten stammen aus einer bis dato unbekannten Quelle und wurden der Galerie Knoedler von der auf Long Island ansässigen Kunsthändlerin Glafira R. vermittelt. Knoedler hatte von ihr insgesamt rund zwanzig Werke erworben, unter denen sich neben Arbeiten Rothkos und Pollocks noch Gemälde von De Kooning und Richard Diebenkorn befunden haben sollen.

Dieses Konvolut geriet im Zusammenhang mit einem anderen Fall in den Fokus des FBI, als der Geheimdienst den Schwiegersohn von Diebenkorn, Richard Grant, befragte. Der Geschäftsführer der „Diebenkorn Foundation“ erinnerte sich an ein Treffen mit Ann Freedman 1993, an dem auch die Witwe des Künstlers und seine Tochter Gretchen teilnahmen. Freedman zeigte ihnen damals zwei Gemälde, die angeblich aus Diebenkorns „Ocean-Park“-Serie stammen sollten und die Ann Freedman von einem Mann - diesmal nicht von Glafira R. - vermittelt worden seien, der die Identität seines Auftraggebers nicht habe preisgeben wollen. Das Verschweigen der Provenienzen kam der Diebenkorn-Familie dubios vor.

Aussage gegen Aussage

Richard Grant will gegenüber Ann Freedman ausdrücklich den Verdacht geäußert haben, dass es sich um Fälschungen handeln könnte. Nach dem Bericht der „New York Times“ soll Richard Grant ausgesagt haben, dass die Werke später trotzdem verkauft worden seien. Darüber hinaus soll Grant angemerkt haben, dass Ann Freedman die Diebenkorn-Familie nach diesem Gespräch nicht mehr im bisherigen Umfang in die Beurteilung angeblich zur „Ocean-Park“-Serie gehörender Bilder einbezogen habe. Denn sieben Werke, die durch die Hand von Ann Freedman und Glafira R. gegangen sein sollen, weisen eine andere umstrittene Provenienz aus: Auf den Bildern ist ein Aufkleber der Madrider Vijande-Galerie angebracht. Diese Herkunft hält der Sohn des inzwischen verstorbenen Inhabers der Vijande-Galerie jedoch für unglaubhaft, wie er im Gespräch gegenüber der Zeitschrift „Vanity Fair“ erklärte.

Auch Richard Grant glaubt, dass diese Gemälde von Richard Diebenkorn Fälschungen sind. Er erinnert sich im Gespräch mit „Vanity Fair“ daran, dass seine Frau und seine Schwiegermutter Ann Freedman in der Galerie aufgesucht hätten, um sie darauf hinzuweisen, dass ihnen keine Dokumente vorlägen, die die Existenz dieser Gemälde nachweisen. Doch auch diese Bilder tauchten trotz aller Warnungen später auf dem Markt auf. Ann Freedman bestreitet, dass die Familie Diebenkorn sie gewarnt hätte. Nun steht Aussage gegen Aussage. Mittlerweile wird auch gegen Glafira R. ermittelt.

Quelle: F.A.Z.
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